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James Bond war Roger Moore, gleichgültig, wer dem britischen Schauspieler nachfolgen sollte.

Roger Moore

Mit ironischer Noblesse

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Der britische Schauspieler Roger Moore, der aristokratischste und bestgekleidete unter den James-Bond-Darstellern, ist mit 89 Jahren gestorben.

Es war in den schrillen 70er Jahren, als Roger Moore die Lizenz für die Rolle seines Lebens erhielt. Um ihn herum tauchte die Popkultur in bunte Farben, Drogen und psychedelische Delirien ab, aber er kam im Dienste seiner Majestät stets tadellos im schwarzen Anzug und Krawatte und nicht selten im Smoking daher: Wer in dieser Zeit fürs Kino sozialisiert wurde, für den war Roger Moore auf ewig James Bond – und James Bond war Roger Moore, gleichgültig, wer dem britischen Schauspieler  nachfolgen sollte.

„Leben und sterben lassen“, „Der Mann mit den goldenen Colt“, „Der Spion, der mich liebte“, „Moonraker“, „In tödlicher Mission“, „Octopussy“ und „Im Angesicht des Todes“, das waren die Einsätze als 007, die Moore mit jener gewissen ironischen Noblesse und auch blasierten Abgeklärtheit absolvierte, die man schon zuvor von ihm kannte: Ja, konnte dieser 1927 in Stockwell geborene Gentleman eigentlich anders wirken, als käme er mit seinem süffisanten Lächeln und dem stets ausgewogen gebräunten Teint von woanders her als von einer Cocktail-Party? Böse Zungen behaupten hartnäckig, Roger Moore sei einer der bestbezahlten Kleiderständer in Film und Fernsehen.

Was stimmt, und auch wieder nicht. Ohne Frage war die Bandbreite seines mimischen Repertoires bescheiden, aber diese beherrschte er gut. Schon in der Fernsehserie „Simon Templar“ kam es mindestens ebenso auf das Auto an, das er in der Rolle des geläuterten Großschurken fuhr (einen weißen Volvo P 1800), wie auf die Sätze, die Roger Moore sprach. Im Fall der Serie „Die Zwei“ war der deutschen Synchronfirma die Werktreue zur Moore’schen Prosa sogar derart gleichgültig, dass sie ihm und seinem Partner Toni Curtis Witze in den Mund legten, die sie im Original niemals gerissen hatten. Beim deutschen Publikum entstand so das Missverständnis, dass Moore auch ein großer Komiker sei.

Schon vor seinem ersten Auftritt als James Bond“ 1973 in „Live and let die“ hatten die Produzentenlegenden Albert Broccoli und Harry Saltzman ein Auge auf Moore geworfen. Seine etwas hüftsteife Art, die blauen Augen und die britisch-steife Oberlippe waren der perfekte Gegenentwurf zu Sean Connery, der die ersten Abenteuer des hyperaktiven Agenten auf der Leinwand bestritten und dabei großen Eindruck gemacht hatte: Wo Connery derb und auch in Liebesdingen nie zimperlich zu Werke ging, blieb Moore sowohl in erotischer wie in kämpferischer Hinsicht Aristokrat. Man durfte Sorge haben, dass er sich bei einem Kinnhaken gegen den Beißer die Hand verstauchte.

Allerdings wäre es ungerecht, Roger Moores Fernseh- und Kinokarriere allein auf die Bond-Filme zu begrenzen. Noch während er als 007 bei Broccoli und Saltzman verpflichtet war, spielte er auch zahlreiche andere Rollen: Vom Katastrophenschocker „Gold“ bis zum Kriegsfilm „Die Wildgänse kommen“, von der Komödie „Auf dem Highway ist die Hölle los“ bis zum Actionspektakel „Sprengkommando Atlantik“ reichte das Panorama seiner Filme, und als er in dem Psychothriller „Ein Mann jagt sich selbst“ in einer Doppelrolle als biederer Angestellter und als Rüpel zu sehen war, da bewies er seinen Verächtern, dass er nicht nur als Frauenheld, Abenteurer und Snob überzeugte.

Auch spielte er Theater, unter anderem unter der Regie von Kenneth Branagh im Londoner Westend, doch dass man ihn sein Leben lang vor allem mit Sätzen wie „Geschüttelt, nicht gerührt“ assoziierte, war er auch ein wenig selber schuld: Seine Autobiografie betitelte er „My Word is my Bond“ (in Deutschland als „Mein Name ist Bond … James Bond“ erschienen), und zum 50. Jahrestag der Kinopremiere war er es, der dem Agenten eine Hommage widmete.

Dass einer wie Moore, der so elegant den Smoking zu tragen verstand, gern gesehener Gast auf zahlreichen Filmpartys war, versteht sich von selbst, aber auch bei einem halbwegs seriösen Preis wie den Golden Globes konnte er bestehen. Moore wirkte bei gesellschaftlichen Anlässen nicht sehr viel anders als in vieler seiner Leinwandrollen, bloß die Fäuste hat er da nie geschwungen. Zuletzt hat diesem Lebenskünstler offenbar ein Krebsleiden den Alltag schwer gemacht – im Alter von 89 Jahren ist er nun gestorben, wie die Familie mitteilt.

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