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Seit vielen Jahren gehört der Gang zum Jobcenter Dortmund für die beiden Freunde Günther Kuballa (Armin Rohde, re.) und Wolfgang Krettek (Ludger Pistor, li.) zur Routine.

"Schnitzel de luxe", ARD

Kleine Leute, große Träume

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Der vierte Teil der "Schnitzel-Saga" mit Armin Rohde und Ludger Pistor erzählt erneut die harmlos-heitere Geschichte zweier Ruhrpott-Freunde und ihrer Suche nach dem Glück.

„Ein Schnitzel für drei“, „Ein Schnitzel für alle“, „Schnitzel geht immer“: Die Titel sind im Lauf der Jahre nicht origineller geworden. Der vierte Teil der 2010 gestarteten „Schnitzel“-Saga heißt „Schnitzel de luxe“, was sich eigentlich nicht mehr steigern lässt, zumal die beiden Helden zum Schluss tatsächlich am Ziel ihrer Wünsche sind. Erneut erzählt Ingo Haeb, der auch „Schnitzel geht immer“ geschrieben hat, vom kleinen Glück, das sich die Dortmunder Langzeitarbeitslosen Günter und Wolfgang (Armin Rohde, Ludger Pistor) erträumen.

Weil alle Weiterbildungsmaßnahmen nicht gefruchtet haben, ist selbst die unermüdlich hilfsbereite Sachbearbeiterin (Ramona Kunze-Libnow) vom Jobcenter mit ihrem Latein am Ende. Da ergibt sich aus heiterem Himmel ein Hoffnungsschimmer: Theo (Tilo Prückner), Inhaber der „Schnitzelbude“, dem Stammlokal der beiden Freunde, will in den Ruhestand gehen. Seine Tochter würde Günther und Wolfgang den Imbiss für 10.000 Euro überlassen. Da trifft es sich gut, dass Wolfgangs bessere Hälfte (Therese Hämer) einen alten Schulfreund getroffen hat: Rolf (Albrecht Ganskopf) hat es zum Millionär gebracht. Von der Bank würden die beiden Schnitzeljäger keinen Kredit bekommen, aber vielleicht lässt sich ja Rolf überzeugen; der war schließlich schon damals hinter Karin her. Tatsächlich entpuppt sich der zunächst eher aufgeblasen und typisch neureich wirkende Millionär als durchaus zugänglich, gerade Günther ist ihm sehr sympathisch. Er vertraut dem ehemaligen Tierpfleger seine beiden Schoßhunde an; Wolfgang soll derweil die Kunstsammlung katalogisieren. Geld verleiht er allerdings grundsätzlich nicht, erst recht nicht an Freunde, aber so schnell geben die beiden Glücksritter nicht auf.

Nur eine eine Handvoll Einfälle 

Im Grunde hat die Geschichte nicht mehr als eine Handvoll Einfälle zu bieten: Wolfgang täuscht eine Verletzung vor, um Schmerzensgeld zu bekommen, und reagiert ziemlich eifersüchtig, als Karin mit Rolf für ein Wellness-Wochenende ins Sauerland reist; Günther wiederum bringt es nicht übers Herz, den gemeinsamen Traum zu verwirklichen, als ihm klar wird, dass ihr Glück das Pech eines anderen bedeutet. Die Handlung ist ohnehin vorwiegend harmlos-heiter; der Film lebt vor allem von den beiden Hauptfiguren und ihren Darstellern. Auch die Inszenierung wirkt diesmal eine Nummer kleiner. Nach Manfred Stelzer (Teil eins und zwei) und Wolfgang Murnberger hat nun Micha Lewinsky Regie geführt. Der Schweizer hat erst ein paar Filme gedreht, aber die konnten sich sehen lassen; „Die Standesbeamtin“ (2009) war eine wunderbare romantische Komödie, „Nichts passiert“ (2016) ein sehenswertes Drama mit Devid Striesow als Familienvater, der aus Harmoniesucht zum Verbrecher wird. Im Vergleich zu diesen Kinofilmen wirkt „Schnitzel de luxe“ doch recht brav, zumal das Tempo ziemlich überschaubar ist.

Andererseits passt die Gemächlichkeit zur Geschichte, außerdem entspricht sie dem ruhigen Rhythmus, in dem die beiden Freunde ihr unspektakuläres Leben leben. Abgesehen davon hat Haeb sein Drehbuch mit spürbarer Zuneigung zu seinen Figuren geschrieben. Weil der Film gleichzeitig weitgehend auf Sozialromantik verzichtet, wirken Günther und Wolfgang vergleichsweise alltagsnah; ihr Traum vom bescheidenen Glück lädt ohnehin zur Identifikation ein. Dass der Weg dorthin eher umständlich verläuft, ist im Zeitalter permanent platzender Start-up-Seifenblasen ebenfalls recht realistisch. Umso liebevoller ist das Finale eingefädelt, als Wolfgang erkennt, dass seine künstlerisch wertvolle Weiterbildungsmaßnahme doch nicht für die Katz’ war.

Ähnlich sympathisch wie die beiden Helden und der entspannte Bluesrock von Markus Gartner ist eine Nebenfigur, die mehr und mehr in den Mittelpunkt rückt: Der griechische Handwerker Kostas (Samir Fuchs), dessen Nachname zu lang für seinen Lieferwagen ist, entpuppt sich als Leidtragender der zwischenzeitlichen Wendung zum Guten; trotzdem ist der Mann von einer fast schon beschämenden Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Umso schöner ist die Szene eingefädelt, in der die Freunde mit Hilfe von Wolfgangs Tochter (Cristina do Rego als Sonnenschein auch des vierten Films) dafür sorgen, dass Kostas den verdienten Lohn für seine Mühen bekommt. Es sind ohnehin die vielen kleinen Ideen am Rande, die den großen Charme von „Schnitzel de luxe“ ausmachen, zumal sie den beiden Hauptdarstellern Gelegenheit für kleine Solo-Einlagen geben; sehenswert ist zum Beispiel Günthers zunehmend verzweifeltes Zwiegespräch mit einem elektronischen „Koch-Assistenten“. Trotzdem wirkt die „Schnitzel“-Saga auserzählt, weshalb der WDR der Einfachheit halber wieder von vorn anfängt: Im Frühjahr zeigt der Sender in seinem dritten Programm die Serie „Ohne Schnitzel geht es nicht“; die sechs Folgen erzählen mit dem gleichen Ensemble wie in den Filmen, was sich Wolfgang und Günther alles einfallen lassen, um ins Arbeitsleben zurückzukehren.

Zur Sendung
Komödie: „Schnitzel de luxe“
Sendetermin TV: Mittwoch, 9.1., 20.15 Uhr, ARD
Die Sendung im Netz

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