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"Er hat Menschen an seiner Seite, die er liebt und die ihn lieben", sagte Caroline Link.

Caroline Link

Ein Kinderreich für ein Pferd

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Regisseurin Caroline Link spricht mit der FR über ihren Hape-Kerkeling-Film und hochbegabte Kinderdarsteller.

Was für eine gelungene Buch-Verfilmung! Wie sehr war Hape Kerkeling mit in die Entwicklung des Films einbezogen?
Wir haben uns das erste Mal getroffen, nachdem ich das Drehbuch von Ruth Toma gelesen hatte. Ich habe ihn in Berlin besucht. Es gab Käsekuchen und wir haben lange geredet, alte Fotos angeschaut. Es ist in meinem Job immer wieder faszinierend, dass man mit jemandem, der einem eigentlich völlig fremd ist, innerhalb kürzester Zeit so intensiv redet über das Leben, über Kindheit, Schmerz. Hape war sehr offen – und sehr daran interessiert, dass ich einen guten Film machen kann.

Es ist ein sehr trauriges, aber auch ein sehr komisches Buch. Was wollten Sie machen: eine Komödie? Ein Drama?
Genau das war für mich die große Herausforderung – herauszufinden, in welcher Tonlage der Film erzählt werden soll. Darüber habe ich lange mit Hape gesprochen. Nach dem Tod einer jungen Mutter kann man ja nicht sagen: Ist doch alles nicht so schlimm. Ich wollte die richtige Balance finden.

Was hat er gesagt?
Hape wollte nicht, dass es allzu traurig wird. Er hatte Sorge, dass die Leute trotzdem noch genug lachen können. Ich habe darauf bestanden, dass wir den Schmerz des kleinen Hans Peter ernstnehmen. Die Leute wollen, dass sich die Geschichte authentisch anfühlt. Schmerz und Lachen liegen oft nebeneinander. So ist das nun mal im echten Leben.

Es ist seine Geschichte – doch wie sehr steckt Caroline Link in dem Film?
Es war mir sehr wichtig, dass Hape mit dem Film einverstanden ist. Es geht ja nicht um mich. Aber klar, man bringt sich immer als Mensch ein, wenn man einen Film macht und 100 Entscheidungen am Tag treffen muss – welcher Pullover, welches Auto, welche Oma? Dann schöpfe ich aus meiner eigenen Erfahrung. Lustigerweise bin ich so alt wie Hape, Jahrgang 1964, wir kommen aus der gleichen Zeit. Und ich komme auch aus der Provinz – so ist mir die Welt sehr vertraut. Diese schrillen Tanten, Streits und Liebe in der Familie, dieses Durcheinander.

Apropos Entscheidungen treffen – wie haben Sie Julius Weckauf für die Hauptrolle gefunden? Da passen ja sogar die Ohren!
(Lacht.) Ja, wir haben lange gesucht. Das war wirklich schwierig! Ich hab schon oft junge Mädchen gecastet, da melden sich Tausende, die das machen wollen. Doch sucht man einen kleinen blonden pummeligen Jungen, ist das was anderes. Vor allem musste er sprachlich so fit sein wie der Hape. Irgendwann war Julius der einzige, der mithalten konnte.

Warum drehen Sie so gern mit Kindern?
Mit Kindern kann ich sehr direkt sprechen. Ich sage ihnen, wie sie was machen sollen und das passiert dann. Mit erwachsenen Schauspielern musst du natürlich viel psychologischer arbeiten. Die lassen sich nicht einfach so durch eine Szene schieben. Das hat Vor- und Nachteile (lacht).

Sie sind weniger eitel?
Vielleicht, ja. Eigentlich ist es mit Kindern immer das Gleiche: Zwei Wochen lang sind sie sehr auf mich fixiert, hängen an meinen Lippen, nach dem Motto: „Hab ich’s gut gemacht, Caroline?“ Danach setzt ein Gefühl von „Ich glaub’, ich mach’ das ziemlich gut, ich krieg’ hier so viel Lob“ ein. Da kommt, wenn man sie ruft, nur als Antwort: „Jaaahaa, gleich!“ Schlurf, schlurf. Es entsteht Unlust, weil’s anstrengend wird. Die Jungs wollen dann lieber Tonmann werden als Schauspieler. Die kleine Riva, die in meinem nächsten Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ mitspielt, wollte mir immer Locken eindrehen. „Sag’ nochmal deinen Satz“ – „Ja gut, aber nur wenn ich dir nachher Locken eindrehen darf!“ (lacht) Doch im Grunde ist mir das alles total recht. Ich liebe sie immer sehr, meine Kinder.

Auch Hape mögen Sie. Wieso reißt der alle mit?
Ich glaube, weil er sich nicht erhebt über die Leute. Der ist vielleicht manchmal ein bisschen zickig, wenn er das Gefühl hat, die Branche rückt ihm zu nah auf die Pelle. Aber zu den einfachen Leuten hat er eine große Zuneigung. Als ich mit ihm sprach, hatte ich immer das Gefühl: Der hat selber viel erlebt, bei dem ist alles gut aufgehoben. Ich glaube, dass Hape so erfolgreich ist, weil er die Menschen liebt. Er hat Tiefe. Das spürt man auch in seinen Sketchen. Das ist ein tiefer Mensch, kein Quatschkopf.

Das Drehbuch hat Ruth Toma geschrieben – haben Sie wesentliche Änderungen vorgenommen?
Naja, im Roman stirbt ja auch noch das Pferd. Als ich das gelesen habe, habe ich gesagt: Nee! Jetzt schmeiße ich das Drehbuch in die Ecke! Wenn jetzt auch noch sein Pferd stirbt, nach der Oma und der Mutter – das ist zu viel, das will ich nicht sehen! Stattdessen fand’ ich, das Pferd müsse seine Rettung sein. Das Bild fand’ ich auch so goldig von diesem kleinen Mops da auf dem riesigen Pferd.

Was war im echten Leben seine Rettung? Der Humor? Kann uns Humor aus allem herausziehen?
Ja, ich glaube schon, dass das Leben mit Humor einfacher ist. Aber es gibt auch Zeiten, in denen es nichts zu lachen gibt. Und das ist auch in Ordnung. Menschen, die ihren Kummer nur weglachen sind mir nicht geheuer. Alles hat seine Zeit. Komischerweise ist es ja so, dass man, gerade wenn man etwas Schmerzhaftes erlebt hat, das Gute dankbarer wahrnimmt. Hape kann das. Ich denke, er kann sich erfreuen an dem, was er erreicht hat. Er hat Menschen an seiner Seite, die er liebt und die ihn lieben und er ist nicht bitter geworden. Ich finde es schön, wenn es gelingt, den Blick darauf zu fokussieren, was gut ist.

Interview: Katja Kraft

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