Frauke Petry, AfD-Landeschefin in Sachsen.
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Frauke Petry, AfD-Landeschefin in Sachsen.

"Der Machtkampf der Wutbürger", ARD

AfD - immer hart am rechten Rand

  • Daland Segler
    vonDaland Segler
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Die ARD zeigt, wie die Spitzen der „Alternative für Deutschland“ gegeneinander Position beziehen. Der Anfang vom Ende?

Eine Reportage eigens über die Alternative für Deutschland? Nun gut, Stoff gibt es genügend: vor allem die Nähe zu „Pegida“, dann auch die Führungsdiskussion in der Partei. Sie ist der Anlass für das ARD-Hauptstadt-Studio, einen Beitrag zu erarbeiten, der dann aber doch mit nur 15 Minuten Länge etwa einem „Brennpunkt“ entspricht – aber die AfD gleich nach der Tagesschau ins Scheinwerferlicht zu rücken, wäre doch zuviel der Ehre gewesen. So bleibt ein Sendeplatz knapp vor Mitternacht.

Dem Autorenteam Marie-Kristin Boese und Tim Herden gelingt es, den sich abzeichnenden Niedergang der Partei vor allem durch Aussagen ihrer Spitzen erkennbar werden zu lassen. Als Bündnis von Euro-Kritikern und frustrierten CDU-/CSU- und FDP-Wählern gegründet, biedert sich die AfD heute bei Ausländerfeinden, Islam-Hassern und anderen Rechtsextermen an, oder, wie es Rechtsaußen Frauke Petry, die sächsische Landeschefin, formuliert: Mit Zuwanderung und Flüchtlingen seien „Themen in die Öffentlichkeit geraten, die wir einfach auch mitbedienen müssen“. Und ihr brandenburgisches Pendant Alexander Gauland stößt ins gleiche Horn: Die Anhänger der „Pegida“-Bewegung seien „natürliche Verbündete“ der AfD.

Man zäumt also den politischen Gaul vom Schwanze auf und sucht sich die Wähler, statt mit einer klaren Position welche zu gewinnen. Das war ja mal der Anfang der AfD: die Kritik am Euro, formuliert vor allem vom Bernd Lucke, einem Professor für Makroökonomie. Jetzt hat der Hamburger Probleme mit den Geistern, die seine Mitstreiter riefen, allen voran betagte Herren vom Schlage Gaulands, einst tonangebend in Hessens CDU unter Walter Wallmann und danach bei einer FAZ-Tochter tätig. Einstweilen aber hat Lucke es geschafft, seinen Führungsanspruch durchzusetzen, wie die Autoren in einem aktuellen Statement des Parteigründers zeigen.

Boese und Herden lassen ihre Distanz zu den AfD-Größen deutlich erkennen, bleiben im Ton sachlich und ordnen die verqueren Aussagen doch kritisch ein, indem sie etwa die Hamburger AfD-Größe Jörn Kruse zeigen, wie er etwa verschleierte Musliminnen als „schwarze Monster“ diffamiert. Auch die Nähe zu „Pegida“ wird offengelegt, schließlich wächst in der mit Rassisten und Nazis zusammen demonstrierenden Pegida-Anhängerschaft vermutlich der Spaltpilz der AfD.

Dass die Verbindungen und Kumpaneien mit den von einem Kriminellen organisierten Demonstrationen etwas zu kurz kommen, mag der Kürze der Reportage geschuldet sein. Vielleicht wären 45 Minuten doch angemessen gewesen, so wirkt die Viertelstunde vor Mitternacht etwas zwitterhaft: Man hätte schon wollen, aber traute sich nicht recht zu dürfen – aus Furcht, die Partei „hart am rechten Rand“ aufzuwerten?

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