Garrett Hedlund als Sam Flynn in "Tron: Legacy".
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Garrett Hedlund als Sam Flynn in "Tron: Legacy".

Filmstart "Tron: Legacy"

Die kalte Fusion

Es ist nachvollziehbar, dass „Tron: Legacy“ als Fortsetzung des legendären „Tron“ von 1982 mit ästhetischen und narrativen Kontinuitäten spielt, schon aus Verpflichtung den zahlreichen Fans gegenüber. Doch die perfekte Oberfläche allein reicht nicht.

Von Marin Maijca

Der junge Flynn neigt zu den gleichen Fehlern wie der alte. Er drückt gern die falschen Knöpfe. Als Sam Flynn (Garrett Hedlund) von einer Nachricht seines verschollenen Vaters Kevin (Jeff Bridges) erfährt, die abgeschickt wurde aus der seit Jahrzehnten stillgelegten Spielhalle des Vaters, steigt er auf sein Motorrad. In Kevins Geheimbüro aktiviert der Junior die Laser-Apparatur, die ihn, wie schon seinen Vater vor 28 Jahren, in die digitale Welt beamt. Übermut vererbt sich wohl.


Es ist nachvollziehbar, dass „Tron: Legacy“ als Fortsetzung des legendären „Tron“ von 1982 mit ästhetischen und narrativen Kontinuitäten spielt, schon aus Verpflichtung den zahlreichen Fans gegenüber. Die sahen in „Tron“ eine erste und folgenreiche Visualisierung dessen, was der Schriftsteller William Gibson zwei Jahre später in seinem Roman „Neuromancer“ den „Cyberspace“ nannte und damit in die populäre Kultur einführte. So verbindet „Tron: Legacy“ pflichtgemäß im Design, in den Fahrzeugen, im Personal und in der Geschichte Altes und Neues, vermischt das mit moderner 3D-Technologie, dem wuchtigen Soundtrack der französischen Elektro-Stars Daft Punk und einer Prise Techno-Spiritualismus, bei dem aus Programmcodes Schmetterlinge wachsen.


Indes, es bleibt eine kalte Fusion, was Disney und Regisseur Joseph Kosinski da anrühren. Alles an „Tron: Legacy“ ist perfekt berechnete Oberfläche und Bewegung. Das spricht nicht zwangsläufig gegen diesen Film. Die Kämpfe der Diskus-Gladiatoren, die im räumlichen Sinne vielschichtigen Duelle der Lichträder und die Totalen der Informations-Architektur im Cyberspace gehören zum Atemberaubendsten, was das Kino in den letzten Jahren aufgeboten hat.

#video


Doch „Tron: Legacy“ hat ein Problem mit dem Menschlichen. Der großartige Jeff Bridges ist hier in gleich zwei Rollen zu sehen: einmal als stoischer Zen-Meister der Datenströme, gleichzeitig als Netz-Diktator und digital reproduzierter Wiedergänger seines 28 Jahre jüngeren Selbst. Pixelkühl sind sie beide. Angesichts der Erzählung von „Tron: Legacy“ wirken die meisten modernen Ego-Shooter wie Bildungsromane. Und gegen das Verhältnis von Vater und Sohn Flynn ist das von Darth Vader und Luke Skywalker ein tiefenpsychologisches Drama.

Tron: Legacy, Regie: Joseph Kosinski, USA 2010, 3D, 125 Minuten.

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