Zu Gast bei Sandra Maischberger (von links): Mola Adebisi (Fernsehmoderator), Ralf Hoecker (Medienanwalt), Claudia Pechstein (Eisschnellläuferin), Sylvia Pleuger (Mobbingopfer), Michaela Horn (Sohn wurde Mobbingopfer) und Ralf Witte (Justizopfer, saß unschuldig im Gefängnis).
+
Zu Gast bei Sandra Maischberger (von links): Mola Adebisi (Fernsehmoderator), Ralf Hoecker (Medienanwalt), Claudia Pechstein (Eisschnellläuferin), Sylvia Pleuger (Mobbingopfer), Michaela Horn (Sohn wurde Mobbingopfer) und Ralf Witte (Justizopfer, saß unschuldig im Gefängnis).

"Menschen bei Maischberger", ARD

Von Justiz-Irrtümern und Mobbing

Werden Menschen krass ungerecht behandelt, prägt sie das - wie sehr, zeigt der Talk mit Sandra Maischberger.

Von Thilo Streubel

Das Thema bei Maischberger ist "Rufmord", und im Studio sitzt eine von ihrem Prozess-Marathon sichtlich mitgenommene Claudia Pechstein. Der Fall der Eisschnellläuferin ist historisch, wie Medien-Anwalt Ralf Höcker bestätigt, ein fataler Sportjustiz-Irrtum. Pechstein sagt, sie habe Sportgeschichte geschrieben - und meint damit nicht ihre Medaillen; immerhin ist sie die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin bei Olympischen Spielen. 

Wegen Dopings war Pechstein im November 2009 vom Sportgericht in Lausanne für zwei Jahre gesperrt worden. Die Berlinerin bestreitet die Vorwürfe; nach knapp sechs Jahren bekam sie jetzt Mitte Januar erstmals recht - und darf auf Schadenersatz hoffen. Pechstein glaubt inzwischen an Verschwörungstheorien: "Ich wurde und werde mit Sicherheit immer noch abgehört. Das ist schlimmer als in der DDR."

Dann bekommt die Sendung ihre Dosis Kachelmann. Fast wie verabredet kommt Maischberger über die Klage Pechsteins (sie fordert mehr als vier Millionen) auf Höcker zu. Er vertritt Kachelmann und plaudert aus, dass er mit Kachelmann eine Schadenersatzklage über 3,25 Millionen Euro gegen verschiedene Zeitungen plane.

Zwei weitere Betroffene sind Ralf Witte und Sylvia Pleuger. Sie sitzen links von Maischberger. Witte legt schonungslos seinen Fall und damit das fragile deutsche Rechtswesen bloß. Allein die Fakten lassen einem die Haare zu Berge stehen: Eine 15-Jährige beschuldigte Witte der mehrfachen Vergewaltigung. Witte hatte ein Alibi, es wurde keine DNA an Tatorten gefunden, und das Mädchen war Jungfrau. Dennoch wurde Witte schuldig gesprochen. Da schluckt die Runde kollektiv. Auch Pechstein merkt, dass es immer noch schlimmer geht.

Was folgt ist fast eine thematische Kehrtwende von juristischen Irrtümern zu Mobbing. Die ehemalige Krankenschwester Sylvia Pleuger geht nach den skandalösen Fällen fast etwas unter. Sie wurde jahrelang gemobbt und kündigte schließlich.

Maischberger lässt Pleuger ihren Qualen kaum erzählen, dennoch wird der Schmerz der Rentnerin klar deutlich. Sehr emotional gerät der Auftritt von Michaela Horn. Ihr 13-Jähriger Sohn setzte seinem Leben ein Ende, nachdem er massiv gemobbt wurde. Auslöser war ein diskreditierendes Video auf Facebook.

Nun bekommt die Sendung eine zweite Wendung. Die Rolle der Internetgiganten wie Google und Facebook in der Strafverfolgung wäre ein Thema für eine ganze Sendung, bleibt hier aber Randnotiz.

Am Rande sitzt Ex-Viva-Moderator Mola Adebisi, dem das Schlusswort bleibt. Adebisi wundert sich tatsächlich über Medienschelte und Shitstorms nach seinem Dschungelcamp-Auftritt. Auf Twitter wird sarkastisch gefeixt, wer das nicht geahnt hätte, glaube auch an den Weihnachtsmann.

Und tatsächlich gibt sich Adebisi dermaßen naiv, dass man an seiner Medienprofessionalität zweifeln könnte. Er sei nur in den Dschungel gegangen wegen einer sechsstelligen Summe, und nähere Details könne er nicht erzählen, er stehe noch unter Vertrag. Da hätte man gut und gerne den nicht-prominenten Gästen noch mehr Zeit einräumen können statt Mola Zeit zum Quengeln zu geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare