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Die Serie zeigt das geheime Leben der Sitcom-Ehefrau Allison (Annie Murphy, l.), die seit Jahren tägliche Demütigungen ihres Ehemannes Kevin (Eric Petersen, 2.v.l.) erträgt.
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Die Serie zeigt das geheime Leben der Sitcom-Ehefrau Allison (Annie Murphy, l.), die seit Jahren tägliche Demütigungen ihres Ehemannes Kevin (Eric Petersen, 2.v.l.) erträgt.

Kolumne „Nächste Folge“

„Kevin Can F Himself“ auf Amazon Prime: Eine Serie, die mit Sitcom-Sexismus aufräumt

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Die Sitcom „Kevin Can F Himself“ auf Amazon Prime zeigt, warum toxische Beziehungen nicht lustig sind. Die Serie stellt dabei gängige Sitcom-Konzepte auf den Kopf.

Amerikanische Pärchen-Sitcoms: Ein Mann, eine Frau, manchmal auch Kinder, ein Hund, oder ein Schwiegervater, leben im klassischen Einfamilienhaus, großes Wohnzimmer plus Wohnküche, im Hintergrund eine Treppe zum zweiten Stock. Die Handlung besteht meist aus den zwischenmenschlichen Dramen, Streit, Missverständnissen, die von eingespielten Lachern untermalt werden.

Für das Funktionieren dieser Geschichten ist elementar: Die Frau ist eine böse Zicke und der Mann ein egoistischer Taugenichts. Grundstock der Storyline: Der Mann will etwas, was die böse Frau ihm verbietet, wie zum Beispiel zu einem Football-Spiel gehen, obwohl er versprochen hatte, etwas im Haus zu reparieren. Darauf muss der Mann seine Frau anlügen, woraus wiederum lustige Handlungsstränge und Versteckspiele entstehen. Eines der bekanntesten Beispiele für dieses Genre ist „King of Queens“.

„Kevin Can F Himself“ auf Amazon Prime: Patriarchats-Humor als Sitcom-Konzept wird auf den Kopf gestellt

Der „Witz“ dabei ist also, dass das Paar eine toxische Beziehung führt. Der Mann ist meist auf sein Vergnügen bedacht und trägt nichts zu Beziehung oder zum Haushalt bei. Das führt dazu, dass die Frau Dinge einfordern muss. Es wird keine Beziehung zwischen zwei Erwachsenen gezeigt, sondern eine Mutter-Kind-Dynamik, was das Narrativ der „zickigen“ Frau unterstreicht und offensichtlich wahnsinnig witzig sein soll. Meist geht das sogar so weit, dass der Mann als Opfer der Frau gesehen wird, da sie ja so gemein zu ihm ist. Patriarchats-Humor at its best.

Die AMC-Serie „Kevin Can F Himself“ (auf Amazon Prime) hat sich dieses Themas angenommen und schickt Zuschauerinnen und Zuschauer auf eine interessante Reise, auf der dieses fragwürdige Sitcom-Konzept auf den Kopf gestellt wird. Die nicht sehr subtile Persiflage auf die Serie „Kevin Can Wait“ mit Kevin James, der auch schon in „King of Queens“ den trotteligen Ehemann gab, wird schon im Titel deutlich.

„Kevin Can F Himself“ auf Amazon Prime: Serie zeigt eine toxische Beziehung

Alles beginnt, wie man es von einer solchen Sitcom erwartet: Kevin und Allison, ein verheiratetes Paar Mitte Dreißig, leben in einem typischen Einfamilienhaus – schäbiger 90er- Schick – und auch die eingespielten Lacher dürfen natürlich nicht fehlen.

Kevin spielt im Wohnzimmer mit Freunden und Freundinnen Beer-Pong, was Allison, die gerade die Wäsche macht, nicht gerade gut findet. Es fallen ein paar flotte Sprüche, Allison wird von der Gruppe als „Mom“ verspottet und ausgebuht. Die üblichen Lacher werden eingespielt.

„Kevin Can F Himself“ auf Amazon Prime: Zweite Staffel soll 2022 kommen

Allison verlässt das Wohnzimmer und betritt die Küche. Und plötzlich sind wir in einem Drama. Das Setting der Serie ist nun dunkel. Es gibt keine eingespielten Lacher, keine Musik. Allison atmet heftig und zerschmettert ein Glas. Plötzlich ist das alles gar nicht mehr lustig. Zuschauerinnen und auch Zuschauer merken jetzt: Die Frau lebt in der Hölle.

Von nun an wechselt die Serie zwischen den beiden Formen und zeigt durch diesen künstlerischen Kniff das Elend, das Allisons Leben ist – ohne den Kontrast durch Allisons Perspektive würden die anderen Szenen als völlig normale Sitcom durchgehen.

Serien im Fokus

„Kevin Can F Himself“ läuft auf Amazon Prime. Bislang gibt es eine Staffel.

Die Kolumne „Nächste Folge“ nimmt Streaming- und TV-Serien in den Blick. Mehr auf fr.de/naechste-folge.

„Kevin Can F Himself“ zeigt perfekt, warum diese in Serien so oft dargestellten toxischen Beziehungsdynamiken nichts Lustiges an sich haben. Es ist nicht witzig, wenn ein Partner inkompetent ist und nicht weiß, wie man einen Staubsauger benutzt. Es ist nicht witzig, wenn ein Partner den anderen erziehen muss. Es ist nicht witzig, wenn einem Partner die Bedürfnisse des anderen egal sind.

Dabei ist Allison bei Weitem keine nette, liebenswerte Frau. Sie ist nicht einmal sympathisch. Muss sie aber auch nicht sein, damit man verstehen oder anerkennen kann, dass sie vom Leben enttäuscht wurde und dass ihr Mann Kevin einen sehr großen Anteil daran hat. Allison ist verzweifelt. Und verzweifelte Lagen erfordern verzweifelte Maßnahmen. Man sieht eine Frau, die sich selbst und jedes Urteilsvermögen verloren hat. Die zweite Staffel soll übrigens 2022 kommen. (Sonja Thomaser)

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