Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jan Böhmermann ZDF
+
Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale: Jan Böhmermann zerlegt die „Männersache“ deutscher Film. (Screenshot)

TV-Kritik

Magazin Royale (ZDF) – Jan Böhmermann erklärt, warum der deutsche Film keine Frauensache ist

  • VonMirko Schmid
    schließen

Der deutsche Film ist männlich und kennt nur drei Rezepte. Stimmt das? Jan Böhmermann geht der Sache im ZDF Magazin Royale nach. Die TV-Kritik.

Frankfurt – Wenn man Jan Böhmermann und seinem ZDF Magazin Royale etwas nicht vorwerfen kann, dann ist es Berechenbarkeit. Draußen tobt der parteiliche Geschwisterzank zwischen CDU und CSU, da stichelt Söder gegen Laschet, da enttäuscht Joe Biden Menschen auf der Flucht an der Grenze zu Mexiko, da geht Deutschland in den „letzten Lockdown“ - und was macht Böhmermann zum Hauptthema?

Den deutschen Film. Und (bis auf wenige und gut gesetzte Seitenhiebe) nicht diejenigen Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich mit ihrer peinlichen „#allesdichtmachen“-Aktion ordentlich und verdient in die Nesseln gesetzt haben. Nein, Jan Böhmermann nimmt sich den deutschen Film als solchen vor.

Magazin Royale (ZDF): Jan Bühmermann zerlegt „Männersache“ des deutschen Films

Deutsche Filme funktionieren nach drei Rezepten. Jan Böhmermann zählt auf: „Rezept 1: Arschloch mit Herz aus Gold findet große Liebe. Rezept 2: Junge Leute kriegen tragische Diagnose und machen eine Reise. Und Rezept 3: Unser Deutsches Oscar-Kozept - Nazi, Weltkrieg, DDR.“ Treffer, versenkt. Abwechslungsreich ist das Ganze wie „ein Besuch im Sackmuseum Nieheim“.

SendungZDF Magazin Royale
ModeratorJan Böhmermann
SenderZDF
Ausgabe30. April 2021

Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale: Warum drehen sich so viele deutsche Filme um Männer?

Auch thematisch geht es rund im deutschen Kino. Dafür sprechen Filmtitel wie Männerhort, Männertag, Männersache, Männerherzen, Männerpension, Irren ist männlich, Irre sind männlich, What a Man, Mann tut was Mann kann, Da muss Mann durch, Männer wie wir und, naja, irgendetwas mit Männer halt. Ein Genuss ist es, wie Jan Böhmermann diese Filmtitel herrlich gelangeweilt verlesen lässt - von einer Frau.

Doch woran liegt das eigentlich, dass das deutsche Kino so versessen auf Männer ist? Wo bleiben Filme wie Frauenhort, Frauentag, Frauensache, Frauenherzen, Frauenpension, Irren ist weiblich, Irre sind weiblich, What a Woman, Frau tut was Frau kann, Da muss Frau durch, Frauen wie wir und, naja, irgendwas mit Frauen halt?

Erklärt es das Filmplakat des Filmes Männersache? Mit dem Volkskomiker, Feministen der Herzen und Politikexperten Mario Barth in der Hauptrolle? Was steht da noch mal genau drauf, lieber Jan Böhmermann? „Zwei Freunde, eine Frau - und die ist das Problem“. Okay. Danke. Und da das Fremdscham-Level noch nicht ganz ausgereizt ist, packt Böhmermanns Redaktion noch ein paar besonders aufgeklärte Zitate aus deutschen Filmen dazu.

Jan Böhmermann: Schweighöfer und Fitz wollen mehr Frauen in Hauptrollen - und besetzen sich selbst

Vielleicht können ja Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz weiterhelfen? Einspieler. Schweighöfer: „In Deutschland gibt es kaum Frauen, die sagen, ich zahle für diese Frau eine Kinokarte. Aber wiederum für die Männer - da geh ich rein.“ Und Fitz findet: „Die beste Mischung wäre, wenn die Frau die Hauptrolle wäre. Aber dafür seid ihr verantwortlich.“ Sein Finger zeigt auf die Kamera. Auf uns also. Auf das Publikum. Aber Moment, lieber Herr Fitz - stimmt das eigentlich?

Jan Böhmermann fasst die Worte der beiden Männerherzen so zusammen: „Das sexistische deutsche Kino, das habt ihr Frauen euch selber eingebrockt.“ Natürlich hätten Fitz und Schweighöfer nicht viel dafür tun können, in ihrem Film 100 Dinge (ihre feministischen Einlassungen stammen aus einem Interview der dazugehörigen Promo-Tour) eine Frau zur Hauptdarstellerin zu machen. Schließlich waren sie selbst ja nur Akteure. Und Drehbuchautor. Und Regisseur. Und Produzent. Und Co-Produzent.

Jan Böhmermann stellt fest: Der deutsche Film ist (und heißt) Männersache.

Jan Böhmermann stellt klar: Filme mit Frauen in den Hauptrollen erzielen Einnahmen

Satiriker Böhmermann kennt den wahren Grund für das deutsche Männerkino. Der freie Markt regelt, niemand will Frauen in Hauptrollen sehen. Das, so Böhmermann, zeigen ja die erschreckenden Einspielergebnisse von Filmen wie Frozen (1,28 Milliarden US-Dollar), Captain Marvel (1,13 Milliarden), Star Wars: Rogue One (1,06 Milliarden), Wonderwoman (822 Millionen) oder Die Tribute von Panem (694 Millionen). Ein Trauerspiel. Es fällt leicht, sich die schwitzigen Hände deutscher Filmproduzenten vorzustellen. Eine Frau in der Hauptrolle? Aber Thomas (Hans, Dieter, Markus), das will doch keiner sehen.

Auch Jan Böhmermann findet: „Viel zu riskant.“ Aber Moment, was ist das denn auf einmal für ein Zitat aus der „Zeit“, das er einblenden lässt? „Kinofilme mit einer weiblichen Hauptrolle spielen laut einer Studie mehr Geld ein als jene mit einem Hauptdarsteller. Böhmermann „will“ das nicht gelten lassen: „Ja, aber der deutsche Film ist Kunst und geht seine eigenen Wege.“ Nämlich die Wege der deutschen Filmförderung, die dem deutschen Film laut Böhmermann rund 400 Millionen Euro jährlich zuschießt.

ZDF Magazin Royale: Jan Böhmermann kritisiert die deutsche Filmförderung

Woher kommen diese Gelder doch gleich? Und warum bekommen deutsche Filme, obwohl „wir die engagiertesten und cleversten Schauspieler haben“ (Einblendung Jan Josef Liefers), eigentlich nie einen Oscar? Die Antworten: Unter anderem aus Steuern und Rundfunkgebühren und „es scheint oft so zu sein, dass der kleinste gemeinsame Nenner sich dann durchsetzt. Es sind sehr oft Projekte, die das reproduzieren, was ohnehin schon mal an der Kasse erfolgreich war“ (Filmjournalistin Ellen Weitstock).

„ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann

„Böhmermann schaut auf den deutschen Film“, ZDF, von Freitag, 30. April, ab 23 Uhr. Im Netz: ZDF Mediathek.

Und all das, damit bei der Produktion deutscher Filme, so Jan Böhmermann, „gar nicht erst so etwas wie ein kreatives Momentum entsteht oder - Gott bewahre sogar Innovation“. Anders gesagt: „Til Schweiger hat mit Keinohrhasen viele Leute in die Kinos gezogen. Dann wird es ihm wohl auch mit Zweiohrküken gelingen. Oder mit Dreiaugenhamster, Viernasenotter oder Fünfmundfisch.“ Geben Sie es zu, Sie würden für Fünfmundfisch ins Kino gehen.

Jan Böhmermann lädt sein Publikum ein, den Parteien im Wahlkampf ein Bein zu stellen

Der Chronistenpflicht dienend muss an dieser Stelle noch erwähnt sein, dass Jan Böhmermann ein paar ganz nette Parodien auf den deutschen Irrsinn Arbeit trotz Corona (schließlich meidet das Virus bekanntermaßen überfüllte U-Bahnen, damit alle sicher zum Arbeitsplatz kommen) gesungen hat. Musikalisch war das okay, inhaltlich hat man von ihm schon Besseres gehört. Und, dass Jan Böhmermann ein extrem wichtiges Thema wieder einmal ganz ans Ende seines Magazin Royale im ZDF verfrachtet hat.

Und zwar Mikro-Targeting politischer Parteien auf Facebook. Mikro-Was? Kurz erklärt: Das ist die Schnüffelei der Parteien nach Ihren Vorlieben im Internet. Und wenn diese Vorlieben auch nur annähernd zur Partei passen, die darauf folgende Belästigung mit Wahlwerbeslogans, Werbung und unerwünschten Nachrichten.

Jan Böhmermann und sein Team wollen die Mikrotargeting-Aktivitäten der Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl im Auge behalten. Keine schlechte Idee. Dazu bittet er sein Publikum um Mithilfe, konkret um die Installation eines Browser-Plugins. Das ist unter whotargets.me/de erhältlich und „ein gemeinnütziges Projekt britischer Programmierer“, wie Böhmermann erklärt. Sein vielversprechender Appell: „Je mehr mitmachen, desto fröhlicher wird das ZDF Magazin Royale im Herbst.“ (Mirko Schmid)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare