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Oh, da ist ein Arm schon ganz durchsichtig geworden: Ruby M. Lichtenberg als Sue.

Filmstart

„Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar“ im Kino: Wunder aus dem Labor

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„Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar“ ist ein spannender deutscher Superheldin-Film.

Das ist mal ein schönes Beispiel. Nach Erfolgsgeschichten wird gern gefragt, hier ist eine: Der Film „Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar“ entstand im Rahmen der Initiative „Der besondere Kinderfilm“, die seit 2013 versucht, eigene Geschichten für das junge Publikum hierzulande zu finden und zu fördern. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen, die Filmwirtschaft, Förderungen des Bundes und einiger Länder sowie der Politik stecken da drin. Laut Ausschreibung soll „Der besondere Kinderfilm“ ein dramaturgisch und handwerklich gut erzählter Film sein, der im Hier und Jetzt spielt.

Nachdem die anderen vier Produktionen jede für sich schon überzeugten, zuletzt „Unheimlich perfekte Freunde“, haben wir es bei „Invisible Sue“ mit einem ganz besonderen Fall zu tun. Denn dieser Film nimmt es mit großen Vorbildern auf, scheut nicht den Vergleich mit der internationalen Konkurrenz. Es geht nämlich um eine Superheldin.

Das wird schon klug eingeführt. Die etwa zwölf Jahre alte Sue (offiziell Susanne) liebt Comics, besonders die Geschichten um „Super Moon“, und wirkt neben den sich älter schminkenden aufgeregten Mitschülerinnen unschein-, fast unsichtbar. Die Lehrerin vergisst sie schon mal im Raum, die Mutter möchte sie auch lieber übersehen, steckt sie doch leidenschaftlich tief in einem Forschungsprojekt als Neurobiologin. Allerdings hätte sie besser aufpassen sollen, was Sue bei einem Überraschungsbesuch in ihrem Labor so treibt, denn anschließend wird das Mädchen wirklich unsichtbar. Das ist ein Unfall. Während die Mutter noch über die Konsequenzen nachdenkt, nimmt eine abenteuerliche Geschichte ihren Lauf.

Die Handlung hat viele schnelle Wendungen, denn Sues Verwandlung bleibt nicht einfach nur ein Spaß. Sie ist nun eine Art Medium für ein Superserum, nach dem Wissenschaftler schon ewig suchten. Offenbar ohne Ethikrat, aber mit großem wirtschaftlichen Interesse dahinter, waren die Wissenschaftler im Labor von Sues Mutter kurz vor dem Durchbruch. Im Film bleibt lange unklar, wer auf welcher Seite steht.

Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar. Dtl./ Lux. 2019. Regie und Drehbuch: Markus Dietrich. 95 Min. FSK: ab 6.

Auf jeden Fall halten App und Tobi zu ihr. App (offiziell Kaya) hat sich wegen ihrer Technikleidenschaft bisher von den anderen Schülern ferngehalten. Alltagskram interessiert sie nicht. Dafür kann sie Sue mit einer Kameraüberwachung per Drohne helfen, kundschaftet Sicherheitssysteme aus und motzt Autos auf. Für das Fahren in brenzligen Situationen zuständig ist Tobi, der Neue an der Schule, der noch nicht mitbekommen hat, dass Sue nicht zu den Angesagten gehört. Erst bekommt er Applaus für BMX-Kunststücke, dann organisiert er die Flucht vor Sues Häschern. „Kennt ihr E.T.?“, will er einmal von seinen neuen Freunden wissen.

Das ist eine gute Frage, denn der Film wendet sich an ein junges Publikum, das mit dem Bewusstsein aufgewachsen ist, dass technisch alles möglich ist – wenigstens auf der Leinwand oder einem wie auch immer gearteten Screen. Drehbuchautor und Regisseur Markus Dietrich lässt die Ideen nur so purzeln, wenn Sue sicht- und unsichtbar wird, wenn Sperren zu überwinden sind und Kommunikationsmöglichkeiten gesucht werden. Manches wirkt nicht gerade logisch. Aber Rätsel gehören zu jedem Superheldenfilm. Mit Erzählmustern, Szenen- und Kostümbild sowie der Musik bewegt sich „Invisible Sue“ souverän zwischen Genre-Klischees und originären Einfällen. Ein Hologramm als geheimer Ratgeber zum Beispiel ist wie aus einer anderen Geschichte ausgeliehen.

Die drei jungen Darsteller agieren hervorragend zusammen. Sie sprechen glaubhafte Sätze, oft mit schrägem Humor. Die Mädchen sind sich so unähnlich, dass ihre Freundschaft echt wirkt, von Neugier getrieben. Zwischen Sue und Tobi beginnt es derweilen zu knistern. Die Kinder bewegen sich so, wie man sich eben benimmt, wenn man einen Haufen Gegner überlistet, mal wendig, mal hektisch. Wobei, und auch das ist eine Qualität, die Erwachsenen ernstzunehmende Kontrahenten sind, keine Witzfiguren.

In der Ausschreibung für den „Besonderen Kinderfilm“ heißt es: „Die erzählten Geschichten haben Tiefgang und Relevanz“. Auftrag erfüllt, kann man da nur sagen.

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