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Jennifer Lopez als Ramona, hier mit Constance Wu als Destiny.

„Hustlers“

Jennifer Lopez in „Hustlers“: Plötzlich Diva

Lorene Scafarias Stripperinnen-Krimi „Hustlers“ wäre nichts ohne seinen Besetzungscoup: Jennifer Lopez spielt ihre beste Rolle.

Wenn das Hollywood der 2010er Jahre für etwas kaum Erinnerung bleiben wird, dann sind das Filme über Sex und Erotik. Sollte am Ende nur die spießige Schlüpfrigkeit von „Fifty Shades of Grey“ der Nachwelt von einem Jahrzehnt erzählen können, das immerhin Tinder hervorgebracht hat? Romantische Komödien geben sich grundsätzlich bedeckt, und wenn einmal der Jugendschutz bei einem Blockbuster zensierend einschreitet wie zuletzt bei „Joker“, dann weil etwas zu brutal ist, aber niemals zu erotisch.

Jennifer Lopez: „Hustlers“ spielt auf den Laufstegen einer Stripbar

Kein Wunder, dass „Hustlers“, der erste in Hollywoodfilm, der sich seit langer Zeit mit der Sexindustrie beschäftigt, bereits über 145 Millionen Dollar eingespielt hat. Oder sollte es nicht nur das Thema sein, dass hinter diesem Überraschungserfolg steckt?

Weite Teile spielen auf den Laufstegen einer Stripbar und ihren Hinterzimmern, doch vom eigentlichen Geschäft mit der Zurschaustellung weiblicher Körper erfährt man wenig. Regisseurin und Autorin Lorene Scafaria ist es gelungen, jeden Voyeurismus – auch den mythisch überhöhten von Filmen wie „Paris Texas“ von Wim Wenders – heraus zu halten. Und anders als Paul Verhoeven, dessen Stripperinnen-Epos „Showgirls“ jeden Anflug von Erotik durch ein Überangebot an Nacktheit vertrieben hatte, blickt die Filmemacherin gleichsam neben die präsentierten Körper.

Jennifer Lopez in „Hustlers“: Die Sexindustrie wird nicht hinterfragt

Die Nüchternheit, mit der sie die Stripperin Dorothy (Constance Wu) bei ihrem glücklosen Versuch begleitet, nach der Finanzkrise 2009 an den früheren Geldregen anzuknüpfen, könnte ein interessantes Sozialdrama einleiten. Doch dies ist kein Film über Ausbeutung und fallende Preise in der Sexindustrie, sondern ein eher schleppend erzählter Kriminalfilm nach Tatsachen. Basierend auf einer Zeitschriftenreportage von Jessica Pressler erzählt der Film von einer Gruppe Stripperinnen, die an ihren reichen Kunden unter Einfluss von K.-o.-Tropfen Kreditkartenbetrug im großen Stil verübt haben. Daran ist nichts Glorreiches, doch immer wieder wird versucht, eine Beziehung zwischen den Gepflogenheiten des Finanzsektors und dem überteuerten Verkauf sexueller Dienste herzustellen. „Na, er hat ja sicher eine Frau, die er betrügt“, heißt es dann in der Betrügerinnenclique. Die Sexindustrie selbst wird dagegen kaum kritisch beleuchtet.

Was also könnte an einem Film überhaupt interessant sein, der sich weder für sein Milieu interessiert noch für einen nur oberflächlich kritisierten Kapitalismus? Ins Zentrum hat Scafaria einen alten Hollywoodplot gestellt. Er stammt aus dem Repertoire vieler Backstage-Filme und handelt von einer alternden Diva, die ihre Geheimnisse einer Elevin verrät.

Jennifer Lopez mit beeindruckendem Comeback in „Hustlers“

Jennifer Lopez spielt diese Nachtclub-Veteranin Ramona. Auch mit fünfzig zieht sie noch die Blicke auf sich, und huldvoll teilt sie der wenig charismatischen Dorothy ein paar Kniffe mit.

Es ist allein die Wirkungssicherheit dieses Comeback-Auftritts einer meist wenig geforderten Schauspielerin, der an „Hustlers“ fasziniert. Erst über ihre Leinwandpersona teilt sich überhaupt das Thema Erotik mit, das ansonsten so weiträumig umschifft wird.

Mit den Konventionen des ritualisierten Ausziehens hat das natürlich weit weniger zu tun als mit den Geheimnissen von individueller Ausstrahlung, die man in Wahrheit weder erlernen noch kaufen kann.

Jennifer Lopez in „Hustlers“: Ihr wird das Knistern überlassen

Wie schwer hat sich dieser Film damit getan, bei seinem eigentlichen Sujet, der käuflichen Sexualität, partout keinen Voyeurismus aufkommen zu lassen. Nur um dann alles Knistern der Lopez zu überlassen; und plötzlich sieht sich jeder gern die Nase platt.

Hustlers. Regie: Lorene Scafaria. 104 Min.

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