Bei Anne Wills gestriger Tailk Show redeten die Gäste durcheinander.
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Bei Anne Wills gestriger Tailk Show redeten die Gäste durcheinander.

Anne Will-Show

Keine Aufklärung ohne Erregung

In "Vorwärts in den Sozialismus - Müssen die Reichen jetzt zahlen?" reden Anne Wills Gäste - unter anderem Berlins OB Klaus Wowereit - munter durcheinander. Zum Vorteil der Zuschauer findet Arno Widmann

Die Leute wollen nicht, dass im Fernsehen durch einander geredet wird. Wenn das stimmt, war Anne Wills Sonntagabend-Talkshow "Vorwärts in den Sozialismus - Müssen die Reichen jetzt zahlen?" ein Desaster. Mir aber hat gefallen, wie erregt es zuging. Um Sozialismus ging es natürlich überhaupt nicht. Die Kontrahenten warfen einander Prozentsätze und Milliardenbeträge um die Ohren. Der aufmerksame Zuschauer konnte sich ein eigenes Bild machen.

Wenn der Unternehmer Klaus Selter, der sich gegen eine Reichensteuer wendet, erklärt, die oberen zehn Prozent der Steuerzahler stellten weit mehr als fünfzig Prozent der Steuer, dann interveniert Harald Schumann, Redakteur des Tagesspiegel und Autor einiger grundlegender Bücher zur Kritik der Globalisierung, und erinnert daran, dass die Einkommensteuer nur - waren es 35 Prozent? - des Steueraufkommens ausmacht, dass bei den anderen Steuern die Kleinverdiener die Hauptmasse beisteuern.

Klaus Wowereit, regierender Bürgermeister Berlins, mokiert sich über den Aufschrei von CDU und FDP gegen den Vorschlag der SPD, den Höchststeuersatz von 45 Prozent auf 47 Prozent zu heben. Unter Kohl habe er doch deutlich über fünfzig Prozent gelegen. Ein gutes Argument gegen Kauder, aber ein noch besseres gegen die SPD. Schließlich war es Rot-Grün - daran erinnert Harald Schumann - gewesen, die durch Senkung der Höchststeuersätze und Körperschaftssteuern, durch Abschaffung der Vermögenssteuer die Reichen immer noch reicher gemacht hatten.

Philipp Rösler, FDP-Wirtschaftsminister in Niedersachsen, hat ein einfaches Rezept. Es kommt ohne Steuererhöhungen aus. Er will Wachstum schaffen und so Geld in die Staatskassen spülen. Wie will er Wachstum schaffen? Durch Steuersenkungen.

Es gab Momente in dieser Sendung, in der vier Leute gleichzeitig sprachen. Das waren vielleicht nicht die besten Augenblicke, aber ohne sie hätte es die nicht gegeben. Keine Aufklärung ohne Erregung.

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