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Illustre Runde: Moderator Johannes B. Kerner (r.) neben seinen Gästen Comedian Michael "Bully" Herbig, Sportlerin Maria Höfl-Riesch, Journalist Claus Kleber, Ex-Sportler Franz Beckenbauer und Moderator Günther Jauch (v.l.).

TV-Kritik: „Deutschlands Beste!“

Kerner geht leer aus

Damals waren’s die Größen der Geschichte, diesmal ging’s ausschließlich um die Lebenden: Zum zweiten Mal hat das ZDF das Fernsehvolk aufgerufen, die bedeutendsten Deutschen zu wählen. Das Konzept hatte den Vorteil, dass einige der Gekürten anwesend sein konnten.

Von Tilmann P. Gangloff

Nach gut zehn Jahren kann man die Sache ja noch mal neu aufziehen, hat man sich wohl beim ZDF gedacht. 2003 hat das „Zweite“, einem britischen Vorbild nacheifernd, „Unsere Besten“ wählen lassen, sprich: die bedeutendsten Deutschen. Die Neuauflage, „Deutschlands Beste!“, unterscheidet sich allerdings in zwei wesentlichen Punkten vom Vorläufer: Für Damen und Herren musste diesmal getrennt votiert werden; und zur Wahl standen ausschließlich Zeitgenossen, die noch unter uns weilen. Auf diese Weise konnte der Eine oder die Andere (die Frauen folgen heute Abend) ins Studio eingeladen werden. Und so geschah es auch, allerdings anders als sonst: Wo in vergleichbaren Shows die Gäste wie der Deus ex Machina aufs Stichwort erscheinen, saßen sie hier von vornherein auf der Couch, übrigens inklusive Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch, die sich als einziges weibliches Wesen zumindest akustisch allerdings recht rar machte.

Sollte es sich Johannes B. Kerner zu Herzen genommen haben, dass er nach Ansicht des Fernsehwahlvolks nicht zu den fünfzig bedeutendsten Deutschen zählt, so ließ er sich das nicht anmerken; davon abgesehen stellten seine Plaudereien mit Franz Beckenbauer, Claus Kleber, Michael Bully Herbig und Günther Jauch wie gewohnt keine kognitive Herausforderung dar. Dass die Gäste im Gegensatz zum Moderator sehr wohl auf der Hitliste auftauchten, war genauso wenig überraschend wie die Tatsachen, dass Jauch die Nominierung auf Platz vier peinlich war und Helmut Schmidt zum bedeutendsten leben Deutschen gekürt wurde. Einziger Ausreißer aus der illustren Fünfzigerschar war der Biochemiker und Nobelpreisträger Thomas Sudhof, alle anderen Herrschaften sind aus Film, Funk und Fernsehen (inklusive Politik, Literatur und Sport) hinlänglich bekannt. Verstärkung bekam Kerner durch den diesmal weitgehend witzlosen Komiker Olaf Schubert, dessen müde Scherze dennoch freundlich beklatscht wurden; die Show wurde live aus Köln übertragen, der Rheinländer ist ja bekannt für seinen Großmut.

Richtig wichtig war „Deutschlands Beste!“ ohnehin nicht. Gemessen an der vermeintlichen Bedeutung der fünfzig Zeitgenossen waren die rund sechzig Sekunden, die jedem gewidmet wurden, ziemlich kurz. Außer für griffige Slogans wie „Unser Mann in Hollywood“ blieb da nicht viel Zeit. Das Prädikat wurde in den von Sky Du Mont ausgesprochen angenehm vorgetragenen Porträttexten übrigens gleich zweimal vergeben: erst an Regisseur Roland Emmerich, dann an Christoph Waltz, der mit gleichem Recht auch auf einer österreichischen Hitliste auftauchen könnte. Nicht immer schlüssig war zudem die Musik, mit der die Kurzfilme unterlegt wurden; es sei denn, „Sexbomb“ von Tom Jones zum Film über Jan Hofer sollte Satire sein.

Ein Gutes aber hatte die Sendung doch: Weil sie nicht wie viele andere Ranking-Shows von Jauchs Firma i&u TV („Die ultimative Chartshow“), sondern von der Studio-Hamburg-Tochter Riverside Entertainment produziert worden ist, tauchten nicht alle Naslang irgendwelche Gestalten aus der dritten oder vierten Reihe des Showgeschäfts auf, um den Zuschauern mit inkompetentem Blabla auf die Nerven zu gehen.

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