1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

„Jagdsaison“ - Drei Frauen auf Crashkurs

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Jagdsaison
Entspannt im Whirlpool: Eva (Rosalie Thomass, l-r), Marlene (Marie Burchard) und Bella (Almila Bagriacik ) © TOBIS Film GmbH/dpa

„Jagdsaison“ erzählt von drei Frauen, die nach einigem Ärger wohl so etwas wie Freundinnen werden. Bis dahin stehen sie gemeinsam Männerprobleme, einen Jagdunfall und Intimwaxing durch. Ehrlich jetzt?

Berlin - Dass sich auch Frauen auf der Kinoleinwand mittlerweile hart daneben benehmen können, ist natürlich eine gute Sache. Ein Beispiel ist die neue Komödie „Jagdsaison“. Eva (Rosalie Thomass) arbeitet im Finanzamt und hat eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Als sie ein Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter sucht, schlägt ihr der Verkäufer ein ferngesteuertes Auto vor. Das mache auch „dem Papa“ Spaß, meint der Verkäufer.

„Der Papa, der hatte schon genug Spaß“, antwortet Eva im Spielzeugladen. „Der kann sich seine Geschenke selber kaufen. Der Papa hat nach elf Jahren Ehe beschlossen, dass er eine spirituelle Atempause braucht, um dann erstmal eine 15-Jährige zu vögeln.“

Beziehungsfragen und Seitensprünge

Etwas älter ist die neue Freundin ihres Ex-Partners dann doch, vor allem aber steht sie im Laden plötzlich vor ihr: Bella (Almila Bagriacik) will unbedingt eine gute Beziehung zu Evas Tochter aufbauen. Zwischen beiden entsteht ein Konkurrenzkampf, in den sich auch Evas beste Freundin Marlene (Marie Burchard) verwickeln lässt.

Marlene freundet sich nämlich nicht nur hinter Evas Rücken mit Bella an, sondern hat auch ein anderes Problem: Sie hat sich fremdverknallt und überlegt, ob sie ihren Mann betrügen soll. Bella findet einen einmaligen Seitensprung eine gute Idee, Eva hält davon dagegen nichts. Zu dritt unternehmen sie schließlich einen Kurztrip, um Marlenes möglichen Lover bei einem Jagdausflug zu besuchen.

Das Ganze eskaliert dann zwischen Whirlpool, Hotelzimmer und Waldbesuch. Im Film fallen Witze über die männliche Vorhaut, Bleichcremes und manche andere Dinge. Das Enthaaren des Intimbereichs wird nicht nur zur vermeintlich feministischen Stilfrage - soll man, soll man nicht? -, sondern auch als großer Freundschaftsmoment inszeniert. „Wir haben uns zusammen Ohrlöcher stechen lassen“, sagt Eva, „also lassen wir uns auch zusammen die Matte roden“.

Man kann dem Film zugutehalten, dass er weiblichen Hauptfiguren die Chance gibt, das Niveau mal ordentlich zu senken. Letztlich findet man in den anderthalb Stunden aber vor allem viele Klischees. Auch bei der Darstellung, was Frauenfreundschaft angeblich ausmacht. Darauf einen Prosecco.

Der Film „Jagdsaison“, der auf einer dänischen Vorlage basiert, wurde unter anderem in Berlin, Werder und Wangels gedreht. Unterlegt ist er mit ziemlich viel Retromusik von Roxette bis Tic Tac Toe. Regisseur Aron Lehmann hatte mit „Das schönste Mädchen der Welt“ einen überraschend schönen Film vorgelegt. „Jagdsaison“ kommt da nicht ran, findet aber vermutlich trotzdem ein Publikum.

Jagdsaison, Deutschland 2022, 90 Min., FSK ab 12 Jahren, von Aron Lehmann, mit Rosalie Thomass, Almila Bagriacik, Marie Burchard, Golo Euler und August Wittgenstein dpa

Auch interessant

Kommentare