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„Viertel nach Welke“: Jan Böhmermann und sein Team liefern in Höchstform.
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„Viertel nach Welke“: Jan Böhmermann und sein Team liefern in Höchstform.

Sternstunde im Zweiten

So geht ZDF Magazin Royale! Jan Böhmermann nimmt sich den Springer-Verlag vor

  • VonMirko Schmid
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Jan Böhmermann liefert eine Sternstunde seines ZDF Magazin Royale und führt den Springer-Verlag genüsslich vor. Nicht gesehen? Nachholen! Die TV-Kritik.

Sag mal Böhmi, willst du mich eigentlich veräppeln? Ne, jetzt mal im Ernst. Letzte Woche langweiltest du uns mit diesem irrelevanten Vermögensberatungs-Blabla und dann das? Utilitarismus und so? Glück kann nur sein, wo zuvor Unglück empfunden wurde? Um das hier unverstellt vorwegzufeuern: wow, Digger. Just wow. Als jemand, der sich dein ZDF Magazin Royale Woche für Woche gibt, um anschließend seinen pseudointellektuellen Senf dazuzugeben, mag ich heute einfach mal den Hut ziehen. Ach was, ihn mir vom Kopf reißen. Ladys and Gentlemen, wir erleben die Sternstunde des Jan Böhmermann im Hauptprogramm des ZDF.

Und das auch noch sowas von meta. Mit welcher Einordnung sonst sollte man mit einer Folge des ZDF Magazin Royale klarkommen, die den eigenen Brötchengeber Hops nimmt? In der Jan Böhmermann sagt: „Dr. Dirk Ippen hat sich nicht getraut, die Skandalstory über den mächtigen und gefürchteten Axel-Springer-Verlag zu veröffentlichen“?

Aber bevor wir weiter darauf eingehen, muss der sowas-von-verdammt-richtige-und-wichtige Einstieg in diese Ausgabe deines feinen ZDF Magazins erwähnt sein. Jan Böhmermann sagt mit Blick auf die Corona-Fallzahlen da nämlich: „Ich bin einfach angepisst. Weil wir wegen der ganzen, vielen Ungeimpften wieder Shows ohne Publikum machen müssen.“ Und du sagst voller Verachtung: „Ja, aber spaltet die Gesellschaft. Spaltet die Gesellschaft.“ Und dann aus tiefstem Herzen: „Gespaltene Gesellschaft ist mir scheißegal, solange alle geimpft sind.“ Made. My. Day. Danke dafür.

Jan Böhmermann positioniert sich klar zu Corona, Impfungen und Weihnachtsmärkten

Doch damit nicht genug: „Dieses verdammte Corona-Virus hat Menschenleben gekostet, ganze Branchen ruiniert aber das war nur der Vorgeschmack auf das, was Deutschland jetzt bevorsteht. Wenn Menschen sterben, okay, meinetwegen. Wenn Menschen sterben, das macht nichts. Aber unsere Weihnachtsmärkte, unsere deutschen Weihnachtsmärkte, die dürfen nicht sterben.“ This! Du sprichst mir und ganzen Generationen aus dem Herzen. Generationen, die mit ansehen müssen, wie in Clubs nun 2G plus (!) Testpflicht gilt, während Ministerpräsident Volker Bouffier betont, dass für Gottesdienste keinerlei Vorgaben gelten.

Weil: Und jetzt wird es richtig frech, ja Kirche und Staat getrennt seien. Was, Volker Bouffier? Dein Ernst? Bist du nicht der, der uns an Karfreitag nicht tanzen lässt, also alle, weil wegen Kirche und so? Soviel zur Trennung. Und soviel dazu, wer dich wählt. Auf wen du angewiesen bist. Die Jungen sind es ganz offensichtlich nicht.

Sorry, das musste raus. Zurück zu Jan Böhmermann. Der nämlich filetiert im ZDF anschließend dermaßen bahnbrechend den Springer-Verlag und sein (heute zum Glück nicht mehr ganz so) viel verkauftes Blättchen mit den vier Buchstaben, dass dir das Herz aufgeht, wenn du denn eins hast. Und nicht selbst Verleger bist. Und mich nicht bezahlst.

Jan Böhmermann zerlegt im ZDF Magazin Royale Bild und Axel Springer

Als „Chefredakteur ZMR“ (Insider verstehen die Anspielung und ich danke dir dafür, lieber Jan Böhmermann) packt „Böhmi“ aus, dass schon Axel Springer himself seinem Nachbarn die Frauen weg heiratete und fertige Schmuckpäckchen an seine Gespielinnen schicken ließ. Dazu ein vorgedruckter Brief, dass es aufregend gewesen sei. Kommt uns das in diesen Zeiten bekannt vor? Sag ich nichts zu. Will diesen Text schließlich veröffentlicht haben.

Nur so viel (und das sage nicht ich, sondern irgendwer aus Böhmermanns bemerkenswert gut gespielter Runde „Viertel nach Welke“): „Davon kann man als Bild Chefredakteur heute nur träumen.“ Als Chefredakteur des Blatts also, das Böhmermann mal eben „Das Twitter der Generation Stalingrad“ nennt. Mehr davon! Es tut so gut. Und nachdem Bild-Handlanger Thomas Gottschalk kurz und sowas von passend als Skelett gezeigt wird, setzt Böhmermann hinterher: „Ist der Springerverlag publizistisch überhaupt noch relevant? Wenigstens für Witze reicht es zum Glück noch, oder was meint ihr?“ Ich meine: Dazu reicht es.

Aber nur witzig ist Springer eben nicht. Bill Kaulitz etwa lässt Jan Böhmermann beim ZDF-Magazin Royale mit einer bitteren Klage zu Wort kommen. Die Bild, so Kaulitz, erpresst dich, bis du lieferst. Aber sie lässt dich nicht vom Haken. Und zwar so lange, so Kaulitz, bis sie „dich irgendwann dann doch ficken.“ Seine Lösung: Einfach nicht mehr „mit denen“ reden. Ihnen nichts mehr geben. Und über ihren „Journalismus“ lachen. Stark.

Jan Böhmermann präsentiert: Seit die CDU raus ist aus den Koalitionsgesprächen, ist auch die Bild raus

Doch das gilt halt nicht für alle. Schon gar nicht für die CDU, die laut Johanna Haberer (Professorin für christliche Publizistik) zuletzt vor allem dadurch auffiel, dass die Durchstecherei aus diskreten Runden abrupt vorbei war, seit sie nicht mehr mit am Verhandlungstisch saß. Zufall, Zufall. Micaela Schäfer, mit am Tisch der Runde „Viertel nach Welke“ (sehr geile Persiflage übrigens auf den unlängst gefeuerten „Erfinder von viertel nach acht“), puncht raus: „Wer mit der CDU nach oben fährt, der fährt mit der CDU nach unten.“

„ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann

„Wie Cancel Culture Springer kaputt macht“, von Freitag, 19. November 2021, ab 23.00 Uhr. Im Netz: ZDF Mediathek.

Es kommt zu weiteren zitierfähigen Sternschnuppen der Abendunterhaltung beim ZDF Magazin Royale. Beispiele? Böhmermann: „Aber ist das dem Axel Springer Verlag nicht ein bisschen peinlich, wenn ihre Mitarbeiter für Nazis arbeiten?“ Alle lachen. „Moderatorin“ Carolin Worbs (übrigens in der Rolle ihres Lebens): „Wenn mich mein Chef im Paternoster begrapscht, ist das dann also ein Ausdruck des politischen Widerstands?“ Böhmermann: „Was denn sonst Caro, so hat man das bei Axel Springer seit Jahrzehnten gelebt.“

Und am Ende will es Jan Böhmermann dann noch einmal wissen: „Axel Springer muss wieder Back to the roots. Es müssen wieder Nachbarinnen weg geheiratet werden, vorgedruckte Sex-Grußkarten verschickt werden. Scheidungsurkunden fälschen muss wieder Alltag werden.“ An dieser Stelle sende ich einen Gruß an einen namenlosen Arbeitslosen irgendwo da draußen.

Diese Folge des ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann setzt Maßstäbe

Aber Jan Böhmermann kennt im ZDF ein Erbarmen: „Das muss legalisiert werden. Betriebsficks auf Farbkopierer na klar und stolz darauf sein. Kokain in der Betriebskabine. Why not, ja gerne. Und wenn die Polizei kommt, dann klärt der Springerverlag das Problem einfach direkt mit dem Bundesinnenminister auf dem kurzen Dienstweg.“

Sagte ich schon „wow“? Egal. Wow! Danke, lieber Jan Böhmermann, danke. Danke für diese Ausgabe deines Magazins. Und du, liebe Leserin, lieber Leser: Warum hast du eigentlich nicht längst aufgehört, mein Blabla hier zu lesen und da oben auf den Link zur Mediathek geklickt? Keine Ausreden. Mach! (Mirko Schmid)

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