Günther Jauch hat 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz Zeitzeuginnen geladen.
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Günther Jauch hat 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz Zeitzeuginnen geladen.

"Günther Jauch", ARD

70 Jahre nach Auschwitz

  • vonKatja Tichomirowa
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Auschwitz - kein einfaches Thema für eine Talkshow. Doch es scheint Günther Jauch ein Anliegen zu sein. Zeitzeugen kommen ausführlich zu Wort.

„Es ist schwer, jemandem zu erklären, was man damals im KZ gefühlt oder gedacht hat“, sagt Eva Erben. Versucht hat sie es dennoch, ebenso wie Margot Friedländer. Beide taten das nicht zum ersten Mal. Sie haben Schulen besucht, vor Jugendlichen über ihre Zeit in Theresienstadt und Auschwitz gesprochen. Am Sonntagabend aber sprachen sie wohl zum ersten Mal vor einem Millionenpublikum in der Sendung von Günter Jauch.

Evan Erben, eine tschechische Jüdin, 1930 in der Nähe von Prag geboren, wurde mit ihrer Familie 1941 nach Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert. Ihr Vater starb in Dachau, die Mutter auf dem Todesmarsch Richtung Westen, auf den beide 1945 geschickt wurden. Margot Friedländer, eine Berlinerin, Jahrgang 1921, konnte sich bis 1944 vor ihren Häschern verstecken und erlebte die Befreiung 1945 in Theresienstadt. Ihre Eltern und ihr jüngerer Bruder wurden in Auschwitz ermordet.

Beide Frauen wären unter uns aufgewachsen und mit ihren Familien alt geworden, wäre die Mehrheit der Deutschen nicht zwischen 1933 und 1945 Adolf Hitler und seinen Ideen gefolgt. Heute lebt Eva Erben in Israel, Margot Friedländer ist nach Jahrzehnten, die sie mit ihrem Mann in den USA lebte, nach Berlin zurückgekehrt.

70 Jahre sind seit der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vergangen und die Sendung trug den Titel „Mein Leben mit Auschwitz – das Vermächtnis der letzten Überlebenden“. Glücklicherweise folgte sie ihm nicht. Auschwitz wird nicht, wie der Titel der Sendung vielleicht glauben machen könnte, mit den letzten Überlebenden aus der deutschen und europäischen Geschichte verschwinden.

Das machte der Gast des zweiten Teils der Sendung deutlich. Gerhard Wiese wurde 1962 dritter Staatsanwalt im ersten Auschwitz-Prozess. Er erinnerte daran, dass zu den Zeitzeugen auch die Täter gehörten. Nur musste lediglich ein Bruchteil von ihnen jemals Zeugnis ablegen. Zweiundzwanzig standen im ersten Prozess in Frankfurt vor Gericht und auch das nur, weil ein Einzelner, Fritz Bauer, damals Generalstaatsanwalt in Hessen, dafür gesorgt hatte.

Jauch muss dieser Abend ein Anliegen gewesen sein. Nicht nur war die Sendung gut vorbereitet, er war es auch. Die zwei Zeitzeuginnen wollten reden, sie konnten es und vor allem durften sie es auch. Das ist mehr als man von einer Talkshow erwarten konnte.

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