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Das offizielle Emblem des Geheimdienstes: Schild und Schwert.

„KGB – Schild und Schwert“, Arte

Lupenreiner Terror: Doku über den russischen Geheimdienst

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„KGB – Schild und Schwert“ ist eine eindrucksvolle Dokumentation zur Geschichte der russischen Geheimpolizei seit der Oktoberrevolution.

Unter Stalin gab es in der sowjetischen Bevölkerung drei Gruppen: ehemalige Häftlinge, gegenwärtige Häftlinge und zukünftige Häftlinge. Guter Witz? Nun, das ist post-stalinistischer Galgenhumor. Wer allerdings während der Stalin-Ära etwa wodka-selig solche Witze zur falschen Zeit am falschen Ort erzählte, wurde schnell Mitglied der zweiten Gruppe. Und fand oft keinen Weg mehr zurück.

Unter den Geheimpolizei-Organisationen des 20. Jahrhunderts ist die mit der gängigen Abkürzung Tscheka 1917 von Lenin gegründete wohl die effizienteste. Wobei „effizient“ bedeutet, dass die Tscheka sich zum gewaltförmigsten und blutrünstigsten aller Geheimdienste entwickelte, da kam die Geheime Staatspolizei der Nazis nicht ganz mit und auch nicht die CIA. 

Tscheka entwickelte sich schnell zum brutalen Machtinstrument 

Die Tscheka, mit vollem Namen „Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage“, war nicht nur Geheimdienst, sondern zugleich exekutives Organ in einem von der Regierung gegen große Teile der eigenen Bevölkerung geführten Vernichtungskrieg. Nach Lenins Tod schlug sie sich im Machtkampf um dessen Nachfolge auf die Seite Stalins und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zum brutalen Machtinstrument, das nicht nur innere und äußere Feinde bekämpfte, sondern zentrales Instrument einer massenmörderischen Schreckensherrschaft wurde.

Steinerne Köpfe: Mahnmal für die Millionen Opfer der Säuberungen in der Stalin-Ära.

Jamie Dorans Dokumentation über diesen Geheimdienst, der im Laufe der Zeiten des Öfteren die Namen wechselte – er hieß auch NKWD oder OGPU oder KGB oder MGB und heute eigentlich FSB –, zeichnet dessen blutige Geschichte nach, mit leicht bemüht wirkender Objektivität und Unaufgeregtheit, was aber, je länger der Film dauert, umso unangemessener erscheint. Denn das, was die befragten Historiker aus verschiedenen Ländern und von verschiedenen Forschungsinstituten über den Geheimdienst und seine Protagonisten erzählen, macht einen eher fassungslos, so dass der traditionelle journalistische Sprechakt des Informierens einen starken Unterton von Hilflosigkeit bekommt. 

Zweistellige Millionenzahl von Opfern während der Stalin-Ära

Vielleicht wäre es ohnehin genauer, hier nicht von einem Geheimdienst zu sprechen, sondern eher von einer staatlichen Terrororganisation, die gegen innere wie äußere Feinde gleichsam im Einsatz war. Hunderttausende Hinrichtungen allein in den ersten Jahren nach der so genannten Oktoberrevolution, eine unbekannte zweistellige Millionenzahl von Opfern während der schrecklich langen Stalin-Ära verbieten eigentlich jede emotionale Neutralität, auch wenn Historiker sich gern so geben.

Während des Kalten Krieges zeigt der KGB seine enorme Effizienz übrigens vor allem im Spionage-Einsatz gegen potentielle Gegner.

Putin ist ein Produkt dieser Terrororganisation

Nach dem langen Blick in eine unfassbar blutige Vergangenheit sind zwei Umstände umso alarmierender: Erstens halten ehemalige Tschekisten sich selbst und gegenseitig häufig für patriotische Pflichterfüller und Helden, und niemand erschießt sie dafür. Und zweitens ist der derzeitige Beherrscher dieses Landes, der Oligarch, Diktator und „lupenreine Demokrat“ (Gerhard Schröder) ein Produkt dieser Terrororganisation, die von ihrem Handwerk nichts verlernt hat. 

„KGB – Schild und Schwert“, Arte, 9. April, ab 20.15 Uhr. Im Netz: Arte +7

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