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Ulrich Meyer, Moderator "Akte 09".
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Ulrich Meyer, Moderator "Akte 09".

TV-Kritik "Akte 09"

Die Journalisten-Polizei

  • Franziska Schubert
    VonFranziska Schubert
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"Akte 09" auf Sat.1 setzt voll auf den Voyeurismus der Zuschauer. Bösewichte werden von Journalisten skrupellos verfolgt. Das verstößt gegen die Moral. Von Franziska Schubert

Es ist schon peinlich, dass Journalisten sich so inszenieren: als aufrechte Ordnungshüter, als erbitterte Kämpfer für unschuldig in Not Geratene und dann einen Lohnpreller mit der Kamera gegen seinen Willen verfolgen, als seien sie die oberste Macht im Staat. Und das kam so: Mit Tränen in den Augen erzählt Familienmutti Anja Schimkat, dass ihr LKW-fahrender Ronny um seinen Lohn geprellt worden ist.

Insgesamt mehr als 5000 Euro inklusive Spesen fehlen in der Haushaltskasse, weil der Chef nicht zahlte. Die Schimkats haben nun Angst, "unter der Brücke schlafen zu müssen". Gemeinsam mit drei anderen leer ausgegangenen Truckern macht sich "Akte 09" auf die Suche nach dem Tunichtgut, dem Inhaber einer Ostberliner Spedition - und lässt nicht locker, bis sie ihn aufgespürt haben.

Das Strickmuster der Live-Sendung am Dienstagabend zielt gnadenlos auf Voyeurismus ab. Alles dreht sich um das Leid der anderen: Je übler ihnen mitgespielt wird - etwa einer jungen Mutter mit ihrem Baby, der das Jobcenter in Berlin-Neukölln drei Monate kein Geld gibt - , desto höher die Empörung beim TV-Konsumenten - ein prima Mittel um den Betroffenheitsgrad hochzuschrauben.

Und der Zuschauer, erschauernd ob so viel Ungerechtigkeit, kann sich bestens fühlen, dass es ihm nicht so wie der alleinerziehenden Mutter ergeht. Aber wenn doch, das suggeriert die Sendung, kommen die "Akte 09"-Reporter und "kämpfen für sie", wie Moderator Ulrich Meyer oft und gern betont.

Und anscheinend gehen diesem Fliegenfänger-Spruch viele Menschen bereitwillig auf den Leim. Aber, wenn die Sat.1-Reporter so grundehrlich sind, wie sie betonen, warum sagen sie nicht einfach, dass mit der Zur-Schau-Stellung von Schicksalen auch vor allem die Einschaltquote erhöhen wollen? Doch die Verwaltungsopfer von Hartz IV und GEZ interessiert das offensichtlich herzlich wenig.

Nadine Scholz, die nach Anfragen von "Akte 09" beim Jobcenter innerhalb weniger Tage das Arbeitslosengeld auf dem Konto hat, bedankt sich bei den Reportern, selbstverständlich vor laufender Kamera - den Kinderwagen mit einem "Akte 09"-Aufdruck behängt. Nadine Scholze habe dank "Akte 09" "neuen Lebensmut" geschöpft, lobt Meyer die eigenen Verdienste des Redaktionsteams. "Neuen Lebensmut" haben der Speditionschef und seine Mutter dagegen sicherlich nicht geschöpft. Denn so wie den Unschuldigen geholfen wird, so verfolgt "Akte 09" die Bösewichte skrupellos.

Zwar wird das Gesicht des Lohnprellers verfremdet, aber der Ruf des Mannes ist ruiniert - genauso wie der seiner Mutter, die die Buchhaltung für ihn machte und von der nun alle Welt weiß, wo sie arbeitet. Straftaten zu verfolgen ist immer noch Sache der Justiz. Auch Jagd auf verbrecherische Menschen zu machen kann nicht Aufgabe der Presse sein: Das verstößt gegen die Moral.

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