Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Leon Gast 2008 in Hollywood.
+
Leon Gast 2008 in Hollywood.

Nachruf Leon Gast

In alltäglicher Stille

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
    schließen

Zum Tod des Filmemachers Leon Gast, der beschreiben und verstehen wollte.

Obwohl es sich bei seinen bedeutendsten Werken um dichte Personenporträts handelt, wirken diese oft wie Naturfilme. Lange Einstellungen, tonlose Annäherungen – wie eine Beute umkreist die Kamera jene Protagonisten, die das Glück hatten, in den Fokus von Leon Gasts filmischen Expeditionen geraten zu sein. Und so wurden die Dokumentarfilme über den Basketballspieler Kobe Bryant, den Bluesmusiker B. B. King, die Boxlegende Muhammad Ali oder auch die Westküstenband Grateful Dead stets zu Bestandsaufnahmen der gegenwärtigen USA, deren Leidenschaften, Sehnsüchte und Ängste.

In Leon Gasts Filmen konnte man die emotionalen Ressourcen des Bewunderns entdecken, aber auch was es heißt, bewundert zu werden. Nie ging es Gast um Homestorys oder Heldenporträts, in seinen Filmen zeigte er vielmehr herausragende Persönlichkeiten gerade auch in deren alltäglicher Stille.

Leon Gast, 1936 in New Jersey geboren und aufgewachsen, hatte zunächst ein Studium der Theaterwissenschaft an der Columbia University in New York begonnen, dieses aber abgebrochen, als er die Gelegenheit erhielt, zusammen mit Lowell Thomas die TV-Serie „High Adventure“ zu produzieren, eine Show, die weitgehend unbekannte Weltgegenden vorstellte. Durch diese Arbeit kam Leon Gast viel herum, und durch sie entwickelte er auch seine filmische Version eines ethnologischen Blicks, mit dem er der Fremdheit nicht zu Leibe rücken, sondern sie beschreiben und verstehen wollte.

Leon Gast war 1974 für Aufnahmen in Afrika, als dort in Kinshasa/Zaire der sogenannte „Rumble in the Jungle“ stattfand, der zum Boxevent des Jahrhunderts stilisierte Kampf zwischen George Foreman und Muhammad Ali. Gast hatte mehr als 400 Stunden Filmmaterial am Rande des Kampfes und dessen Vorbereitungen gedreht. Anschließend jedoch fehlte das Geld, das Meisterwerk auch abzuschließen. Als „When We Were Kings“ 1996 erschien und mit einem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, hatte das Filmmaterial die nötige Patina angesetzt, um die ganze und wahre Geschichte dieses auch politischen und wirtschaftlichen Gesellschaftsereignisses zu erzählen.

Leon Gast war dabei nicht nur Muhammad Ali nahegekommen, er hatte ihn insbesondere auch in den Momenten beobachtet, in denen er sich seiner afrikanischen Wurzeln vergewisserte und letztlich auch für seinen sportlichen Erfolg zu nutzen verstand. Noch ehe der Gong zur ersten Runde ertönte, war Muhammad Ali als afrikanischer Boxer gefeiert worden, während George Foreman bloß ein US-Profi war.

In Filmen über das Rockermilieu der Hells Angels und die mehr als Lebensgefühl denn als Band reüssierenden Grateful Dead hatte Leon Gast zudem soziologische Feinmalereien zur amerikanischen Subkultur in deren wilder Blütezeit beigetragen. Nun ist Leon Gast im Alter von 85 Jahren gestorben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare