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„Rex Gildo – Der letzte Tanz“: Zwischen Showbühne und Einsamkeit

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Von: Moritz Post

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Der neue Film „Rex Gildo“ von Rosa von Praunheim ab dem 29. Oktober im Kino.
Der neue Film „Rex Gildo“ von Rosa von Praunheim ab dem 29. September im Kino. © Thomas Ernst/rbb

Ab dem 29. September in deutschen Kinos: Der neue Film Rosa von Praunheim ist eine liebevolle Ehrung für einen großen Entertainer.

Frankfurt – War er es, oder war er es nicht? Die Frage danach, ob Schlagersänger Rex Gildo homosexuell war oder nicht, beantwortet Rosa von Praunheim eindeutig positiv. In seinem neuen Film „Rex Gildo – Der letzte Tanz“ wirft der Frankfurter Regisseur einen ausführlichen Blick auf das Leben des Mannes, der 1972 mit „Fiesta Mexicana“ seinen größten Erfolg landete und in den Wohnzimmern gesamten Republik gespielt wurde.

Mit „Der letzte Tanz“ läuft ab dem 29. September ein unklassisches Biopic in den deutschen Kinos, dessen Schlaglicht nicht nur auf den Künstler Rex Gildo, der bürgerlich Ludwig Franz Hirtreiter hieß, gerichtet ist. Rosa von Praunheim lässt sein Publikum in liebevoller Art und Weise an einem individuellen Schicksal teilhaben, dessen Tragik sich vor dem Hintergrund einer bigotten und verstaubten Gesellschaft selbst erklärt. Der Regisseur begibt sich damit auch in eine Zeit zurück, in der der Filmemacher sich selbst und seinem epochalen Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ wiederbegegnet. Ein Film, der als Initialzünder für die Schwulenbewegung und die Befreiung der Homosexuellen in Deutschland gesehen wird.

Im Kino: Newcomer Kilian Berger als junger Rex Gildo

Die Darstellung Rex Gildos zeigt jedoch, dass diese Befreiung der Schwulenbewegung noch nicht in den Mühlen der deutschen Schlagerindustrie angekommen war. Anhand historischer Aufnahmen gewährt der Film einen Blick auf die Karriere der Kunstfigur Rex Gildo, die bewusst als Frauenschwarm inszeniert wurde. Gerade diese Einblicke in die heitere Musikproduktionen der Nachkriegs-BRD wirken zuweilen grotesk komisch, werden von Rosa von Praunheim aber als liebevoller Rückblick dargeboten. Eine wohlwollende Distanz, die der Film über seine gesamte Länge wahrt.

„Rex Gildo“

Ab Donnerstag (29. September) in den deutschen Kinos

Auf der anderen Seite mimt Kino-Newcomer Kilian Berger in den Spielfilmszenen einen jungen Mann, der sich in seinem jugendlichem Streben nach Ruhm und Erfolg der strengen Förderung durch seinen Manager Fred Miekley, gespielt von Ben Becker, unterordnet und in ihm die große Liebe findet. Dabei trägt Beckers Darstellung des Mentors und Liebhabers, mit dem der Schlagersänger 37 Jahre lang in einer verborgenen Beziehung lebte, den ersten Teil des Filmes in ganz besonderer Weise. Kai Schuhmann stellt den gealterten, sichtlich von Alkohol- und Medikamentenmissbrauch gezeichneten Rex Gildo auf seinem Weg zu dessen letzten Tanz dar.

Im Kino: „Rex Gildo“ – Außergewöhnlicher Film über das Leben eines Mannes

Immer wieder werden die Spielfilmszenen unterbrochen durch Interviews mit Wegbegleiter:innen des Schlagersängers. Unter anderem spricht Rosa von Praunheim mit Rex Gildos Gesangspartnerin Gitte Hænning, mit der er von 1963 bis 1962 große Charterfolge feierte, und mit der Schauspielerin Conny Froboess, neben der Gildo Ende der 1950er seine erste Hauptrolle im Musikfilm „Hula-Hopp, Conny“ spielte. Und Wegbegleiter Costa Cordalis konstatieren offen, dass der Entertainer schwul gewesen sei.

Gerade diese Gespräche machen nachfühlbar, wie sehr der Schlagersänger unter dem Auseinanderklaffen von öffentlicher Fassade als Frauenheld und homosexueller Liebesbeziehung im Geheimen gelitten haben muss. Selbst das Private wurde durch die öffentlichen Erwartungen an den jungen Mann dominiert, der deshalb 1974 seine Cousine Marion Ohlsen heiratete. Ein Familienkonstrukt, das mit dem Tod von Fred Miekley und der Trennung von Marion zusammenbrach und dazu führte, dass Gildo nie wieder persönlichen Halt finden sollte und an der Einsamkeit scheiterte.

„Rex Gildo – Der letzte Tanz“ ist ein außergewöhnlicher Film über das Leben eines Mannes, den ganz Deutschland für seine Kunst schätzte und bis heute schätzen darf. Postum lässt Rosa von Praunheim dem Schlagersänger jene öffentliche Empathie und das Verständnis zuteil werden, die ihm zeitlebens versagt wurde. Und so leicht der Film daherkommt und sein Publikum zum Lachen einlädt, so ist er doch das, was das Leben des Rex Gildo bis zu dessen Freitod war: eine Tragödie. (Moritz Post)

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