+
Auf den Spuren von Gottschalk unterwegs: Jan Böhmermann

"Neo Magazin Royale"

Karneval der guten Laune

  • schließen

Auf die Staatskrise folgt die Rückkehr Deutschlands größter Fernsehsendung: Jan Böhmermann schenkt mit viel Liebe zum Detail „Wetten, dass..?“ ein kurzes Comeback im Fernsehen.

Bis zur letzten Sekunde herrscht Skepsis: Ist das wieder nur ein Witz oder erweckt Jan Böhmermann wirklich einen Fernseh-Dino zum Leben? Irgendwie scheint das zu passen: Schließlich reitet der 35-Jährige im Vorspann seiner Late-Night-Sendung „Neo Magazin Royale“ auf einem Triceratops. An diesem Donnerstag heißt Böhmermanns Dino allerdings „Wetten, dass..?“: 670 Tage nach der letzten regulären Ausgabe präsentiert der Satiriker seine Version des ZDF-Showklassikers. „Ein Karneval der guten Laune“ soll seine Spezialsendung werden. Das Versprechen kann er über weite Strecken einhalten.

Viel war in den letzten Tagen darüber gerätselt worden, ob Jan Böhmermann wirklich das alte ZDF-Flaggschiff zurück auf die Bühne bringt. Man ist inzwischen vorsichtig bei ihm geworden: Auf sein Konto gehen mehrere Scoops im deutschen Fernsehen und zuletzt eine mittelschwere Staatskrise. Die Posse um sein Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beschäftigt nach dem Kanzleramt inzwischen die Justiz. Böhmermann unterbrach seine Sendung wegen der Affäre und stand zwischenzeitlich unter Polizeischutz. Die einst größte Fernsehshow Europas zu reanimieren wirkt da fast wie eine Randnotiz.

Doch Böhmermann geht auch diese Sonderausgabe seiner Show „Neo Magazin Royale“  so an wie immer: Mit viel Liebe zum Detail, aber auch mit Humor.  Allerdings ist der Sendung der Respekt vor dem Original stets anzusehen: Alles wirkt aufpolierter, größer und etwas einladender als sonst, angefangen bei dem Moderator selbst: Böhmermanns Schuhe glitzern, das Sakko glänzt, die Gags landen heute häufiger oberhalb der Gürtellinie, die Anspielungen an die Sendung sitzen. Entspannt gelingt es dem Gastgeber, jeden seiner Gäste im Gespräch zu halten: Rapper Eko Fresh diskutiert mit dem CDU-Politiker Jens Spahn darüber, ob Cem Özdemir in einer grün-schwarzen Koalition nicht Vizekanzler werden könnte. Model Eva Padberg berichtet von ihrer baldigen Reise in den Nordirak, was Spahn gekonnt als Vorlage nutzt, um über die Flüchtlingsproblematik zu sprechen. Standesgemäß muss Eko Fresh das Studio früher verlassen, da ein weiterer Auftritt auf ihn wartet: Ein Privileg, das Gottschalk und Co. früher nur den ganz großen Stars einräumten. „Eine Mischung aus Hommage und Bewerbung“, nennt Böhmermann seine Spezialsendung. Mit Glück sehe man sich nächstes Jahr in einer Stierkampfarena auf Mallorca wieder, wo einst Gottschalk sein Sommerspezial aufzeichnete.

Ganz anbiedern will sich Böhmermann dem Original allerdings nicht. Vor allem in den Wetten findet sich Böhmermann wieder in seiner Rolle als Satiriker wieder. Denn alle Wetten sind von der Redaktion ausgedacht: Typisch für die Show will ein Mann seine Künste mit einem Bagger unter Beweis stellen. Typisch für Böhmermann soll der Kandidat beweisen, dass er mit dem Fahrzeug seine Frau zum Orgasmus bringen kann. Ein Mädchen will mit ihren Füßen Namen und Parteizugehörigkeit von Politikern ertasten. Hitlerbärte werden bei CSU-Politikern vermutet, eine Säufernase lässt einen Sozialdemokraten vermuten. Für Böhmermann sind das alles nur mittelmäßige Witze, die ihm allerdings aufgrund seiner großen Detailverliebtheit an diesem Abend verziehen werden.

Mangels Sendezeit muss die Sendung dann direkt vor dem Beginn einer Wette unterbrochen werden. Allerdings orientiert sich Böhmermann auch hier am Original: Er setzt die Show einfach in der kommenden Woche fort, denn das Überziehen der Sendung gehörte schon immer zum Guten Ton. Bis zur Sondersendung auf Mallorca wird es Böhmermann  mit seiner Hommage wohl nicht bringen. Ein zweiter unterhaltsamer Abend wird ihm als wirklich allerletzter Moderator von „Wetten, dass..?“ aber bestimmt gelingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion