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1960 bei den Dreharbeiten zu „Spartacus“.

Nachruf

Kirk Douglas: Ein Leben in Leidenschaft

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Im Alter von 103 Jahren ist Hollywood-Legende Kirk Douglas gestorben.

Mit stahlharter Faust“ ist der deutsche Titel eines seiner Western, was es natürlich nicht ganz traf: Der Unbeugsame, den er in King Vidors fein gearbeiteter Ode an den Widerstandsgeist spielte, war keine brutale Kampfmaschine. Und doch lag etwas Stählernes in Kirk Douglas Filmpersona, die uns nicht wundern lässt, dass so ein handfester Kerl auch ein derart biblisches Alter erreichen sollte. Mit 103 Jahren ist dieser überwirkliche Star am Mittwoch in Hollywood gestorben; der letzte unter den männlichen Kassenmagneten, dessen Karriere in die Glanzzeit des Studiosystems in den 40er Jahren zurückreicht.

Kirk Douglas war und bleibt der Inbegriff dessen, was Hollywood sich unter einem leading man vorstellt. In einer Kunstform, die alles fälschen kann, die Schlösser aus Gips erschafft und Monde aus Papier, müssen die Helden umso authentischer wirken. Douglas brachte so viel schillerndes Leben mit, dass es einem fast unheimlich werden konnte.

Er personifizierte Aktion und Kraft im Kino, aber unter seiner meist angespannten Stirn sprühte zugleich ein hellwacher Geist. Kirk Douglas war gleichermaßen glaubwürdig als Harpunier Ned Land in Walt Disneys Klassiker „20 000 Meilen unter dem Meer“ wie als von inneren Konflikten zernagter Jazz-Musiker Bix Beiderbecke in „Young Man with a Horn“. Und wie kann es sein, dass ein und derselbe Schauspieler die antiken Helden Odysseus und Spartacus verkörpern kann und zugleich das Sinnbild des tragischen Künstlergenies, den an sich selbst zerbrechenden Maler Vincent van Gogh?“

Kirk Douglas - ein Leben in Bildern

Kirk Douglas mit 103 Jahren gestorben
Der Schauspieler Kirk Douglas ist mit 103 Jahren gestorben. Wir zeigen Bilder aus seiner langen Karriere - hier 1959 mit Christine Kaufmann (l.) und Barbara Rütting in München. © Georg Göbel/dpa
Frankfurt 1957: Kirk Douglas entdeckt den Bembel.
Frankfurt 1957: Kirk Douglas entdeckt den Bembel. © Keystone / Keystone
Kirk Douglas mit 103 Jahren gestorben
Los Angeles 1971: mit seiner Frau Anne.  © Harold Filan/AP/dpa
Hollywood 1985: mit Sohn Michael. © afp
Jerusalem 2000. © afp

Kirk Douglas war ein Mann, dem man alles zutraute, weil er sich selbst alles zutraute. Die Kraft seiner Leinwandpräsenz schien grenzenlos. Dass er sich von seiner Gage in Vincente Minnellis Biopic „Ein Leben in Leidenschaft“ einen eigenen „van Gogh“ kaufen konnte, zeigt freilich, welchen Geschmack und welche Weitsicht er auch außerhalb der Leinwand hatte. Kunsthistoriker mögen das eine oder andere biografische Detail daran kritisieren, aber Minnelli und Douglas prägten das Bild des Künstlers wohl nachhaltiger als jede Ausstellung. Und was noch wichtiger ist: Sie schufen ein eigenes Meisterwerk, das bezeugt, wozu Hollywood in seiner Glanzzeit fähig war – Künstlichkeit in Kunst zu verwandeln und Melodramatik in Wahrhaftigkeit. Wie ungewöhnlich dieses Männlichkeitsbild damals erschienen ist, bezeugt der überlieferte Angriff des Kollegen John Wayne: „Um Himmelswillen, Kirk, wie kannst Du so was spielen? Wir müssen starke, harte Typen spielen, nicht diese schwachen Schwuchteln.“

Es gab andere Stars seiner Generation von ähnlich athletischer Ausstrahlung, insbesondere Charlton Heston oder Burt Lancaster, doch was Douglas ihnen voraus hatte, war ein besonderes Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz. Und dann war da dieser besondere Sinn für Humor, ein jungenhafter Schalk, der dann aus seinen blauen Augen blitzte – und ihn etwa in „20 000 Meilen unter dem Meer“ ein Duett mit einem Seehund singen ließ.

Los Angeles 2008: mit Anne Douglas.

Als Sohn armer russisch-jüdischer Emigranten schlug sich Douglas durch 40 verschiedene Jobs, bevor er als Schauspieler zu Erfolg kommen sollte. Seine frühen Rollen waren handfeste Typen, denen er einen Überschuss an Realismus einbringen konnte. „Ich habe Karriere gemacht, indem ich Hurensöhne spielte“, fasst er es später zusammen. Seinen Durchbruch erlebte er 1947 an der Seite von Robert Mitchum als Gangsterboss im klassischen „Film noir“, „Out of the Past“ („Goldenes Gift“). Nicht vielen Stars ist es gelungen, aus dem „Typecasting“, der Festlegung auf bestimmte Rollen, auszubrechen und vom „Schurken“ zum „Helden“ zu werden.

Kirk Douglas gehört nicht zu den Stars, die nur auf der Leinwand wirkten. Wer ihm einmal begegnen durfte wie auf der Berlinale 2001, war gefangen wie im Kino. Dass er nach einem schweren Schlaganfall nur mühsam sprechen konnte, schien ihn nicht im Mindesten zu bremsen. Im Gegenteil gab es ihm Zeit, das, worauf er in seinem langen Leben stolz sein konnte, messerscharf zu formulieren.

Vor allem war das der Bruch der „Blacklist“: Als Produzent „Spartacus“, Stanley Kubricks frühem Geniestreich, engagierte er den wegen angeblicher Nähe zum Kommunismus gesperrten Autor Dalton Trumbo. Es brauchte eben die stahlharte Faust eines Kirk Douglas, um 1960 dem Spuk des Gesinnungswächters, Senator McCarthy, ein Ende zu bereiten. Die Schattenseite der Heldentat war freilich, dass er Trumbos Dienste denkbar günstig kaufen konnte.

Wie viele der ganz großen Hollywoodstars wurde Kirk Douglas bei den Oscars kaum gewürdigt. Dreimal wurde er immerhin nominiert, darunter für seine vielleicht beste Rolle, die des Hollywoodproduzenten Jonathan Shields in „Stadt der Illusionen“ (1952). Auch hier war es Regisseur Vincente Minnelli, dessen Feingefühl den mächtigen Protagonisten sensibel führte.

Eine Karriere wie die von Kirk Douglas kommt nicht von ungefähr. Schon an der Auswahl der Rollen erkennt man die Kennerschaft des späteren Produzenten; und wenige Schauspieler seiner Prominenz waren in der Lage, die Kunst großer Regisseure neidlos anzuerkennen und ihrer Führung zu vertrauen. Bereits 1955 muss er den Verfall des lange übermächtigen Studiosystems vorausgesehen haben und gründete seine eigene Produktionsfirma. Er entdeckte das Talent von Stanley Kubrick, den er für den kritischen Kriegsfilm „Wege zum Ruhm“ engagierte.

Bereits vor Erscheinen kaufte Kirk Douglas Anfang der 1960er Jahre die Film- und Bühnenrechte an Ken Keseys Roman „Einer flog über das Kuckucksnest“. 1963 spielte er in einer ersten Theaterinszenierung die Hauptrolle, die Filmrechte überließ er später seinem Sohn Michael, der den späteren Oscargewinner produzierte.

Michael Douglas war es auch, der gestern die Todesnachricht bekanntgab: „Für die Welt war er eine Legende, ein Schauspieler aus der goldenen Zeit des Kinos, der weit bis in seine eigenen Goldenen Jahre lebte, ein Philanthrop, dessen Eintreten für Gerechtigkeit und seine Überzeugungen uns alle inspirierte. Aber für mich und meine Brüder Joel und Peter war er einfach Dad…“

Auch nach einem schweren Schlaganfall im Jahre 1996 blieb Kirk Douglas als Schauspieler aktiv und stand noch 2009 in einer One-Man-Show auf der Bühne. In mehreren Büchern teilte Douglas seine Lebenslust. „Das Leben ist wie ein B-Film-Drehbuch. Es ist so abgeschmackt. Hätte man mir meine Lebensgeschichte als Filmidee angeboten, ich hätte sie rundweg abgelehnt.“

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