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Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel).

Tatort "Blut", ARD

Der kleine Vampir

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Der Bremer Grusel-Tatort "Blut" steckt in der Parodie einer Schauergeschichte fest.

Hier also der jahreszeitgemäße Gruseltatort. Es bleibt darin nicht lange verborgen, dass ein Vampir aus Fleisch und, ähm, Blut in Bremen umgeht. Ohne mit der Wimper zu zucken, bejaht der Pathologe die fachgerecht formulierte Frage der ebenfalls nicht mit der Wimper zuckenden Hauptkommissarin Lürsen, Sabine Postel: „Es wurde tatsächlich Blut abgesaugt?“ 

In Bremen sind zu diesem Zweck unheimlich wenige Menschen unterwegs (der Vampir benötigt Eins-zu-eins-Situationen), dafür gibt eine Unzahl von Büschen, Bäumen, offenstehenden Terrassentüren und Indiskretionen bei der Weitergabe von Adressen.

Da die betreffenden Personen die Musik von Michael Kadelbach nicht hören können, sind sie unbedarft. Auch ist andauernd Nacht, damit der Vampir seinen Sarg, also das Einfamilienhäuschen verlassen kann, das er mit einem freundlichen Mann bewohnt, dem bekannten österreichischen Theaterschauspieler Cornelius Obonya. 

Der Vampir ist sensibel und einsam und hat offenbar beträchtliche psychische Probleme, scheint mit seinem Vampirsein hingegen weitgehend vernünftig umzugehen.   Es ist jedenfalls meistens ausreichend Blut im Haus. „Das ist ja widerlich“, sagt allerdings der Vampir, wenn der freundliche Mann solches vom Rind serviert. „So kann das nicht weitergehen“, sagt dann der freundliche Mann. 

Der Vampir wird im Drehbuch von Regisseur Philip Koch und von Holger Joos übrigens nicht gegendert, auch als die Polizei bereits weiß, dass es sich um Tilda Swinton, nein, pardon, um Lilith Stangenberg handelt. Die Vampirin aus Jim Jarmuschs „Only Lovers Left Alive“ dürfte den Erfindern von „Blut“ aber zumindest vorgeschwebt haben. 

Da es aber, liebe Kinderlein, in echt selbstverständlich gar keine Vampire gibt, müssen die Bremer jetzt auf die Suche nach einer plausiblen Auflösung für all das gehen. Sie finden sie auf Biegen und Brechen.

Im Grunde genommen steckt das Publikum 90 Minuten lang in der Parodie einer Schauergeschichte fest, in der es bloß von einer genretypischen Szene in die andere geschubst wird – Angsthasen werden sich über weite Strecken erklären lassen müssen, was überhaupt los ist. Zugleich kommt die Handlung genretypisch nicht recht voran. 

Statt aber nun endlich vollends ins Komödiantische zu kippen, wo eine solche Handlung hingehört, wenn keiner einen brillanten Einfall dazu hat, scheint es den Machern weitgehend ernst damit zu sein. Jetzt wird nämlich auch noch Stedefreund, Oliver Mommsen, gebissen. Wie jedermann, so auch Stedefreund, weiß, droht die Transformation in einen Vampir, und es dauert nur ein paar Stunden, da zeigen sich bereits die mysteriösesten Anzeichen. 

Herrlich, dass Lürsen wie im falschen Film stocknüchtern bleibt. Nur gehen auch ihr langsam die Argumente aus. Aber die Sendezeit ist noch eine ganze Weile nicht vorbei.

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