Der Regisseur Jafar Panahi.
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Der Regisseur Jafar Panahi.

Jafar Panahi Berlinale

Jetzt drohen sie mit der Polizei

Iran ist empört über Panahis Berlinale-Teilnahme - und droht den Organisatoren und Filmemachern mit Konsequenzen.

Von Katja Lüthge

Mit dem Silbernen Bären für das beste Drehbuch hat die Internationale Jury der Berlinale am Sonnabend den heimlich gedrehten Film „Pardé“ („Closed Curtain“) der iranischen Filmemacher Jafar Panahi und Kamboziya Partovi geehrt. Das schafft viel internationale Aufmerksamkeit für ein hinter den namensgebenden geschlossenen Vorhängen am Kaspischen Meer im Nordiran gedrehtes Kammerspiel.

Prompt erfolgt nun die Reaktion aus Teheran, der Vize-Kultusminister Dschawad Schamaghdari droht laut der dortigen Presse sowohl den Filmemachern als auch der Berlinale mit Konsequenzen. Jeder wisse schließlich, dass sowohl die Produktion als auch das Zeigen von Filmen zumal im Ausland genehmigungspflichtig sei, wird er zitiert, die Vorführung bei der Berlinale sei mithin illegal gewesen. Bisher hätte man sich großzügig gezeigt, aber diese Straftat sei ein Fall für die Polizei. Wie tolerant sich das System geriert, hat Jafar Panahi bereits erfahren, als er nach seinem dokumentarischen Engagement für die Demokratiebewegung 2010 zu einem zwanzigjährigen Berufsverbot verurteilt wurde, seither unter Hausarrest steht und das Land nicht verlassen darf. Wie ein Damoklesschwert schwebt zusätzlich die Verurteilung zu einer sechsjährigen Haftstrafe über ihm, die jederzeit vollstreckt werden kann.

Gedreht im Geheimen

„Pardé“ ist nach „Dies ist kein Film“ bereits sein zweiter illegal gedrehter Film, der auf einem internationalen Filmfestival läuft, es steht also zu befürchten, dass das Regime dieses Mal noch härter zurückschlägt. Dabei hat sich der Ko-Regisseur, Weggefährte und Freund Panahis, Kamboziya Partovi, letzte Woche im Interview noch verhalten optimistisch zur Situation der Filmemacher im Iran geäußert, mit ein wenig Geschick sei es schon möglich zu arbeiten. Über sein Schicksal und das seiner Schauspielkollegin Maryam Moghadam, die beide den Film nach Berlin brachten und ihn dort vorstellten, sind derzeit keine Informationen zu bekommen. Weder ob sie in den Iran zurückgekehrt sind, ist bekannt, noch welche Repressionen sie in diesem Fall zu erwarten haben.

Dass sie sich mit ihrer Mitwirkung an „Pardé“ zur Zielscheibe der Sittenwächter im Iran machen würden, war ihnen wohl sehr bewusst. Besonders der überaus sympathisch, aber verletzbar wirkenden Maryam Moghadam kann die Entscheidung nicht leicht gefallen sein, an dem bekanntlich verbotenen Projekt mitzuwirken, dessen doch eigentlich unpolitischen Charakter sie in Berlin betonte. Nach ihren Befürchtungen befragt, hatten sich Partovi und Moghadam aber eher unbestimmt gezeigt.

Der Berlinale liegen momentan offenbar auch keine weiteren Informationen zu den Künstlern vor, in einer ersten offiziellen Reaktion heißt es: „Wir würden es sehr bedauern, wenn die Vorführung von „Pardé“ juristische Folgen für die Filmemacher hätte“. Es steht zu hoffen, dass diesen mutigen Künstlern die gleiche anhaltende internationale Aufmerksamkeit wie ihrem berühmten Landsmann Jafar Panahi zuteil wird. Die Berlinale steht hier in der Pflicht.

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