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Kiril Dolber im Gespräch mit einem Imam.
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Kiril Dolber im Gespräch mit einem Imam.

TV-Kritik: Wieviel Islam verträgt Deutschland?

Mit dem Imam auf Tour

Eine ZDF-Dokumentation fragt: Wie tolerant sind wir wirklich gegenüber einem Glauben, in dessen Namen Fanatiker morden?

Von Cathy de Haan

Umfragen behaupten, dass die Hälfte der deutschen Bevölkerung Angst vor dem Islam hat. Angesichts der aktuellen Mordattacken des sogenannten Islamischen Staats steigt die Furcht. Ist der Islam eine Gewalt- und Terror-Religion? Ist der Islam frauenfeindlich? Passt der Islam zu unser Demokratie? Entlang dieser drei Fragen erstellen Annette Heinrich, Candan Six-Sasmaz und Robert Wortmann in der ZDF- Dokumentation „Wie viel Islam verträgt Deutschland?“ ein spannendes Stimmungsbild der deutschen Gesellschaft. Sie starten ein Experiment mit einem fiktiven Moschee-Bau, interviewen Konvertiten, führen Straßenbefragungen mit Bibel- und Koranzitaten durch und initiieren mit der türkischen Zeitung „Sabah“ eine Befragung. Das alles im aktiven Dialog mit christlichen und muslimischen Gemeinden und Experten beider Religionen.

"Was sagen Sie zu einer Moschee in der Nachbarschaft?" Ein als Iman verkleideter Schauspieler und zwei Helfer fahren durch Deutschland. Sie möchten vor Ort eine Moschee bauen und suchen den Kontakt zur lokalen Bevölkerung - klingeln an den Türen von Reihenhäusern, befragen Passanten auf der Straße. Ihre Reise führt nach Hamburg, ins ländliche Tostedt und nach Pirna in Sachsen. 2030 wird wohl jeder zehnte Bürger in Deutschland Muslim sein. Die muslimischen Gemeinden wachsen. Ist es da nicht verständlich, wenn man eine Moschee bauen möchte? Das sehen nicht alle so „Da steht einer mit dem Koran vor meiner Tür, und da soll ich keine Angst haben? „Um Gotteswillen!“ Doch die vor der Kamera geäußerte Ablehnung hält sich in Grenzen. Die Mehrheit reagiert tolerant bis positiv: „Wir haben hier eine katholische Kirche, eine protestantische, und der Islam ist nun mal Teil von Deutschland, warum nicht eine Moschee?“ „Vielleicht besuche ich Sie dann mal.“ Doch kaum ist die Gruppe abgereist – tauchen feindselige Reaktionen im Internet auf. Dabei wird dann auch sogleich gegen Flüchtlinge vor Ort polemisiert.

Flüchtlingslager als Brutstätten des Terrors?

Die Theologin Tuba I??k von der Universität Paderborn findet dafür klare Worte: „Wenn sich IS-Terroristen auf den Koran stützen, um ihre Gräueltaten zu begründen, dann ist das ein offener Missbrauch ihrer Heiligen Schrift“. 700.000 Muslime sind bisher als Flüchtlinge in 2015 nach Deutschland gekommen.Viele auf der Flucht vor dem Terror des IS, der sie hier wieder einholt. Denn die Extremisten versuchen auch in Flüchtlingslagern zu rekrutieren, wie Mutige berichten, die sich widersetzten. „Sie sagten, komm zu uns, wir zeigen dir das Paradies. Ich sagte, danke, das steht alles im Koran, ich muss mich keiner Gruppe anschließen“. Doch Terroristenbiographien lassen sich bislang nicht bis in Flüchtlingslager zurückverfolgen, vielmehr in mangelhaft integrierte Familien. Darüber macht sich Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts, keine Illusionen: „Wir haben in Deutschland eine ernstzunehmende Bedrohungslage und wir können nicht ausschliessen, dass ein Anschlag passiert. Wir sind sehr wachsam“.

"Der Koran braucht eine Aktualisierung"

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, so steht es im deutschen Grundgesetz.. Wie wird das in muslimischen Gemeinden gelebt? Divers: Wir folgen den beiden gläubigen Musliminnen Elahi und Derya sowohl in die Moschee als auch in die Disco. Für sie sind praktizierter Glaube und Teilnahme am liberalen westlichen Lebensstil keine Gegensätze. Doch das Gespräch mit den jungen Fußballern bei Türkspor Harburg zeigt, dass ihre männlichen Altersgenossen, da für Männer und Frauen mit zweierlei Maß messen... Der Islamwissenschaftler Abdul Ahmad Raschid bringt es auf den Punkt: “Machen wir uns nichts vor, der Islam ist wie das Christentum eine patriarchalische Religion Das heißt, Männer haben diese Religionen nach ihrer Entstehung in die Hand genommen und haben sie zu ihren Gunsten interpretiert. Haben Frauen aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen, da sie nur gestört haben“. Deshalb fordert Mouhanad Khorchide von der Universität Münster: "Der Koran braucht eine Aktualisierung, damit er für die Menschen heute im 21. Jahrhundert lebendig bleibt.“ Und da gibt es zahlreiche Optionen für den theologischen Diskurs: „Es gibt Handlungsfreiraum und Flexibilität in islamischen Positionen, und die dürfen wir nutzen“, hält Tuba I??k fest.

In der Umfrage von „Sabah“ unter 1000 Teilnehmern sagen zwar 39 Prozent, dass sie sich als Muslime in Deutschland diskriminiert fühlen. Doch zugleich bekräftigen 86 Prozent, der Islam hindere sie nicht daran, die deutsche Verfassung zu achten. Das zeigt deutlich: Religionsfreiheit wird nicht als Selbstbedienungsladen gesehen. Der Zitate-Test zeigt: Sowohl Christen als auch Muslime ordnen der jeweils anderen Religion die Inhalte zu. Und gewinnen bei der Auflösung mit Erstaunen neue Einsichten. Mit mehr Mut aufeinander zuzugehen und der Bereitschaft voneinander zu lernen, gewinnen Deutschland und der Islam.

"Wieviel Islam verträgt Deutschland?", ZDF, vom Dienstag, 24. November, 20.15 Uhr. Im Netz: ZDF Mediathek.

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