Das neue Magazin auf Arte "Yourope" hat den Kontinent Europa im Blickpunkt.
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Das neue Magazin auf Arte "Yourope" hat den Kontinent Europa im Blickpunkt.

TV-Kritik "Yourope" auf Arte

Von Kinderkoks und Managerboxen

  • Harry Nutt
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Essayistischer Sound und Anregung zum Weiterdenken: Außerhalb des Karussels der TV-Flops navigiert der Fernsehplanet Arte souverän seine Umlaufbahn - Mit dem neuen Magazin "Yourope". Von Harry Nutt

Gleich zu Jahresbeginn war mächtig was los in der Fernsehwelt. Immer schneller dreht sich das Karussell der Flops. Dabei hätte man die Erkenntnis, dass der Starmoderator auf seinem Weg vom Sender A nach B die Quote nicht ohne weiteres mitnehmen kann, doch aus dem Fußballgeschäft importieren können. Geld schießt keine Tore, heißt es da. Und ein Kerner allein macht keine Quote. Das weiß man nun auch bei Sat.1.

Umso souveräner scheint da doch der kleine Fernsehplanet Arte durch seine Umlaufbahn zu navigieren. Anfang 2010 schickte man dort gleich zwei neue Magazine auf Sendung und verknüpfte ganz nebenbei traditionelles TV-Handwerk mit Innovativem. "Der Blogger" versucht, TV-Journalismus mit Internet-Kommunikation kurzzuschließen, um auf diese Weise für die Computer-Nerds kompatibel zu sein.

Etwas hausbackener kommt das Magazin "Yourope" daher, sieht man einmal von ein paar Gimmicks ab, die wohl technische Hippness und juveniles Dabeisein signalisieren sollen. "Fit für den Erfolg - Dopen für die Leistungsgesellschaft" hieß kürzlich das Tagesthema, das den gesellschaftlichen Zwang zur Selbstoptimierung unter die Lupe nahm.

Während avancierte Berufsgruppen sich durch so genanntes Managerboxen schlagfertig fürs Geschäft machen, werfen andere munter Pillen ein, um beim Lernen leistungsfähiger zu sein. Als Kinderkoks hat das Medikament Ritalin eine beachtliche Karriere gemacht und fungiert als Wundermittel gegen jegliche Form von mentaler Auszeit. "Yourope" ist nicht gerade kritisch tiefgründig, durch Variierung und Bündelung bekommt das jeweilige Thema aber eine Art essayistischen Sound mit der Anregung zum Weiterdenken.

Um die schöne neue Arbeitswelt ging es in der jüngsten Ausgabe am Sonntag (17.45 Uhr), in der neues Arbeiten im europäischen Vergleich unter die Lupe genommen wurde. Das von der Wirtschaftskrise schwer gebeutelte Griechenland schickt gerade seine Jugend in eine weitgehende Chancenlosigkeit. Die Betroffenen beginnen sich zu wehren, Yourope ließ junge Blogger zu Wort kommen, die sich mit Hilfe ihrer digitalen Möglichkeiten ihre Zukunftsaussichten nicht vermiesen lassen wollen.

Die Stärke des von Andreas Korn moderierten Magazins ist der Verweis auf die europäische Differenz. Der griechischen Misere werden junge rumänische Durchstarter gegenübergestellt, die aufgrund eines fundamentalen Elitewechsels in der postkommunistischen Gesellschaft zum Zuge kommen. Ob‘s tatsächlich so ist? Yourope belässt es bei zwei Beispielen.

In Berlin hat unterdessen die digitale Boheme so genannte Co-Working Spaces geschaffen, Arbeitsplätze auf Zeit, die, wenn es gut läuft, ganz nebenbei auch neue Ideen und Geschäftsmodelle abwerfen. Wir nennen es Arbeit, lautete vor einiger Zeit der Slogan dieser multimedialen Vernetzungsstrategie, bei der Freizeit, Arbeit und Erwerb auf ganz neue Füße gestellt werden. Yourope zeichnet dergleichen nur auf. Späteres Scheitern ist nicht ausgeschlossen. Aber vom Bangemachen will in der neuen Medienwelt ja ohnehin niemand etwas wissen.

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