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„E.T.“-Jubiläum: 40 Jahre „Nach Haus' telefonieren“

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„E.T. - Der Außerirdische“
E.T. hofft mit seinem irdischen Freund Elliott (Henry Thomas), dass seine Leute ihn wieder von der Erde abholen. © Bruce McBroom/ZDF/dpa

Das Heimweh eines Außerirdischen rührt vor vier Jahrzehnten Millionen Menschen auf der Welt. Steven Spielbergs „E.T.“ prägt Denken und Ideenwelt vieler Leute bis heute - und den Look von Serien sowieso.

Los Angeles - Was Film alles kann: Ein eher eklig anmutendes Wesen mit Echsenhaut und glühendem Wurstfinger sagt einem kleinen Jungen in Kalifornien goodbye und „Ich bin immer bei dir“ - und Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind gerührt. Vor 40 Jahren kam das amerikanische Sci-Fi-Märchen „E.T. - Der Außerirdische“ auf den Markt. Kinostart in deutschsprachigen Ländern war damals im Dezember (9.12.). ZDFneo zeigt den Klassiker nun mal wieder im Fernsehen - am 23. September, einem Freitagabend, um 20.15 Uhr.

Die Szene, in der ein Junge mit zugedecktem Alien im Körbchen auf einem Cross-Rad als Silhouette am Vollmond vorbeifliegt, gehört - von John Williams' pathetischen Streichern untermalt - zu den eindrücklichsten Momenten der Filmgeschichte.

BMX-Radfahren kam groß heraus

„E.T.“ traf als Film den Zeitgeist und inspiriert bis heute Bewegtbildmacher, man denke an Ausstattung und Detailverliebtheit der aktuell weltweit beliebten Netflix-Serie „Stranger Things“.

Anfang der 1980er half der Kinofilm, den Trendsport BMX-Radfahren populärer zu machen - so wie Mitte des Jahrzehnts dann Marty McFly (Michael J. Fox) aus Robert Zemeckis' „Zurück in die Zukunft“ das Skateboardfahren zum Massenphänomen werden ließ.

Der amerikanische Grusel-Feiertag Halloween, der im Film eine wichtige Rolle spielt, weil E.T. deshalb - als Gespenst verkleidet - ganz praktisch aus dem Haus geschmuggelt werden kann, ist seitdem auf der ganzen Welt und auch in Deutschland Phänomen und Brauch geworden. Außerdem nahm spätestens mit E.T., im Gefolge von „Star Wars“ und „Der weiße Hai“, die Ära des Blockbuster-Kinos ihren Lauf.

Mit E.T. förderte Hollywood auch die popkulturelle Realität, dass Kunstfiguren und Special-Effects-Helden wie die von Carlo Rambaldi (1925-2012) geschaffene E.-T.-Puppe echte Gefühle auslösen können.

Mitgefühl und Liebe

Steven Spielberg inszenierte mit „E.T.“ eine formvollendete Fantasy-Geschichte vom guten Außerirdischen (ET: Extra-Terrestrial). Das koboldartige Lebewesen aus dem Weltall rettet nicht die Menschheit, schafft es aber, in einer von Misstrauen geprägten Welt in Kindern und einigen Erwachsenen Mitgefühl und Liebe zu wecken.

Als ein auf der Erde gelandetes Raumschiff überstürzt die Flucht antritt, vergessen die Außerirdischen einen der ihren. Das vergessene Wesen findet Zuflucht im Schuppen eines Hauses. Dort findet ihn der Junge Elliott (gespielt vom heute 51-jährigen Henry Thomas), nennt ihn „E.T.“ und freundet sich mit ihm an.

Trotzdem wächst das Heimweh des intelligenten, telekinetischen Besuchers aus dem Weltraum, das in den legendär gewordenen Sätzen „E.T. zu Haus' telefonieren“, „E.T. nach Haus' telefonieren“, „Telefonieren - nach Haus', nach Haus'“ gipfelt.

Die Telepathie von E.T. und Elliott hat existenzielle Folgen und endet tragisch - doch am Ende wird sogar der Tod überwunden.

Das Sprechen bringt E.T. übrigens Elliotts kleine Schwester Gertie bei. Drew Barrymore verkörperte das Mädchen. Sie war damals sieben.

Happy End und Tränen

Sie erlitt danach ein schlimmes Kinderstar-Schicksal: Zigaretten mit neun, Alkohol mit elf, auch Marihuana und Kokain. Mit 14 machte sie eine Entziehungskur, beging einen Suizidversuch und absolvierte noch eine Entziehungskur. Mit den Eltern zerstritt sie sich, selbst vor Gericht. Mit 15 kam eine Autobiografie heraus - Titel: „Little Girl Lost“, also „Kleines verlorenes Mädchen“.

Heute mit 47 gehört Barrymore nach wie vor zur globalen Unterhaltungsindustrie, ist gut im Geschäft, etwa mit der Netflix-Horrorcomedyserie „Santa Clarita Diet“. Kürzlich erzählte sie in der „Tonight Show“ von Jimmy Fallon, dass sie sich mit der ebenfalls vom Showbiz gebeutelten Popsängerin Britney Spears angefreundet habe. „Wir haben beide viel durchmachen müssen, wir haben einige Parallelen, die in ihren Umständen einzigartig sind.“

Auch wenn „E.T.“ bloß ein Unterhaltungsfilm und Spezialeffektemärchen zu sein scheint, so hat das Werk durchaus subversives Potenzial. Denn dem Staat ist in diesem Film nicht zu trauen. Agenten, Polizei und Militär erscheinen hier als kaum zu stoppende, bedrohliche Macht. Schroff wird das Haus von Elliotts Familie in ein Hochsicherheitslabor verwandelt. E.T. soll um jeden Preis zu Forschungszwecken in Besitz genommen werden. Am Ende gelingt aber die Flucht und der Außerirdische wird doch noch vom Raumschiff abgeholt. E.T. erlangt die Freiheit und kann nach Hause. Happy End. Mit Tränen. dpa

Der Spielfilm „E.T. - DerAußerdirdische“ (Originalzitel: „E.T. - The Extraterrestrial“) kam am 11. Juni 1982 in die Kinos der USA. Deutscher Kinostart war erst sechs Monate später. Mehr als 140 Millionen Menschen sollen den Film weltweit im Kino gesehen haben, davon laut FFA etwa 7,8 Millionen Kinobesucher in Deutschland.

In der Liste der inflationsbereinigt kommerziell erfolgreichsten Filme, also unter Berücksichtigung der steigenden Ticketpreise, liegt „E.T.“ laut Box Office Mojo bis heute auf Platz vier.

Er reiht sich hinter dem Melodram-Klassiker „Vom Winde verweht“ von 1939, dem Sci-Fi-Märchen „Krieg der Sterne“ von 1977 (Titel inzwischen auch „Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung“) und der Musicalverfilmung „The Sound Of Music“ von 1965 ein (deutscher Titel: „Meine Lieder – meine Träume“).

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