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Eine Szene aus der Serie Katla.
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Eine Szene aus der Serie Katla.

Kolumne „Nächste Folge“

„Katla“ auf Netflix: Trauer und Asche

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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In „Katla“ aus Island tauchen auf völlig mysteriöse Weise Klone in der Nähe eines aktiven Vulkans auf. Doch die Netflix-Serie widersteht dem Drang, die Dinge zu überstürzen.

Ein kleines isländisches Dorf, dystopisch anmutend, von Asche bedeckt. Seit nun mehr als einem Jahr dauert der Ausbruch des Katla, einem der aktivsten Vulkane Islands, schon an. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner haben das Dorf verlassen, zu bedrückend, deprimierend, zu lebensfeindlich ist die Umgebung geworden. Doch einige wenige sind geblieben, halten die Stellung in ihrem von Asche bedeckten Heimatort, versuchen zu erhalten, was möglich ist.

Die Atmosphäre der Netflix-Serie „Katla“ ist gleich zu Beginn mysteriös fesselnd. Jeder Charakter scheint von einem Geheimnis umgeben, auch im Vulkan selbst scheint etwas Ungewöhnliches vorzugehen. Schließlich taucht eine von Kopf bis Fuß mit Asche bedeckte Frau aus der Dunkelheit auf. Sie ist verwirrt, friert, aber sie kann sich zumindest an ihren Namen erinnern. Es ist eine Frau, die vor 20 Jahren in einem lokalen Hotel gearbeitet hat – und keinen Tag gealtert ist.

Der Vulkan bringt also die Toten wieder zurück, ist die naheliegende, leichtfertig gezogene Schlussfolgerung. Was aber folgt, ist kein typisches gruseliges „Die Toten werden wieder lebendig“-Mysterium. Schnell wirft die Serie uns aus dieser Theorie, denn die Asche-Frau ist weder eine Vermisste noch eine Tote: Die Frau, die vor zwanzig Jahren in dem örtlichen Hotel gearbeitet hat, ging zurück in ihr Heimatland Schweden – wo sie auch heute noch lebt. Es gibt sie nun also zweimal.

Dann tauchen mehr Asche-Menschen auf. Eine vermisste Schwester, die ein Jahr lang im Eis verloren geglaubt wurde. Das Kind eines Geologen, das bei einem Autounfall ums Leben kam. Aber die Dinge werden immer seltsamer, da alsbald auch Leute, die jetzt im Dorf leben, als Asche-Menschen wiederkehren. Personen treffen damit im Wesentlichen auf sich selbst. Nur ein paar Jahre jünger, gesünder oder glücklicher.

Die Unheimlichkeit in „Katla“ ist auch das Nebenprodukt des schleppenden Erzähltempos. Für eine Serie, in der Klone auf völlig mysteriöse Weise in der Nähe eines gefährlich aktiven Vulkans auftauchen, widersteht „Katla“ dem Drang, Dinge zu überstürzen. Die von einigen Charakteren schließlich – ganz im Sinne isländischer Sagen – als Wechselbälger identifizierten Wesen sind einfach da und leben nun ihr Leben.

Die Charaktere verhalten sich während der gesamten Serie verstört und versuchen das Geschehen zu verarbeiten, während die Asche-Klone, die alle Erinnerungen an ihr früheres Selbst behalten, seltsam unbeteiligt wirken. Herauszufinden, wer diese Leute sind und warum sie gekommen sind, ist das zentrale Geheimnis der Serie. Es scheint, als würden die Asche-Menschen durch Trauer, Verlust und Bedauern entstehen, durch Gefühle von verlorenen Chancen, die die Menschen im Dorf durchleben. Was bei einem toten Kind noch offensichtlich erscheint, wird bei einigen der Asche-Wesen erst auf den zweiten Blick klar.

Forscherinnen und Forscher versuchen das Phänomen der offensichtlich im Vulkan entstandenen Klone zu durchschauen. Der Geologe kommt zu einer Erklärung, die die eigentlich im Narrativ isländischer Sagen angesiedelte Serie in den Sci-Fi Bereich bringt. Was aber noch so vage gehalten ist, dass es nicht erzwungen wirkt – und vor allem den ursprünglichen Erkläransatz von Wechselbälgern nicht aufhebt.

Wenn man bedenkt, dass die Serie mit einem Cliffhanger endet, ist unklar, ob „Katla“ als einzelne Erzählung oder als das erste Kapitel einer noch größeren, überwältigenden Geschichte gedacht ist. Beides würde funktionieren, denn die kunstvoll abschreckende Erzählung kann durchaus noch weitergehen.

„Katla“, auf Netflix, eine Staffel.

Die Kolumne „Nächste Folge“ nimmt Streaming- und TV-Serien in den Blick. Mehr auf fr.de/naechste-folge

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