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Immer artig klatschen: Thälmannpioniere in Bautzen.
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Immer artig klatschen: Thälmannpioniere in Bautzen.

TV-Kritik „Nicht alles war schlecht“

Keine Ostalgie

Der Rückblick des ZDF auf das Leben in der DDR war erfrischend unsentimental und kam ohne Träne im Knopfloch aus. Allerdings auch nicht ohne Sprunghaftigkeit.

Von Tilmann P. Gangloff

„Es war nicht alles schlecht“, haben die alten Leute früher über die Nazi-Jahre gesagt und damit vor allem die „Friedenszeiten“ (vor dem Zweiten Weltkrieg) gemeint. Über die DDR hört man das auch oft, und der Titel dieser zweiteiligen Dokumentation ließ zunächst befürchten, es werde ein Loblied auf Vollbeschäftigung, Emanzipation und Kinderreichtum gesungen. Dankenswerterweise entlarven die beiden Filme den Titel als pure Ironie. Im ersten Teil kamen eine Vielzahl positiver Aspekte zur Sprache, aber der Verdacht der Verklärung wurde umgehend zerstreut, weil die meisten Dinge dank der sorgfältig ausgewählten Zeitzeugen als Propaganda relativiert wurden.

Die beste Idee des Autorengespanns Karlo Malmedie und Kristin Siebert war trotzdem Constantin von Jascheroff. Der junge Schauspieler ist keine Soap-Figur, sondern ein kantiger Typ, dem man ohne Weiteres einen eigenen Kopf zutraut. Es ist daher durchaus glaubwürdig, wenn er sich für seine Wurzeln interessiert; die Familie ist aus der DDR geflohen, als er drei Jahre alt war. Nun durfte er erleben, wie es sich angefühlt hätte, in Ostdeutschland aufzuwachsen. Die „Besetzung“ mit ihm war schon allein deshalb gut, weil er allem Anschein nicht bloß so tat, als sei er neugierig.

Andererseits kann er dank seines Berufs problemlos in Rollen schlüpfen, was dem Film zu einer reizvollen Quasi-Authentizität verhalf. Formal waren diese Momente natürlich nichts anderes als die szenischen Rekonstruktionen, mit denen solche Sendungen typischerweise arbeiten. Dennoch verlieh es dem Zweiteiler eine Unverwechselbarkeit, die ihn deutlich von vergleichbaren Rückblicken unterscheidet, als Jascheroff gemeinsam mit Betroffenen eine Unterrichtssituation oder die Arbeit in einem Jugendwerkhof nachstellte.

Brüche in den Biografien

Der Rest entsprach dem Standard, wobei die Auswahl der prominenten Zeitzeugen durchaus interessant war. Enie van de Meiklokjes, ihrem Künstlernamen zum Trotz waschechte Potsdamerin, hätte man sich zwar ebenso sparen können wie Achim Mentzel, aber Schauspieler Jörg Schüttauf, Boxer Henry Maske und ZDF-Moderatorin Andrea Kiewel erzählten anschaulich und lebendig. Kiewel war auch deshalb ergiebig, weil sie es in ihrer Jugend als Leistungsschwimmerin immerhin in den Olympiakader geschafft hat. Schauspieler und Kabarettist Uwe Steimle ist ohnehin stets für kritische Kommentare gut.

Am spannendsten war der Film naturgemäß immer dann, wenn die Männer und Frauen von den Brüchen in ihren Biografien erzählten. Roland Jahn zum Beispiel, heute Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, musste die Jenaer Uni verlassen, weil seine Kommilitonen entsprechend abgestimmt hatten, wofür sie sich im anschließend bei ihm entschuldigten; Sprinterin Ines Geipel, immerhin Weltrekordhalterin mit der 4x100-Meter-Staffel, wurde aus dem Kader geworfen, weil sie sich nicht von ihren „falschen“ Freunden lossagen wollte.

Kritisch anzumerken ist allerdings die Sprunghaftigkeit. Im Bemühen, auch nur jeden denkbaren Aspekt zu erfassen, hüpften Malmedie und Siebert von einem Punkt zum anderen. Sex, Kinderkrippen, FDJ, Doping, Mangelwirtschaft: Alles kam zur Sprache, konnte aber zwangsläufig nie richtig vertieft werden. Das ist der Preis dafür, wenn so ein Beitrag nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam sein soll; das wiederum war er auch dank der vielen Musik in der Tat. Den zweiten Teil zeigt das ZDF nächsten Dienstag. 

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