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Boot baufällig, trotzdem fidel: Dwayne Johnson (hinten), Emily Blunt, Jack Whitehall.
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Boot baufällig, trotzdem fidel: Dwayne Johnson (hinten), Emily Blunt, Jack Whitehall.

Kino

„Jungle Cruise“ im Kino: Kreuzfahrt mit Konquistadoren

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Disneys „Jungle Cruise“ ist ein fast schon altmodischer Bluckbuster auf den Spuren des Klassikers „African Queen“

In dieser prallvollen Kinowoche erlebt nicht nur der Ritterfilm mit „The Green Night“ seine Wiederauferstehung, auch ein zweites, nicht mehr ganz alltägliches Genre wird wiederbelebt. „Jungle Cruise“, der Titel legt es bereits nahe, ist ein altmodisches Dschungel-Abenteuer auf den Spuren des Klassikers „African Queen“ – allerdings streckenweise beschleunigt auf das Tempo von Disneys „Piraten der Karibik“. Zunächst einmal ist es aber die „Verfilmung“ der gleichnamigen Disneyland-Attraktion, die seit Eröffnung des kalifornischen Parks 1955 noch immer in Betrieb ist. Schon dem ursprünglichen Designer Harper Goff diente der Abenteuerfilm mit Katharine Hepburn und Humphrey Bogart, in dem mit einem maroden Boot höchst unwegsame Gewässer zu passieren sind, als Inspiration.

Emily Blunt ist die neue Katharine Hepburn, aber in den Dschungel zieht es sie nicht als Missionarin, sondern im Dienst der Wissenschaft. Da ist ein resoluter Charme, der keine Widerworte duldet, natürlich ebenso von Nutzen. Der ideale Adressat dafür ist immer ein Macho-Mann von der unbelehrbaren Sorte; dieses Spiel mit den Geschlechterrollen ist ja nichts, was das Hollywood der 50er Jahre (unter John Hustons Regie) nicht schon beherrscht hätte. Der muskulöse Dwayne Johnson tut als Skipper sein Bestes, sich ins alte Humphrey-Bogart-Outfit zu zwängen – bis hin zum charakteristischen Porkpie Hut.

Man befindet sich nicht in Afrika, sondern irgendwo in Südamerika im Jahre 1916, als man beim Wort „Amazon“ noch nicht an ein Versandhaus dachte. Gedreht wurde der Fluss allerdings in Hawaii und Arizona, was die Mitwirkenden immerhin nicht (wie im heimlichen Vorbild von 1951) der Gefahr tropischer Krankheiten aussetzte.

Entsprechend wohlgelaunt erlebt man das sympathische Paar, ergänzt durch Jack Whitehall in der Rolle des schwulen Dandy-Bruders der Emily-Blunt-Figur. Für einen heterosexuellen Schauspieler macht er das sehr überzeugend, obwohl man sich natürlich fragen kann, was mit dieser Art freundlich gemeinter Repräsentanz von Minderheiten gewonnen ist. Als Disney vor kurzem „Susi und Strolch“ mit teils afroamerikanischer Besetzung neu verfilmte, entstand der Eindruck eines amerikanischen Südens der Jahrhundertwende ohne Rassenschranken. Hier verklärt man das Geschichtsbild mit der Utopie einer selbstverständlichen Akzeptanz von Homosexualität.

Der deutsche Schurke

Andererseits bleiben für die anderen Nebenfiguren noch ausreichend bewährte Rollenklischees übrig, um die man sich keine Sorgen machen muss. So ist eine der Schurkenfiguren ein deutscher Schatzjäger namens Prinz Joachim, gespielt mit nachgemachtem Akzent von Jesse Plemons. Schmerzlich vermisst wird Klaus Kinski, denn auch der von Werner Herzog im gleichnamigen Film verewigte Konquistador Aguirre darf seine Aufwartung machen. Und dann sind Raum und Zeit schließlich aufgehoben und man schippert befreit im Fantasy-Reich der „Piraten der Karibik“.

Wer die „Jungle Cruise“ in Disneyland besucht hat, wird sich vor allem an die künstlichen, lustig bewegten Tiere an den Ufern der Schiffsfahrt erinnern. Eigentlich hatte Walt Disney dort einen echten Zoo anlegen wollen, gab den Plan allerdings auf, als man ihm sagte, dass echte Tiere häufig schlafen. Bedrohlicher noch wären schlafende Zuschauer und Zuschauerinnen, besonders für einen 200-Millionen-Blockbuster, von denen wir nicht wissen, wie viele es davon nach der Corona-Krise noch geben wird.

Die vorhersehbare Handlung des von Jaume Collet-Serra inszenierten Films hätte dem Schlaf wenig entgegenzusetzen. Es gibt eigentlich nichts bei dieser Schatzsuche, das man nicht schon viel schöner in einem der „Indiana Jones“-Filme von Steven Spielberg gesehen hätte, teutonische Schurken eingeschlossen. Wenn man dennoch gerne zuschaut, liegt das allein an den liebenswerten Hauptdarstellern.

Vor allem Dwayne Johnson ist wirklich sehenswert: Der ehemalige Wrestler befindet sich an einem ähnlichen Punkt in seiner Karriere wie Arnold Schwarzenegger, als er begann, das eigene Rollenimage zu hinterfragen. In der Rolle des vermeintlichen Obermachos, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte, entwickelt Johnson eine besondere Liebenswürdigkeit. Aber er wird deshalb nicht zum „Kindergarten-Cop“, sondern behauptet die Leinwandpräsenz eines „leading man“. Stars wie Johnson gibt es nur im Kino, die große Leinwand hat sie hervorgebracht.

Auch das ist ein Grund, dieser „Jungle Cruise“ mit Wohlwollen zu begegnen. Längst spricht man in Hollywood darüber, ob solche Großproduktionen im Streaming-Zeitalter noch finanzierbar sind.

Jungle Cruise. USA 2021. Regie: Jaume Collet-Serra. 127 Min.

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