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Das nur formal ungleiche Paar: Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz).
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Das nur formal ungleiche Paar: Christian (Jonas Nay) und Stella (Julia Koschitz).

"Schweigeminute", ZDF

James Dean im VW-Käfer

Das ZDF zeigt eine dritte, atmosphärische Verfilmung nach Siegfried Lenz, die sich weit von der Vorlage entfernt: „Schweigeminute“.

Auch „Schweigeminute“, nach „Die Flut ist pünktlich“ (2014) und „Der Verlust“ (2015) der dritte ZDF-Film auf einen Text von Siegfried Lenz, entfernt sich weit von der Vorlage. Atmosphärisch gelingt aber eine erstaunlich traurige Geschichte. Hätte das Drehbuchteam, zu André Georgi und Claudia Kratochvil noch Regisseur Thorsten M. Schmidt, das elegische Ende, um nichts Ärgeres darüber zu sagen, ein wenig abgekürzt, wäre es noch viel beeindruckender gewesen. Wollte man die Schlusssequenz hingegen rechtfertigen, könnte man sich zwar auf das zarte Alter der Erzählerfigur berufen, die auch im Film den Ton angibt. Aber Christians Vorbilder sind ja keine Schnulzen, vielmehr orientiert er sich an der herben und durchaus direkten Ansprache seiner norddeutschen Umgebung.

Gedreht wurde unter anderem auf Bornholm, das eine Ostsee präsentiert, die man in Westdeutschland wahrlich eine ganze Weile suchen müsste. Die weitgehende Zeitlosigkeit der Novelle, 2008 herausgekommen, wird im Film reizvoll aufgehoben, Dekor und Soundtrack weisen unverbindlich auf die späten fünfziger, frühen sechziger Jahre hin. Auch dass im Zusammenhang mit der Rückkehr der jungen Lehrerin Stella aus England ressentimentbeladen von den „Tommies“ die Rede ist, hat sich nicht Lenz ausgedacht. Es bleibt offen, ob das auch mit einem ländlichen Zeitstillstand zu tun hat. Das Vage daran stört jedoch nicht, im Gegenteil. Man hat den Eindruck, Schmidt bringe auf den Punkt, was Lenz-Leser in den späten Büchern dieses sympathischen Autors verspürten: Dass seine Figuren unausgesprochen aus der Gegenwart gefallen und in einer anderen Zeit beheimatet waren.

Oberprimaner Christian, braver, fleißiger Sohn eines Steinfischers – ein 1976 ausgestorbener Beruf, dem Lenz mit Melancholie ein kleines Denkmal setzt –, verliebt sich in seine Englischlehrerin, jene Stella. Sie sich auch in ihn. Jonas Nay und Julia Koschitz spielen das nur formal ungleiche, in Wahrheit schicksalhaft homogene Paar mit erheblicher Zurückhaltung – wie bereits in den vorangegangenen Lenz-Verfilmungen das Mittel der Wahl. Lenz-Menschen nehmen sich gar nicht so wichtig, aber sie wissen, was sie wollen. Es ist nicht die Liebe, die sie verunsichert, sondern – dies nun in deutlicher Abwandlung der Vorlage – der Druck der Umgebung.

Daraus ergibt sich übrigens die irritierende, aber auch attraktive Entwicklungslosigkeit des Films. Während das Drehbuch am laufenden Band mit Sticheleien, Gemeinheiten, Andeutungen kleine Hinweise auf Klatsch, Tratsch, gesellschaftliche Tabuzonen und mögliche daraus folgende Dramen gibt, passiert tatsächlich fast nichts. Letzteres ist im Buch auch so, das sich aber konsequenter als innerer Monolog während eben jener Schweigeminute für Stella darstellt.

In einer hinreißenden Szene lauert Christian Stella mit einem geliehenen VW-Käfer auf, aufgebrezelt als James Dean. In einer markerschütternden Szene besucht eine Schuldelegation die bei einem Segelunfall schwer verletzte Stella im Krankenhaus. Schmidt zeigt, wie die eben noch optimistische, freundliche, mit Geschenken und Rollenverteilung versehene kleine Gruppe begreift, dass eine Sterbende im Bett liegt. Sie verlieren kein Wort darüber, man sieht es in ihren Gesichtern.

„Schweigeminute“, ZDF, Mo., 20.15 Uhr.

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