15 Minuten Sendezeit

„Ist das Europa?“ – Milad aus Afghanistan berichtet bei Joko und Klaas über die Zustände im Lager Moria

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Kinder schreien, Tränenglas fliegt, Menschen rennen panisch davon. ProSieben zeigt die Bilder zur Primetime, denn Joko und Klaas haben wieder 15 Minuten Sendezeit.

Berlin/Lesbos – Das Konzept von „Joko und Klaas gegen ProSieben“ ist einfach. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf spielen gegen ProSieben-Promis und können dabei 15 Minuten Sendezeit gewinnen. Am Dienstag, 15. September haben die beiden Entertainer wieder gewonnen.

Sie füllten die gewonnene Sendezeit zur Primetime auf ProSieben jedoch nicht selbst. Stattdessen berichtet Milad Ebrahimi aus Afghanistan von seiner Flucht nach Europa und zeigte die Zustände auf der griechischen Insel Lesbos. Milad war dabei, als am 9. September das Camp Moria völlig abbrannte. Joko und Klaas warnen zu Beginn des Beitrags davor, das Video besser nicht mit Kindern anzuschauen.

Insel in Griechenland:Lesbos
Fläche:1.633 km²
Bevölkerung:86.436 (2011)
Geographische Lage:39° 12′ N, 26° 18′ O Koordinaten: 39° 12′ N, 26° 18′ O
Höchste Erhebung:Vigla (Leptimos-Gebirge); 968 m
Gewässer:Mittelmeer
Hauptort:Mytilini

Joko und Klaas zeigen Video aus Camp Moria – Milad aus Afghanistan berichtet von schrecklichen Zuständen

Wie beim Bericht „Männerwelten“ im Mai 2020, übergaben Joko Winterscheid und Klaas Heufer-Umlauf auch dieses Mal ihre gewonnene Sendezeit einer anderen Person. Damals führte die Autorin Sophie Passmann durch eine Ausstellung zum Thema sexuelle Belästigung und Gewalt. Das Video erreichte über 4 Millionen Menschen. Das aktuelle Video hat ebenfalls einen politischen Hintergrund. Am Mittwoch, 16. September berichtete Milad Ebrahimi aus Afghanistan auf ProSieben über die Zustände im griechischen Camp Moria. Auch den Abend des 9. Septembers, an dem ein Großbrand das ganze Lager zerstörte, hat der Geflüchtete Milad miterlebt.

Zu Beginn des Beitrags warnen Joko und Klaas vor den Bildern. Man solle das Video „bitte nicht mit Kindern schauen“, obwohl darin Kinder vorkämen. Die Bilder seien „am Rande des Erträglichen“, sagt der Moderator Klaas Heufer-Umlauf. Zudem weist er darauf hin, dass „alle Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben nach Europa fliehen“ die im Video gezeigten Dinge erleben würde. Die Ausgabe der Show „Joko und Klaas gegen ProSieben“ wurde vor vier Wochen aufgenommen, die Arbeit an dem Video aus Moria begannen kurz danach. In dem Beitrag berichtet Milad Ebrahimi über seine Flucht aus Afghanistan, die brutalen Bedingungen in Camp Moria und dessen Zerstörung durch einen Großbrand.

Milad Ebrahimi aus Afghanistan berichtet von den katastrophalen Bedingungen im Flüchtlingslager Moria.

Milad berichtet über die Zustände im Camp Moria – Joko und Klaas zeigen Video zur ProSieben-Primetime

In dem Video „A Short Story Of Moria“ spricht Milad Ebrahimi über drei Versuche, die er für seine Überfahrt aus der Türkei nach Griechenland gebraucht habe. Davor sei er von Afghanistan über Iran in die Türkei gelangt. Bei Milads erstem Versuch sei sein Boot gesunken und die türkische Küstenwache habe ihn und die anderen Geflüchteten zurück ans türkische Festland gebracht. Der zweite Versuch endete in griechischen Gewässern. Dort habe die griechische Küstenwache ihren Bootsmotor zerstört und sie zurück in türkisches Hoheitsgebiet geschleppt, wo die türkischen Beamten übernahmen. Ein dritter Versuch war schließlich erfolgreich, doch die Zustände im Camp Moria waren nicht das, womit Milad gerechnet hatte.

Der junge Mann auf Afghanistan habe direkt gemerkt, dass das Camp viel zu eng sei. Knapp 19.000 Menschen lebten bei seiner Ankunft dort, obwohl nur für 3.000 Platz gewesen sei. Milad Ebrahimi erreichte Moria nach eigenen Angaben im Januar 2020. Im Video zeigt er auch die extrem schlechten sanitären Einrichtungen und kritisiert fehlendes Wasser und Essen sowie mangelnde ärztliche Versorgung. „Ist das Europa?“, fragt Milad Ebrahimi. „Ist das Realität oder nur ein schlechter Traum?“

Camp Moria in Flammen – Joko und Klaas zeigen Video vom Großband in Griechenland

Am Abend des 9. Septembers habe er das große Feuer in Moria von Beginn an gesehen, berichtet Milad Ebrahimi in dem Beitrag auf ProSieben. Dabei habe auch er „alles verloren.“ Gemeinsam mit vielen anderen Menschen musste er das Lager verlassen, doch die griechischen Militärs sperrten Straßen ab und schossen Tränengas in die Menschenmenge. Das Video zeigt drastische Bilder. Kinder, die mit Verletzungen und unter Tränen von den Rückständen des schmerzhaften Gases befreit werden. Kleine Zelte, in denen ganze Familien leben. Matratzen am Straßenrand.

Milad kommentiert die Tragödie auf der griechischen Insel Lesbos: „Wir waren enttäuscht von Europa. Enttäuscht vom Leben.“ Er sei nach Europa geflohen, um eine bessere Zukunft zu haben. Um Gleichberechtigung, Freiheit und Menschenrechte zu bekommen. Am Ende des Videos fordert er eine Lösung für die Probleme der Menschen in Moria. Joko Winterscheid und Klaas Heufer-Umlauf sprechen zu Beginn des Videos auch über eine Lösung. Winterscheidt akzeptiert, dass die Lage sehr kompliziert und eine Lösung zu finden nicht einfach sei. Doch egal wie man über die Flüchtlingskrise denke, solle man wissen, welche Zustände in diesen Lagern herrschen.

Die Deutsche Presse-Agentur (DPA) berichtete am Donnerstag, 17. September von den Einschaltquoten des ProSieben-Beitrags. 1,62 Millionen Zuschauer und somit eine 5,8-prozentige Einschaltquote erzielte das Video von Milad Ebrahimi aus Moria. Auf YouTube hat das Video (Stand 17. September) knapp 170.000 Klicks, auf Twitter wurde der Beitrag über 1.000 Male geteilt. Online läuft eine Debatte über mögliche Lösungen für die Zustände auf den griechischen Inseln innerhalb der Europäischen Union und auf Bundesebene. Inzwischen wollen einige deutsche Städte Geflüchtete aus Moria aufnehmen.

Camp Moria in Flammen: Politische Reaktion in Griechenland, Deutschland und der Europäischen Union

Eine Woche nach dem Brand in dem überfüllten Flüchtlingslager Moria sind auf Lesbos immer noch rund 11.000 Migranten obdachlos, gut 1.000 davon leben in einem neuen Lager. Griechenland will alle rund 12.000 Bewohner des abgebrannten Lagers weiter vor Ort unterbringen und nicht aufs Festland bringen - das haben Regierungsvertreter mehrfach betont. Hintergrund ist die Befürchtung, dass sonst Migranten auch in anderen Lagern absichtlich Feuer legen könnten, um ihre Weiterreise nach Europa, insbesondere nach Deutschland, zu erzwingen. Inzwischen hat die griechische Polizei fünf mutmaßliche Brandstifter festgenommen.

Viele Migranten aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria zelten auf der Straße.

Außerdem befürchtet Athen, dass noch mehr Migranten, die sich zurzeit in der Türkei aufhalten, zur Überfahrt nach Europa animiert werden - das soll verhindert werden. Zudem verweist Athen darauf, dass Asylanträge von vielen Migranten in Moria entweder noch nicht entschieden oder aber abgelehnt wurden. Die deutsche Bundesregierung hat am Dienstag beschlossen, nach der Brandkatastrophe gut 1.500 zusätzliche Flüchtlinge von fünf griechischen Inseln aufzunehmen. (Von Enno Eidens, mit Material der DPA)

Rubriklistenbild: © Petros Giannakouris

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