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Zwischen Robert De Niro und Martin Scorsese: Die Fotografin Brigitte Lacombe bei der Eröffnung ihrer Ausstellung „On Set with Scoresese“.
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Zwischen Robert De Niro und Martin Scorsese: Die Fotografin Brigitte Lacombe bei der Eröffnung ihrer Ausstellung „On Set with Scoresese“.

Ausstellung

Jenseits der Posen

Ungeglättet: Brigitte Lacombe fotografiert die Hollywood-Stars in den intimen Momenten ihrer Arbeit. Jetzt hat sie in Berlin ihre Schau "On Set with Scorsese" eröffnet.

Von Anne Lena Mösken

Sie verschwindet fast, wie sie da steht, zwischen den Menschen, die Sektgläser haltend einen Halbkreis um den amerikanischen Botschafter gebildet haben. Eine kleine Frau, die ihr graues Haar lang und unfrisiert trägt, einen langen schwarzen Rock, dazu Sandalen. Im Februar.

Eher schaut man da auf die Botschaftergattin, die in lilafarbenen Loboutins, die Haare aufgeföhnt und glatt gezogen, neben der Fotografin Brigitte Lacombe steht. Es sind ihre Bilder, die der Botschafter da gerade lobt, wie nur Amerikaner loben können: „I?love this! Fantastic!“

Diese Fähigkeit, zu verschwinden ? wahrscheinlich ist es das, was Brigitte Lacombe derart gut beherrscht, dass ihre Bilder immer solche von großer Nähe sind; zumal zu jenen, die meist danach streben, Distanz herzustellen – es sei denn, sie stehen vor einer Filmkamera. Seit mehr als dreißig Jahren fotografiert Lacombe Filmstars und Dreharbeiten.

Sie hatte Meryl Streep und Julia Roberts vor der Kamera, Dustin Hoffmann, Uma Thurman, Kate Winslet, Brad Pitt und Nicole Kidman. Sie fotografierte die Filme von Roman Polanski, Frederico Fellini, Bernado Bertolucci und Quentin Tarantino.

Vor allem aber begleitete Lacombe den Regisseur Martin Scorsese. Er wurde im November vergangenen Jahres siebzig Jahre alt, im Filmhaus am Potsdamer Platz zeigte das Kino Arsenal deshalb Anfang Januar zunächst eine Retrospektive, das Museum für Film und Fernsehen widmet dem Regisseur zudem eine umfangreichen Ausstellung, für die Requisiten, Drehbücher und Ausschnitten aus Scorseses Filmen zusammengetragen wurden, und nun kommt auch die Schau von Brigitte Lacombes Fotografien hinzu, die im Café der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin gezeigt werden.

Hollywood-Zauber verschwindet in der Banalität

Im Jahr 2000 traf Brigitte Lacombe den Regisseur Martin Scorsese zum ersten Mal, sie fotgrafierte am Set von „Gangs of New York“ in den Cinecittà-Studios in Rom. Es war der Auftakt einer langjährigen Zusammenarbeit.

„Ich komme und fotografiere einfach, was mir interessant erscheint“, sagt Brigitte Lacombe. Da ist der Botschafter schon wieder weg, das Publikum nascht vor ihren Bildern Datteln im Speckmantel, und Lacombe betrachtet ein wenig abseits eines ihrer Bilder, das Michelle Williams beim Dreh zu „Shutter Island“ (2008) zeigt:

Williams steht vor einem Blue Screen, der in die triste Landschaft platziert wurde, links und rechts sind die Arme der Helfer zu sehen, die die Leinwand halten, vorne ragt ein Puschelmikrofon ins Bild, und Williams hat beim Warten auf die Klappe den Fuß verdreht wie ein kleines Mädchen. Nichts wirkt glamourös an der späteren Marilyn-Monroe-Darstellerin und Golden-Globe-Gewinnerin, der Zauber des Hollywood-Sets verschwindet in der Banalität der technischen Ausrüstung – und fasziniert genau deshalb. Und Lacombe war es eben, die genau das gesehen, genau das interessant gefunden haben muss.

Sie werde bei Dreharbeiten Teil der Crew, sagt Lacombe. Sie verschwindet dann wohl gleichsam in der Hektik am Set, und doch ist sie überaus präsent in ihren Bildern: Unweigerlich lassen sie beim Betrachter die Frage aufkommen, wie sie es geschafft hat, so nah heranzukommen, dass man Leonardo DiCaprios angehaltenen Atem zu spüren meint, mit dem er, vorgebeugt, die Lippen leicht geöffnet, den Anweisungen des viel kleineren Scorsese lauscht.

„Diesen Moment der Intimität, den willst du bekommen“, sagt Brigitte Lacombe. Weil er so selten geworden ist in den glatt retouchierten Photoshop-Bildern der Starwelt, auf denen sich die Porträtierten nur noch in einstudierter Pose zeigen, und weil es Lacombe immer wieder gelingt, diesen Moment einzufangen, sind ihre Bilder eindrucksvolle Kulturdokumente.

On Set with Scorsese: Bis 15. Juni im Helene Schwarz Café der DFFB, Potsdamer Str. 2, Telefon: 25?75?92 98.

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