Anja Kling als Kommissarin mit übersinnlichen Fähigkeiten.
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Anja Kling als Kommissarin mit übersinnlichen Fähigkeiten.

Sat.1-Krimi-Kritik

Die Irre und das Böse

Mit dem Pilotfilm „Hannah Mangold & Lucy Palm“ gibt Sat.1 eine passende Antwort auf die vielen Frauenkrimis. Zwei ungleiche Kriminalistinnen müssen gemeinsam ihren ersten Fall lösen.

Von Klaudia Wick

Nachdem Sat.1 in der letzten Woche die Erfolgsserie der Neunzigerjahre „Wolffs Revier“ reanimiert und Darsteller Jürgen Heinrich als abgewrackten tablettensüchtigen Einzelkämpfer wieder auf Quotenjagd schickte, gibt Anja Kling nun als traumatisierte Ermittlerin ihren prominenten Einstand.

Ihre Hannah Mangold, so die eingangs skizzierte Vorgeschichte, wäre beinahe innerlich an dem Schuldgefühl zerbrochen, den Tod einer jungen Frau nicht verhindert zu haben. Nach einem elfmonatigen Klinikaufenthalt wird sie entlassen. Mit den Angstzuständen, die Hannah immer noch unvermittelt überfallen, wird die ehemals so erfolgreiche Dienststellenleiterin künftig leben müssen.

Ins Team mit der "Irren"

Deshalb fängt sie in der Polizeihierarchie wieder ganz unten an: Im einfachen Dienst und ohne Waffe, aber ausgestattet mit der übersinnlichen Fähigkeit, in Ausnahmesituationen das Böse zu ahnen.

Das wiederum beeindruckt die aufstrebende Lucy Palm (Britta Hammelstein), die zunächst gar nicht begeistert war, mit der „Irren“ in ein Team beordert zu werden. Gemeinsam müssen die beiden ungleichen Frauen nun ihren ersten Fall lösen.

Antwort auf wohltemperierte Krimi-Ladys

Regisseur Florian Schwarz, der mit Autor Michael Proehl schon oft ein kreatives Duo gebildet hat, bedient sich in seiner Inszenierung aller genretypischer Mittel, die eine dichte Atmosphäre erzeugen können. Die Kamera bewegt sich subjektiv und ruhelos durch die Szenerie, der Schnitt akzentuiert die ohnehin sprunghafte Geschichte mit Auslassungen und dräuenden Ruhemomenten.

Es wäre zu einfach, diesen sensationellen Film auf das strategische Maß eines „Frauenkrimis“ zu reduzieren, aber natürlich ist „Hannah Mangold & Lucy Palm“ auch als Antwort auf die vielen wohltemperierten Krimi-Ladys zu verstehen, die vor allem das öffentlich-rechtliche Unterhaltungsfernsehen hervorgebracht hat.

Wolff oder Hannah?

Die Doppelprogrammierung mit „Wolff – Kampf im Revier“ ist im Übrigen auch ein strategischer Versuchsballon. Beide Pilotfilme haben das Potenzial, dauerhaft als Reihe weitergeführt zu werden.

Nur ist noch nicht ausgemacht, mit welcher Tonalität das Sat.1-Publikum mehr anfangen kann: Mit dem raubeinigen Wolff, der nach dem Schimanski-Muster jenseits alle Dienstvorschriften die Bösen jagt. Oder mit der äußerlich ausgebrannten und innerlich unter Strom stehenden Hannah Mangold, die dem Bösen nicht hinterherjagt, sondern in den Kopf schaut.

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