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Schauspieler Daniel Craig (Archivbild).
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Schauspieler Daniel Craig (Archivbild).

Sexismus-Debatte

Sollte James Bond von einer Frau gespielt werden?

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Daniel Craig will für seine Nachfolge als James Bond keine Frau und keine Person of Colour. Die Debatte um die Rolle des britischen Agenten wird heftiger.

Los Angeles – Am 30. September 2021 startet „James Bond: Keine Zeit zu sterben“ in den Kinos. Es ist der fünfte und letzte Auftritt von Daniel Craig als Agent im Geheimdienst seiner Majestät. Viele Fans zeigen sich wehmütig über den Abschied von Craig, und es gibt wilde Spekulationen über seine Nachfolge.

Schon seit Bekanntwerden von Craigs Abschied vom Spion-Dasein gab es immer wieder Gerüchte und auch eine generelle Debatte darüber, ob es nicht an der Zeit sei, sich im James Bond-Universum diverser aufzustellen. Viele fordern, dass erstmals kein weißer Mann die Rolle von 007 übernehmen solle, sondern ein dunkelhäutiger Mann oder eine Frau.

Daniel Craig: „Warum sollte eine Frau James Bond spielen?“

Daher wurde der aktuelle James-Bond-Darsteller Daniel Craig in einem Interview mit der Zeitschrift Radio Times gefragt, ob er „eine diverse Person als seine Nachfolge“ unterstützen würde – wie eine Frau oder eine Person of Color. Craig antwortete: „Die Antwort darauf ist ganz einfach. Es sollte einfach bessere Rollen für Frauen und schwarze Schauspieler geben. Warum sollte eine Frau James Bond spielen, wenn es für eine Frau eine ebenso gute Rolle wie James Bond geben sollte?“

Diese Ansicht spiegelt die Äußerungen der ausführenden Produzentin des Bond-Franchise-Unternehmens Barbara Broccoli im Jahr 2018 wider. „Bond ist männlich. Er ist ein männlicher Charakter. Er wurde als Mann geschrieben und ich denke, er wird wahrscheinlich als Mann bleiben“, erklärte Broccoli.  „Und das ist in Ordnung. Wir müssen keine männlichen Charaktere in Frauen verwandeln. Lasst uns einfach mehr weibliche Charaktere erschaffen und die Geschichte an diese weiblichen Charaktere anpassen.“

Debatten sind rassistisch und sexistisch geprägt

Aussagen dieser Art hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. Man fühlt sich an die Debatte um den Liveaction-Adpation des Disney-Films „Arielle“ erinnert. Im neuen „Arielle“-Film wird die schwarze Schauspielerin und Sängerin Halle Bailey die Meerjungfrau verkörpern, und es hagelt rassistische Kommentare, denn die Meerjungfrau war im Trickfilm von 1990 weiß. Und vor Kurzem gab es einen Shitstorm, weil Marvel-Antiheld Loki in der neuen Disney+-Serie eine weibliche Variante hat.

Immer wieder wird bei der Abweichung vom Status Quo – männlich, weiß, heterosexuell – in der Repräsentation in Filmen oder Serien eine Diskussion angestoßen, sei es unter den Fans, aber eben auch unter Mitwirkenden der Branche. Natürlich haben diese Debatten auch Nuancen. Sie sind aber immer sexistisch und rassistisch eingefärbt.

„Besser, wenn James Bond von der Leinwand verschwinden würde“

Daniel Craig und Barbara Broccoli haben einen wichtigen Punkt angesprochen: Es müssen einfach bessere Rollen für Frauen und schwarze Schauspieler:innen geschaffen werden. Dagegen lässt sich nichts sagen. Aber durch ihre klare Aussprache gegen einen weiblichen James Bond geben die beiden auch zu: James Bond ist nicht zu retten. Denn die Figur des fiktiven Superspions, der mordet, Frauen sexuell übergriffig behandelt und niemals über Gefühle spricht, funktioniert nicht ohne seine toxisch männlichen Eigenschaften. Wie Broccoli schon sagt: „Er wurde als Mann geschrieben.“

Wenn James Bond ein sexistischer Macker war und ist, was bedeutet das für die nächsten Filme? Wie passt die Figur in die MeToo-Ära? Film- und Kulturwissenschaftlerin Marcy Goldberg findet, verändern könne man Bond gar nicht: „James Bond verkörpert nun mal diese toxische Männlichkeit.“ Christoph May vom Berliner Institut für Kritische Männerforschung geht noch einen Schritt weiter: „Es wäre eigentlich für alle besser, wenn James Bond von der Leinwand verschwinden würde. Er trägt nichts Positives zu unseren aktuellen gesellschaftlichen Problemen bei.“

Lashana Lynch wurde als James Bond-Nachfolgerin gehandelt

2019 schrieb der Guardian noch optimistisch, dass der nächste James Bond eine Frau und schwarz werde. Die Spekulationen bezogen sich auf Lashana Lynch, die in „James Bond: Keine Zeit zu sterben“ die Doppel-0-Agentin Nomi spielt. Vor einer Woche antwortete Lynch in einem Interview mit dem Guardian auf die Frage, ob sie der nächste James Bond sein wird, allerdings mit: „Ihr wollt mich nicht.“ Wenn man die Aussagen von Daniel Craig betrachtet, scheint sie recht zu haben.

Die Gerüchte, dass der nächste James Bond weiblich werden könnte, kamen nicht zuletzt daher, dass schon für „James Bond: Keine Zeit zu sterben“ die Autorin und Schauspielerin Phoebe Waller-Bridge verpflichtet wurde, um das Skript aufzupolieren und jünger und weiblicher zu machen.

Doch in den letzten drei Jahren, seit Daniel Craig seinen Rückzug als James Bond angekündigt hat, wurden mit Ausnahme von Lynch fast ausschließlich Männer als mögliche Nachfolger genannt. Tom Hardy („Venom“) wird hoch gehandelt, ebenso wie James Norton („Little Women“) und Luke Evans („Der Hobbit“). Immerhin sind zwei schwarze Männer im Rennen: „Bridgerton“-Darsteller Regé-Jean Page und Idris Elba („Luther“). (Sonja Thomaser)

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