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Der James-Bond-Film „No Time To Die“ mit Daniel Craig feierte am 28.09.2021 in London Weltpremiere.
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Der James-Bond-Film „No Time To Die“ mit Daniel Craig feierte am 28.09.2021 in London Weltpremiere.

Kino

„James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“ – Keine Zeit für Experimente

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Stilvoll und düster, wenn auch nicht allzu wagemutig verabschiedet sich Daniel Craig als 007 in „James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“.

„Du hast alle Zeit der Welt“, sagt Daniel Craigs James Bond einmal zu seiner von Léa Seydoux gespielten Freundin. 18 Jahre trennen den Schauspieler von der Schauspielerin im wirklichen Leben, aber auf der Leinwand wirkt der Abstand deutlich größer. Craigs kantiges Gesicht hat noch einige Furchen dazu bekommen, was Seydouxs makelloses Antlitz nur noch jugendlicher wirken lässt. Aber wer keine Zeit zum Sterben hat, der gönnt sich wohl auch sonst wenig Ruhe.

Was Bonds Worte, in denen Fans sofort Louis Armstrongs berühmten Titelsong von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ wiedererkennen, natürlich vor allem zu bedeuten hat: James Bond fühlt die Götterdämmerung nahen. Schwer, sich nach dem Ende der Dienstzeit ein privates Glück vorzustellen – auch wenn man als Schwerenöter endlich die Liebe seines Lebens gefunden hat.

„James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“: Daniel Craigs Abschied und Corona

Daniel Craigs Abschied von der Rolle seines Lebens ist lange bekannt, länger wahrscheinlich als Angela Merkels Abschied als Bundeskanzlerin (beide bekleiden ihre Ämter übrigens seit dem Herbst 2005). Und ebenso wie der Film von einem aufgeschobenen Finale handelt – nach seiner Entlassung aus dem Secret Service muss ihn der hilflose „M“ (Ralph Fiennes) noch einmal anheuern – ist er selber eines: Ursprünglich hatte Craigs letzter Auftritt bereits im November 2019 weltweit in die Kinos kommen sollen. Die Corona-Pandemie vereitelte dann alle späteren Starttermine.

Sieht man nun diesen über weite Strecken finsteren, ja vielleicht düstersten Bond-Film überhaupt, scheint er freilich förmlich für die Pandemie gemacht. Sogar eine hochinfektiöse Waffe bedroht die Menschheit – ein genbasiertes Gift, mit dessen Entwicklung sich der Secret Service selbst die Hände schmutzig gemacht hat. Nun ist es auch noch in fremde geraten. Sie gehören dem Musterbeispiel eines größenwahnsinnigen Bondschurken, dem von Rami Malek verkörperten Lyutsifer Safin.

„James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“: Nicht die Zeit zu scherzen

In einem brutalistischen Bunker fabriziert er den tödlichen Stoff auf einer einsamen Insel – und erkennt in seinem Gegenspieler gleich sein Alter Ego: „Lizenz zum Töten, eine Geschichte der Gewalt ... Es ist, als redete ich mit meinem Spiegelbild. Nur: Ihre Fähigkeiten werden mit Ihrem Körper sterben, während mich meine lange überleben werden.“ Da ist 007 allerdings anderer Ansicht: „Die Geschichte ist nicht freundlich zu Menschen, die Gott spielen.“

Es ist ein Dialog wie aus einem James-Bond-Film, und Regisseur Cary Joji Fukunaga ist gut beraten, solche Markenzeichen weitgehend ironiefrei einzusetzen. Ursprünglich hatte Danny Boyle diese Episode inszenieren sollen, möglicherweise wurde sein Stil dann doch als zu leicht empfunden. Wir sind in keinem Roger-Moore-Bond, und es ist offensichtlich nicht die Zeit zu scherzen.

James Bond-Regisseur Cary Joji Fukunaga ist in seinem Element

Keine andere Filmserie gibt es so lange und hat in ähnlicher Weise Rituale nebst Vorfreude über die Generationen weitergegeben. Vor allem die Eleganz einiger früher Szenen löst diese Erwartungen in durchaus beglückender Weise ein. Eine bestimmte Merian-Eleganz der Kinobilder scheint überhaupt nur in Bond-Filmen überlebt zu haben, und das liegt nicht nur daran, dass der Agent hier mal wieder den 1964er Aston Martin aus „Goldfinger“ durch italienische Landschaften steuert.

Die Exposition, in der Bonds spätere, aus dem Vorgängerfilm „Spectre“ bereits bekannte Geliebte als Kind dem maskierten Schurken begegnet, ist besonders spektakulär ausgespielt: Das Mädchen flüchtet vor dem Mörder ihrer Mutter auf einen zugefrorenen See, wo sie im dünnen Eis einbricht. Doch anstatt sie zu töten, zerschießt dieser nun das Eis, damit sie darunter auftauchen und sich retten kann. Fukunaga, der mit dem Arthouse-Film „Sin Nombre“ und der innovativen Krimiserie „True Detective“ bekannt wurde, ist hier in seinem Element.

Bonds Feinde sorgen für spektakuläre Verfolgungsjagd

Der Tabubruch, einen „Bond“ nicht mit einem Abenteuer des Helden zu beginnen, lohnt. Doch schon bald vermisst man solch emblematische Inszenierungen in der unerwarteten Wiederaufnahme eines Handlungsstrangs aus „Spectre“. Immerhin sorgen Bonds Feinde für eine spektakuläre Auto- und Motorrad-Verfolgungsjagd.

Zum Film

Keine Zeit zu sterben. GB/USA 2021. Regie: Cary Joji Fukunaga. Mit Daniel Craig, Rami Malek, Léa Seydoux. 163 Min.

Nach dem elegischen Titel-Song von Billie Eilish sind bereits fünf Jahre vergangen. Der Zeitsprung führt nach Kuba und schließlich zu einem Wiedersehen mit Christoph Waltz in der Rolle des schon von Ian Fleming erdachten Bond-Schurken Ernst Stavro Blofeld. Leider hält man den Strafgefangenen wie einen Hanibal Lecter in einer Glasbox fest, was sich auch nachteilig auf Waltz’ Spielfreude auszuwirken scheint. Welcher Schurkendarsteller spielt schon gerne die zweite Geige?

„James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“: Bond-Boys statt Bond-Girls?

Die erste gehört, wie gesagt, Rami Malek als Herrscher über eine geheimnisvolles Insel, die auf einer ehemaligen Militärbasis zwischen Russland und Japan nicht nur ein Chemielabor beherbergt. Production Designer Mark Tildesley entwarf auch noch einen todschicken japanischen Kräutergarten für den distinguierten Schurken. Das Ensemble ist eine deutliche Hommage an den legendären Bond-Filmarchitekten Ken Adam, was dem letzten Filmdrittel des Films eine klassische Note geben könnte. Leider erinnern die Kämpfe, die der Agent in dunklen Bunker-Treppenhäusern auszutragen hat, eher an Ego-Shooter-Spiele.

Aber nicht nur die Schurken gibt es erster und zweiter Garnitur. Schamlos haben Bonds Londoner Vorgesetzte die Nummer des ehemaligen Agenten neu vergeben. Lashana Lynch gibt hier ihr Debüt als neue 007, hat jedoch wenig Gelegenheit sich wirklich zu profilieren. Man darf gespannt sein auf die erste Hauptrolle einer weiblichen Bond – und ob es dann auch Bond-Boys statt Bond-Girls geben wird. Einstweilen jedoch gilt es das Ende einer Ära zu zelebrieren. Nicht auf dem allerhöchsten Niveau, aber stilvoll und traditionsbewusst genug, um für die lange Wartezeit zu entschädigen. Kein Bond-Film wurde wohl sehnlicher erwartet. (Daniel Kothenschulte)

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