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Joaquin Phoenix bei den Baftas in der Royal Albert Hall.

Baftas-Verleihung

Joaquin Phoenix nutzt Dankesrede für Plädoyer gegen Rassismus

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Der erneut preisgekrönte Joaquin Phoenix spricht bei der Bafta-Verleihung über Rassismus.

Das war eine klare Ansage: Joaquin Phoenix geht auf die Bühne, man erwartet seine Dankesrede, weil er als bester Schauspieler ausgezeichnet wird, doch er wählt nicht die üblichen Worte. „Wir senden eine deutliche Botschaft an nichtweiße Menschen, dass sie hier nicht willkommen sind“, sagt er. Die Wendung „people of color“, die Phoenix benutzte, setzt sich auch hierzulande langsam durch, um Alltagsrassismus entgegenzuwirken.

Joaquin Phoenix spricht über Rassismus

Es wird still in der Royal Albert Hall in London, das zeigen die Videomitschnitte. Die kurze Rede bewegt sich zwischen den zwei Polen, die das Thema im Bereich der Kultur ausmachen. Phoenix bezeichnet sich einerseits selbst als „Teil des Problems“ – als Teil einer Gesellschaft, die keine Chancengleichheit hinbekommt – und lenkt andererseits den Blick auf die, deren Arbeit nicht ausreichend Beachtung findet, „Menschen, die so viel Anteil an den Erfolgen unseres Mediums und unserer Industrie haben, von denen wir auch profitieren“.

Die Britischen Filmpreise

Der große Gewinnerbei den Baftas war „1917“ von Sam Mendes: als „Bester Film“, „Herausragender Britischer Film“ und „Beste Regie“. Renée Zellweger („Judy“) ist „Beste Hauptdarstellerin“, Joaquin Phoenix („Joker“) ist „Bester Hauptdarsteller“. Laura Dern („Marriage Story“) und Brad Pitt („Once Upon a Time in Hollywood“) wurden als „Beste Nebenrollen“ prämiert.

Verlierer des Abendswaren zwei Filme mit je zehn Nominierungen. Für „Once Upon a Time ...“ war der Preis für Pitt der einzige. Martin Scorseses „The Irishman“ ging komplett leer aus. (dpa)

Geehrt wird Joaquin Phoenix für seine Darstellung des „Joker“ in dem Film von Todd Philipps. Es ist nicht irgendeine Auszeichnung. Die Bafta-Awards, vergeben von der Britischen Akademie der Film- und Fernsehkunst, gelten wie die Golden Globes als Vorboten der Oscars.

In der vergangenen Sonntagnacht in London hat der Schauspielern gewonnen, von dem die meisten Auskenner erwarten, dass er am Sonntag drauf auch die Ehrung in Los Angeles entgegennimmt. Alle vier Kollegen, die mit Phoenix nominiert waren, sind weiß, ebenso die Hauptdarstellerinnen, dasselbe trifft auf die Nebendarsteller beiderlei Geschlechts zu. Erst beim Nachwuchs sah die Auswahl bunter aus.

Joaquin Phoenix wird für „Joker“ geehrt

Es ist schwierig, etwas zu kritisieren, von dem man selbst profitiert. Hätte Joaquin Phoenix bereits die Nominierung ablehnen sollen? Wäre das bemerkt worden? Ein paar Medien hätten berichtet, der Schauspieler möchte seine Zurückhaltung als Signal verstanden sehen, sicher. So aber hat er die Ehrung der eigenen Leistung erhalten und die große Öffentlichkeit genutzt. Die saß nicht nur still im Saal. Sogar Prinz William sagte dann: „Schon wieder sprechen wir darüber, dass wir mehr tun müssen, um in diesem Sektor und bei der Preisvergabe Diversität zu gewährleisten.“ Der Thron-Nachfolger hat erkannt: „Das kann heutzutage einfach nicht mehr richtig sein.“

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