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Jan Böhmermann spricht in seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ über den Scheich von Dubai.
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Jan Böhmermann spricht in seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ über den Scheich von Dubai. (Screenshot)

TV-Kritik

Jan Böhmermann zieht im ZDF Magazin Royale über Influencer her

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
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Satire ist, wenn der Satiriker recherchiert: Jan Böhmermann beschäftigt sich im ZDF Magazin Royale mit deutschen Influencern in Dubai.

  • Jan Böhmermann diskutiert in der jüngsten Ausgabe des ZDF Magazin Royale die Auswanderungswelle deutscher Influencer.
  • In seiner ZDF-Sendung beschäftigt sich Jan Böhmermann mit einer ganzen Reihe an Influencern.
  • Die TV-Kritik zum ZDF Magazin Royale von Freitag, 12.02.2021.

Frankfurt – Der Staubsaugervertreter ist aus der Wirtschaftswunderzeit bekannt als Typ, der hilflosen Hausfrauen seine Waren andrehte. Loriot hat ihm ein wunderbares satirisches Denkmal gesetzt („Es saugt und bläst der Heinzelmann...“). Inzwischen ist der Handelsreisende so gut wie ausgestorben, was seine analoge Erscheinung betrifft.

Aber er hat sich gewandelt, merklich verjüngt und dem digitalen Zeitalter angepasst. Dort schwatzt er nun vor allem jüngeren Menschen seine Produkte auf und nennt sich zeitgemäß „Influencer“. Ihm hat Jan Böhmermann in der jüngsten Ausgabe seines ZDF Magazin Royale einen Beitrag gewidmet, aber als Denkmal taugt die Sendung eher nicht.

ZDF Magazin Royale: Influencer machen Reklame für Dubai

Dabei haben Jan Böhmermann und sein Headautor Markus Hennig sich eine Gruppe von Leuten vorgenommen, die im Netz begeistert Clips und Fotos aus Dubai posten. Sie sollen insgesamt sechs Millionen Follower haben, womit begründet wird, warum sich der Entertainer überhaupt des Themas annimmt. Es sind da Figuren dabei, die der typische ZDF-Zuschauer nicht kennen wird, ein Simon Desue zum Beispiel oder Vanessa Mariposa, Fiona Erdmann, Sami Slimani und Prinz Marcus. Sie geben an, nach Dubai ausgewandert zu sein und preisen die Schönheit und Freiheit des Wüstenstaates (der außer Wolkenkratzern und Shopping Malls übrigens nicht viel zu bieten hat).

Und sie tun das, so enthüllt Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale, weil sie zum einen dort keine Steuern zahlen müssen und sich zum andern in den Dienst des Emirates stellen. Indem sie Reklame machen und nichts sonst. Sie müssen eine Lizenz erwerben und sich dazu verpflichten, nur Positives zu berichten über einen Staat, der von einem Herrscher namens Mohammed Bin Rashid Al Maktoum regiert wird, der nicht bloß steinreich, sondern auch gewissenlos ist. So zeigt Böhmermann in seiner ZDF-Sendung ein Video mit einer Tochter des Scheichs, die aus seinem Reich zu fliehen versucht hatte und seither gefangen gehalten wird. Ihren Worten zufolge habe der Vater seine Schergen aufgefordert, sie „zu Tode zu prügeln“.

ZDF Magazin Royale: Jan Böhmermann wird zum politischen Aufklärer

Kein Wunder also, dass der Despot die nützlichen Idioten aus Deutschland für ihre Schönfärberei für dieses Regime auch noch mit Vergünstigungen wie einem „Taschengeld“ entlohnt, und keine Überraschung auch, dass die lebenden Litfaßsäulen davon kein Wort verraten. Jan Böhmermann aber profiliert sich immer mehr als politischer Aufklärer im ZDF – mit den Mitteln der Satire. In der Sendung zuvor hatte er über die Machenschaften der Agentur „Frontex“ berichtet, deren offizieller Auftrag es ist, Europas „Außengrenzen“ zu schützen, die in Wirklichkeit aber alles dafür tun, Fliehende aus Afrika abzuwehren und dabei vor kriminellen Methoden nicht zurückschrecken ­– ganz zu schweigen davon, dass sie mit den Banden libyscher Verbrecher zusammenarbeiten.

Diese „Küstenwache“ jagt die Migranten mit von der EU gestellten Speedboten und schleppt sie zurück in libysche Lager, wo ihnen Folter und Tod drohen. Diesen Szenen hat Böhmermann im ZDF Magazin Royale die salbungsvollen Worte einer blondierten Sprechpuppe gegenübergestellt: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht davon, dass „jedes menschliche Wesen eine feierliche Würde“ besitze. Drastischer kann man den Zynismus von EU-Politiker:innen nicht demonstrieren.

ZDF-Hauptprogramm mit Satire-Schwergewichten – „heute show“ bleibt zurück

Böhmermann hat seinen Aufstieg ins ZDF-Hauptprogramm mit solchen Beiträgen mehr als gerechtfertigt. Neben der „Anstalt“ ist sein „ZDF Magazin Royale“ und Christian Ehrings „extra drei“ eines der Formate, die zeigen: Satire ist, wenn man präzise recherchiert hat, was man auf die Hörner nimmt.

„ZDF Magazin Royale“ und „Heute Show“

ZDF, von Freitag, 12. Februar, ab 22.30 Uhr. Im Netz: ZDF Mediathek.

Das gilt in geringerem Maße auch für Oliver Welkes „heute Show“, die bisweilen die gleichen Themen wie Böhmermann beackert, diese aber auswalzt und oft mit arg kalauernden Inserts versieht. Welke läuft in seiner Revue der wöchentlichen Skandälchen und Skandale Gefahr, offene Türen einzurennen, und auch wenn er zu Selbstironie fähig ist („Sieht aus wie ein bescheuerter Sketch aus der Heute Show“, hieß es einmal in der jüngsten Folge) dann muss er doch vermeiden, dass die Zuschauer empfinden, was er an anderer Stelle bekannte: „Wir sind insgesamt viel zu bräsig“. (Daland Segler)

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