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Léonora (Clémence Poésy, li.) und Damien (Pio Marmaï, re.) brauchen Philippe Dayans (Frédéric Pierrot, Mi.) Hilfe: Sollen sie ihr ungeborenes Kind behalten?
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Léonora (Clémence Poésy, li.) und Damien (Pio Marmaï, re.) brauchen Philippe Dayans (Frédéric Pierrot, Mi.) Hilfe: Sollen sie ihr ungeborenes Kind behalten?

TV-Kritik

„In Therapie“ (Arte): Eine ganze Welt in Verunsicherung

  • vonHans-Jürgen Linke
    schließen

Auf Arte startet die erstaunlich intensive französische Serie „In Therapie“ - ein erstaunliches Werk in 35 Teilen.

  • Arte zeigt eine bemerkenswerte neue Serie in 35 Teilen.
  • „In Therapie“ ist eine erstaunliche Kammerspiel-Serie, die aus insgesamt 35 halben Stunden besteht. 
  • Eric Toledano und Olivier Nakache haben mit der Hilfe der intensiven Kunst von Schauspielerinnen und Schauspielern ein eindringliches Werk geschaffen.

Ein Mann sitzt in seinem Sessel. Er hört freundlich und genau zu, was die Leute ihm gegenüber auf dem Sofa sagen, antwortet bestätigend oder kontrovers und immer voll souveräner Nachdenklichkeit. 

Die auf dem Sofa liefern den Stoff und treiben die Handlung voran. 

Das klingt nicht gerade nach einem Action-Film. Dennoch ist die Ereignisdichte der Serie „In Therapie“ dramatisch. Man muss nur, wie der Mann im Sessel, genau hinhören.

„In Therapie“ (Arte) ist eine erstaunliche Kammerspiel-Serie

Auf den ersten Blick geht es um eine Serie therapeutischer Sitzungen. Der Mann im Sessel ist der Psychoanalytiker Philippe Dayan, gespielt von Frédéric Pierrot. Ariane (Mélanie Thierry), die junge Frau auf dem Sofa in der ersten Folge, leidet offenbar unter einem Trauma. Sie ist Chirurgin und gehörte zum medizinischen Team in der Notaufnahme einer Klinik im XI. Arrondissement an jenem berüchtigten 13. November 2015, als Terroristen an mehreren Stellen in Paris Massenmorde begingen, für den inzwischen der Name des Kulturzentrums Bataclan zum Emblem geworden ist. Aber Ariane hat noch ganz andere Dinge im Kopf als ihre posttraumatische Störung. 

Am nächsten Tag kommt der Polizist Adel Chibane, der zum Sondereinsatzkommando im Bataclan gehörte und seitdem unter Panikattacken leidet. 

Die sechzehnjährige Leistungssportlerin Camille und das Ehepaar Leonora und Damien immerhin scheinen ganz anders gelagerte Probleme zu haben. 

Philippe Dayan aber reagiert emotional irritiert auf seine Patienten und konsultiert seine ehemalige Lehranalytikerin Esther (Carole Bouquet), die er seit zwölf Jahren nicht mehr gesehen hat. Was die beiden dann (in Folge fünf) gemeinsam durchmachen, ist beileibe keine rein professionelle Supervision und rührt eine heftige, trübe Wolke von neuen oder auch älteren Problemen und Konstellationen auf. 

Soweit der Inhalt der ersten fünf Folgen dieser erstaunlichen Kammerspiel-Serie, die aus insgesamt 35 halben Stunden besteht. 

In der Serie „In Therapie“ (Arte) entfaltet sich ein gesellschaftliches Panorama

Meist im Sitzen, manchmal im Hin-und-Her-Gehen oder Aus-Dem-Fenster-Schauen entfaltet sich in raffiniert gebauten, atemberaubend gehaltvollen, verwickelten Erzählungen, Fragen, Geständnissen, Deutungen, widerstreitenden emotionalen Reaktionen, Anfällen von Abwehr und Wut, Misstrauensbekundungen, Kommentaren und Patzigkeiten ein gesellschaftliches Panorama.

Das Maß der allgemeinen Verunsicherung ist enorm. Die Verunsicherung ist wirkungsvoll und umfassend. Sie ist an vielen Stellen in das Leben der Menschen eingedrungen, schüttelt sie durcheinander, produziert und nährt Konflikte. Keiner scheint die Welt und die eigene Position darin noch zu verstehen. Und das ist nicht erst eine Folge des IS-Terrors in Frankreich

Zur Sendung

„In Therapie“, Arte, ab Donnerstag, 4. Februar, 21.50 Uhr. Im Netz: Arte +7 

„In Therapie“ (Arte) entwirft ein weit verzweigtes Bild aktueller Lebensweisen in Zentraleuropa

Eric Toledano und Olivier Nakache haben mit der Hilfe der intensiven Kunst von Schauspielerinnen und Schauspielern ein eindringliches Werk geschaffen, das in jeweils halbstündigen Gesprächssituationen ein weit verzweigtes und tief wurzelndes Bild aktueller Lebensweisen in Zentraleuropa entwirft, in dem der Therapeut selbst nicht weniger ratlos und therapiebedürftig ist als alle anderen.

Und weil alle 35 Folgen schon in der Mediathek zu finden sind, kann man frei wählen, ob man lieber einzelne Personen und ihre therapeutischen Gespräche durch die Zeit verfolgt oder ob man lieber Philippe Dayans Erlebnisweise wöchentlicher Sitzungen (samt Cliffhanger) mit ihnen nachvollzieht. (Hans-Jürgen Linke)

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