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Filmstill aus „2012 - Das Ende der Welt“ (2009) von Roland Emmerich. Foto: Columbia Picutres
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Filmstill aus „2012 - Das Ende der Welt“ (2009) von Roland Emmerich.

Ausstellung

„Katastrophen“ im Filmmuseum Frankfurt: Wovor haben wir Angst?

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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Eine Ausstelung im Frankfurter Filmmuseum beschäftigt sich mit Katastrophenfilmen - mit Bezug auf die Realität.

Eine Bergkette des Himalaya. Langsam schiebt sich eine Wasserwand zwischen den Gipfeln hindurch, Wellen, neben denen das Hochgebirge klein aussieht. Ein Mönch in einem Kloster sieht das Wasser auf sich zukommen und schafft es, noch zweimal eine Glocke zu läuten, bevor sein Kloster – nun von Weitem zu sehen – verschluckt wird.

Dieser Ausschnitt aus dem Film „2012“ ist in der Ausstellung „Katastrophe – Was kommt nach dem Ende?“ im Filmmuseum in Frankfurt zu sehen. Überschwemmungen, Erdbeben, Atombomben-Abwürfe oder auch Pandemien bilden den Rahmen für die Filme, mit denen sich die Ausstellung beschäftigt. Typische Handlung: Eine heroische Hauptfigur rettet (zumindest einige) Menschen und wer überlebt, hat später mehr Wertschätzung für das Leben.

Von außen betrachtet geht es in diesen Filmen, die es schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt, aber darum, wovor die Menschen gerade am meisten Angst haben, wie Kuratorin Stefanie Plappert erklärt. Zunächst widmet sich die Ausstellung deshalb der Kulturgeschichte der Katastrophe – und eigentlich auch der Naturgeschichte. Denn wir sehen nicht nur biblische Illustrationen der Offenbarung des Johannes, sondern auch eine Basaltsäule. Dieser sogenannte Trapp-Basalt aus Indien ist durch den Ausbruch eines Supervulkans entstanden, dem einige Forscher auch eine Mitschuld am Aussterben der Dinosaurier geben. Weiter geht es, der Dramaturgie eines Katastrophenfilms folgend, mit den Kapiteln „Warnsignale“, „Katastrophe“, „Rettungsversuche“ und schließlich entweder „Apokalypse“ oder „Neuanfang“. In jeder Abteilung werden passende Filmausschnitte gezeigt, Titel von Nachrichtenmagazinen wie dem „Spiegel“ zur Sars-Pandemie 2003, Tschernobyl oder dem Klimawandel zeigen reale Katastrophen. Die düstere Musik der Filmausschnitte begleitet die Besucherin.

Das Filmmuseum hat für „Katastrophen“ mit dem Senckenberg-Museum zusammengearbeitet. In der Ausstellung sind neben den eigentlichen Filmausschnitten auch Wissenschaftlerinnen zu sehen, die erklären, wie realistisch Katastrophenfilme sind. Eine Geologin erklärt zum Beispiel, wie ein Himmelskörper, der auf die Erde treffen würde, in der Realität wohl aus der Bahn gelenkt würde.

Dass „Katastrophen“ während einer Pandemie eröffnet wird, ist Zufall, wie Ellen Harrington, Direktorin des DFF, bei der Eröffnung erzählt. „Ein Zufall, der uns in die Hände spielt.“ Denn Fragen wie „Was passiert mit uns? Wie geht es weiter? Geht es überhaupt weiter?“ seien nun besonders aktuell. Trotzdem ist die Corona-Pandemie selbst nicht zentral in der Ausstellung. Einige der wenigen Corona-Bezüge befinden sich im Kapitel „Rettungsversuche“. So ist eine Kinderzeichnung zu sehen und ein Flyer der Stadt Frankfurt, der auf Hygieneregeln hinweist. Das mag allerdings auch daran liegen, dass Corona noch nicht vorbei ist, wie Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig betont: „Die Pandemie ist noch nicht bearbeitet von den Künsten.“

Auf die andere, ganz reale Katastrophe, die Klimakrise nämlich und die Zerstörung von Ökosystemen, macht Brigitte Franzen, Direktorin des Senckenberg Naturmuseums aufmerksam: „Eigentlich brauchen wir keine Filme mehr, um Katastrophen zu sehen, Plastikwolken im Ozean oder der brennende Amazonas sind echt.“

Und obwohl es schwer sein dürfte, einen realistischen Film über die Klimakrise zu drehen, können Filme aufrütteln, wie Stefanie Plappert erklärt: „Filme können trotzdem Bewusstsein erzeugen.“ Der Film „The Day After Tomorrow“ aus dem Jahr 2004 sei dafür ein gutes Beispiel. „Er hat eine breite Debatte ausgelöst.“

In der Realität dürfte es schwieriger sein als im Film, ein Held oder eine Heldin zu werden – und die Katastrophe aufzuhalten. Immerhin machen uns aber kurz vor dem Ausgang noch Zitate zum Mitnehmen Mut, zum Beispiel das von Greta Thunberg: „Ich habe als Erstes gelernt, dass man nie zu klein ist, um etwas zu verändern.“

Und, was kommt nun nach dem Ende? Die Katastrophenmusik ist verstummt, aber aus dem Fenster des Filmmuseums ist der vom Hochwasser braun gefärbte Main zu sehen.

Deutsches Filmmuseum , Frankfurt: bis 9. Januar 2022. katastrophe.dff.film

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