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Ellen M. Harrington: "Ich gehe eigentlich nie aus dem Kino."
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Ellen M. Harrington: "Ich gehe eigentlich nie aus dem Kino."

Filmmuseum

"Keine deutsche Stadt ist da besser"

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Ellen M. Harrington ist neue Direktorin beim Deutschen Filmmuseum. Mit der FR spricht sie über die Oscar-Ausstellung, Öffentlichkeit für den Film und erklärt, warum Frankfurt "genau die richtige Größe" hat.

Frau Harrington, Sie sind kaum zwei Wochen in Frankfurt, haben Sie schon Pläne geschmiedet, was Sie jetzt mit dem Deutsche Filmmuseum und Filminstitut anstellen wollen?
Gerade verbringe ich viel Zeit damit, alle Abteilungen kennenzulernen. Viele Mitarbeiter kenne ich ja schon aus gemeinsamen Projekten wie der Oscar-Ausstellung. Ich sehe, was man modernisieren kann, andere Dinge sind bereits außerordentlich und brauchen höchstens etwas mehr Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit. Natürlich werde ich neue Ausstellungen und besonders auch Wanderausstellungen entwickeln. Ich überlege mir Austauschmöglichkeiten mit anderen Instituten. Das Kinoprogramm finde ich ganz außergewöhnlich, wie es ist. Kein Vergleich zu den wenigen Vorführungen, die wir in Los Angeles an der Academy hatten. Die Museumspädagogik ist außerordentlich und wird noch wichtiger werden.Die Programme, die hier entwickelt werden, bekommen jährlich 100.000 Schüler zu sehen. Ich glaube, wir können daraus ein Vorbild für alle Film Institute weltweit entwickeln. Die digitalen Projekte wie die Webseite Filmportal.de sind enorm wichtig und ausbaufähig, das Team wurde gerade erst vergrößert. Es gibt tolle Sammlungen, und ich bemühe mich, die archivarischen Bedingungen und auch die Zugänglichkeit zu verbessern.

Man muss es immer wieder sagen: Die Frankfurter Stanley-Kubrick-Ausstellung ist vermutlich die bisher erfolgreichste deutsche Museumsausstellung überhaupt. Seit dem Jahr 2004 tourt sie jetzt schon durch die Welt. 
Daran knüpfen wir jetzt an. Von März bis September zeigen wir die Ausstellung „2001 – Odyssee im Weltraum“. Es gibt dazu ein Konzert in der Alten Oper. Die Frankfurter mögen es vielleicht nicht wissen, aber der Einfluss der Kubrick-Ausstellung ist weltweit enorm. Wie auch des Filmmuseums selbst: Es gibt nicht viele Institute dieser Qualität auf der Welt. Es wurde wirklich vorausschauend geplant mit Blick auf die spätere Bedeutung des bewegten Bildes.

Haben Sie noch die alte Museumsarchitektur erlebt? Viele Frankfurter bedauern ihren Abriss durch die frühere Direktorin Claudia Dillmann.
Leider nicht, Sie meinen die ursprüngliche Konzeption, die mit dem verstorbenen Filmkünstler und Sammler Werner Nekes entwickelt wurde? Ich war erst 2011 das erste Mal hier. Obwohl eine von mir kuratierte Ausstellung, Oscars in Animation, schon 2000 zu sehen war. Aber da hatte ich gerade ein Baby bekommen.

Haben Sie denn auch vor, die Ausstellungsarchitektur wieder zu verändern? 
Dazu würde ich wahrscheinlich kein Geld bekommen nach so kurzer Zeit. Was wir können, ist ein dynamisches Design für die Sonderausstellungen zu entwickeln. Ich glaube, wir können noch viel Raum aktivieren. Vielleicht können wir mit einer stimmungsvolleren Beleuchtung an die Architektur anknüpfen, die Ihnen so gut gefallen hat. Wir werden auch viele Besucherumfragen machen, um dem Publikum zu dienen und es zum Wiederkommen einzuladen. Die Stadt ist ja sehr international, wächst und verändert sich. Da gibt es noch viel Potential.

Jeder, der mit dem Kino zu tun hat, klagt derzeit über ein schwindendes Bewusstsein für das Kulturgut Film, für Filmgeschichte. Wie kann man Abhilfe schaffen?
Damit habe ich mich meine ganze Karriere lang beschäftigt: Wie kann man das richtige Umfeld schaffen, um Wertschätzung für die Filmkultur zu schaffen. Es gibt natürlich ein paar Leute, die sich für alles interessieren. Aber mit der richtigen Mischung aus Marketing und Storytelling kann man auch alle anderen interessieren. Unser Internetauftritt muss da viel lebendiger werden. Es gibt schon ein paar virtuelle Ausstellungen, aber wir können viel mehr machen, indem wir zum Beispiel die Sammlungen digitalisieren und für alle zugänglich machen. Warum ist der Cinematograph Lumière so bedeutend, dass wir ihn in einem Glaskasten haben? Es ist der Beginn einer neuen Art mit Bildern zu erzählen. Wir haben hier eine Sammlung zum Anfassen. Sechsjährige können hier lernen, wie man Animationsfilme herstellt. Das ist doch der richtige Weg: Jungen Leuten Dinge zu zeigen, die sie sonst nicht sähen. Jeder hat heute eine Kamera in der Tasche. Wir können Ihnen zeigen, wie man daraus richtiges Kino macht.

In Los Angeles gibt es immer noch Kinos, die echte 35mm zeigen, in Deutschland wurden die Kinos mit erschreckender Geschwindigkeit digitalisiert. Wird das Filmmuseum dem Zelluloid treu bleiben?
Natürlich. Das Kino hier im Haus zeigt alle Formate und ist mit seinem bewundernswerten Programm der Neid von Los Angeles. So etwas haben wir nicht: Filme aus aller Welt in den besten Kopien, die es gibt. Es ist das Herz des Hauses, das um das Kino herum entstanden ist. Vielleicht nimmt man das als selbstverständlich hin, aber ich kann nur sagen: Es ist großer Schatz.

Nun hatten Sie in Los Angeles ja auch etwas, was wir nicht in dem Maße haben: Ein Talent für Galas und Filmstars, die ein und aus gehen...
Besondere Gäste haben wir auch in Frankfurt: Michael Haneke zeigt im März seine Lieblingsfilme, Liv Ullman wird zur Ingmar-Bergman-Retrospektive kommen. Aber Stars sind für uns kein Selbstzweck. Sie müssen zum Programm passen. 

Wer sind denn Ihre Lieblingsregisseure?
Ich verliebe mich immer wieder neu in die Dinge, an denen ich gerade arbeite, ob es nun Buster Keaton ist, Federico Fellini oder Ingmar Bergman. Ich bin aber ein einfaches Publikum: Ich gehe eigentlich nie aus dem Kino. 

Fällt es Ihnen leicht, Los Angeles gegen Frankfurt einzutauschen?
Ich mag Frankfurt wirklich, es hat genau die richtige Größe für eine Stadt und es ist voller Kultur. Ich glaube, keine deutsche Stadt ist da besser. Welche amerikanische Stadt kann da mithalten?

Welches Viertel haben Sie sich denn zum Leben ausgesucht?
Vorläufig wohne ich durch Freunde am Museumsufer. Wenn im Juni meine Familie nachkommt, muss ich was anderes finden. 

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