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Jan Böhmermann über die Grünen: „Verrat an den eigenen Idealen“
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Jan Böhmermann über die Grünen: „Verrat an den eigenen Idealen“

ZDF Magazin Royale

Jan Böhmermann rupft die Grünen: „Ideale für Macht verraten“

  • VonMirko Schmid
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Jan Böhmermann zeigt im ZDF Magazin Royale schonungslos auf, wie viel den Grünen ihre Ideale wert sind, wenn eine Regierungsbeteiligung winkt. Die TV-Kritik.

Man merkt, dass Jan Böhmermann aus Bremen kommt. Wäre er nämlich Hesse, dann wäre ihm im Vorfeld seines ZDF Magazin Royale am Freitag (26.11.2021) aufgefallen, dass er wieder einmal Wahrheiten ans Licht bringt, die längst einen Sonnenbrand haben. In Hessen nämlich hat sich nach inzwischen sieben quälenden Jahren Schwarz-Grün auch bis zum Letzten herumgesprochen, dass die Grünen in allererster Linie für einen einzigen politischen Inhalt stehen.

Falls ihnen jetzt das Wort „Klima“ vor Augen steht, sind auch Sie höchstwahrscheinlich kein Hesse. Denn die politische Daseinsberechtigung der Grünen speist sich, frei nach Al-Wazir und Wagner, in erster Linie aus einem: regieren. Und zwar um so dermaßen jeden Preis. In Hessen machen die Grünen daraus kaum noch einen Hehl. Oder wie sonst mag es erklärbar sein, dass die einst idealistische Partei noch immer am Rockzipfel einer CDU hängt, die einen Innenminister Beuth im Amt hält, dessen Amtszeit untrennbar mit einem Totalversagen im Bereich rechte Umtriebe in der Polizei verbunden ist?

„Die Grünen verraten für die Macht Ideale, aber wenigstens haben sie noch Ideale, die sie verraten können“, sagt Jan Böhmermann. Wer darin eine romantische Verklärung sehen mag, liegt goldrichtig. Denn ginge es den Grünen, gerade in Hessen, noch im Geringsten um ihre Ideale, dann würden sie mit Fackeln und Mistgabeln vor dem Innenministerium des Peter Beuth kampieren, statt ihm den Rücken zu stärken. Oder einfach in letzter, einmal kurz die Selbstverleugnung vergessender, Konsequenz den Koalitionsvertrag zerreißen. Und die bundesweit abschmierende CDU mal schauen lassen, mit wem sie nach der kommenden Landtagswahl eine Mehrheit für ihre Politik aus der Mottenkiste des Walter Wallmann schustern kann.

Jan Böhmermann über die Grünen: „Eine scheißnormale Partei, die Ideale und Wahlversprechen vergisst“

Aber nein, das tun sie nicht. Mantra: „Ohne uns wäre es noch schlimmer.“ Wo genau, fragt man sich. Und landet wieder bei Jan Böhmermann, der Boris Palmer, zumindest auf dem Papier ja bis heute ein Grüner, „die Banane der deutschen Politik“ nennt: „Hat mal grün angefangen, wurde dann immer gelber und ist jetzt schwarz, mit dicken braunen Stellen.“ Und der einer vor Überraschung schnappatmenden Öffentlichkeit endlich einmal erklärt, dass Ländle-Landesvater Kretschmann verkehrspolitisch in etwa so grün ist wie Andreas Scheuer, wenn Andreas Scheuer mal so richtig Andreas Scheuer sein dürfte.

Denn eigentlich ist das doch gar kein Aufreger mehr. Jan Böhmermann fragt im Hauptprogramm des ZDF: „Könnte es sein, dass die Grünen einfach nur eine scheißnormale Partei sind, wie alle anderen auch, die ihre Ideale und Wahlversprechen vergessen, sobald sie an der Macht sind?“ Und antwortet sich selbst: „Grüne Politik passt zu allem, wie ein schwarzes Top oder Ketchup.“

Und so lassen die Grünen ihre Wahlkämpferin Annalena Baerbock zur Migrationspolitik sagen: „Das muss der Maßstab für die nächste Bundesregierung sein, im Zweifel auf Humanität zu setzen und zu sagen: Wir haben Platz, wir können Menschenleben retten“ – nur um dann, so weiß es auch Jan Böhmermann, kraft ihrer Regierungsmacht in Hessen und Baden-Württemberg im Bundesrat dafür zu stimmen, „dass Flüchtlinge noch weniger Geld bekommen, als sie es ohnehin schon kriegen“.

Jan Böhmermann über Grüne in der Regierung: „Lauwarm und kompromissbereit“

Denn Grüne in einer Regierung, das ist nur noch auf dem Papier und im Wahlkampf der AfD ein Alptraum für Rechte. In Wirklichkeit, so fasst es Böhmermann sauber zusammen, lassen sich „die Grünen von ihren Koalitionspartnern rumschubsen wie ein Bobbycar im Autoscooter“. Oder stimmen gleich in vorauseilendem Gehorsam im Bundesrat dafür, dass Sauen für weitere acht Jahre grausam gequält werden dürfen. Kastenstand und Besitzstandswahrung für Schlachtbetriebe: So liest sich grüner Tierschutz heute.

Und so verwundert es auch nicht, dass die Grünen den Koalitionsvertrag der Ampel zu den „Gelben Seiten“ verkommen ließ, wie es der Spiegel passend schrieb. Dass die Klimaschutz-Verhinderer und Auto-Freunde der „Porsche-Partei“ (Böhmermann) FDP nun mittels Finanz- und Verkehrsministerium für mehr Brummbrumm und weniger Greta sorgen dürfen auf deutschen Autobahnen. Und das gleich auch noch subventionieren, so sie denn möchte. Oder, Jan Böhmermann? „Wenn man lauwarm und radikal kompromissbereit ist, dann klappt das natürlich auch mit der Ampelkoalition“, sagst du? Wusste ich‘s doch.

„ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann

„Die Grünen: Verrat an den eigenen Idealen“, von Freitag, 19. November 2021, ab 23.00 Uhr. Im Netz: ZDF Mediathek.

Jan Böhmermann „vergisst“ Grüne „Erfolge“ der Koalitionsverhandlungen

Was du vergessen hast, anzusprechen, lieber Jan Böhmermann: Mit Annalena Baerbock schicken wir erstmals eine Frau in die weite Welt, um uns als Außenministerin in Moskau, Washington D.C. und Budapest zu vertreten. Und um dort für unsere Ideale Rechtsstaat, Sozialstaat und Menschenwürde einzustehen. Moment, was? Vorher haben wir da sogar eine Kanzlerin hingeschickt, also sowas wie eine Ranghöhere? Erbsenzählerei. Grüner Erfolg.

Und hey, endlich, endlich, endlich darf mit Cem Özdemir jemand Minister werden, dessen Nachname so klingt, als ob wir seine Vorfahren als „Gastarbeiter“ ausgebeutet haben, nur um sie danach wie Menschen zweiter Klasse zu behandeln. Na gut, der darf sich jetzt zwar nur um Landwirtschaft kümmern (weil das viel wichtigere Umweltministerium aus reinen Kompetenzgründen an eine andere gehen musste), aber immerhin ist er nicht Anton Hofreiter. Nimm das, Jan Böhmermann. (Mirko Schmid)

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