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Maischberger im ARD-Studio.

Maischberger, "Die Wahljury"

"Ich habe eine Waffe dabei"

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Bei Sandra Maischberger diskutieren nicht Politiker, sondern prominente Parteianhänger über die anstehende Bundestagswahl. Für den Aufreger des Abends sorgt ein AfD-Wähler.

Prominente, die auf Fans angewiesen sind, so raten es wohl die meisten PR-Berater, äußern sich besser nicht zu parteipolitischen Fragen. Zu groß die Gefahr, der ein oder andere Fan könnte verloren gehen, weil er mit der Partei seines Verehrten nicht sympathisiert. Umso mehr erfreut es, wenn es dann doch einige tun und sich auf Parteitagen zeigen, sich zur Bundesversammlung schicken lassen  oder sich in Talkshows setzen und über Parteipolitik sprechen. Mit Vorbildfunktion an der Demokratie teilzunehmen, politisch zu sein, das kann vielleicht doch den ein oder anderen motivieren, zur Wahl zu gehen.

Und so saßen bei Maischberger am Mittwochabend drei fernsehbekannte Schauspieler, ein Wissenschaftler, ein ehemaliger TV-Moderator und ein Publizist, die sich alle zur eigenen Präferenz öffentlich bekennen, und diskutierten unterhaltsam: „Die Wahljury: Wer verliert, wer regiert?“

AfD-Anhänger sorgt für Schreckmoment

Prominenz Nummer 1: Uschi Glas. Als junge Schauspielerin in den 70ern war es in der Kreativszene eher angesagt, der Willi-Brandt-SPD anzuhängen. Auch Glas‘ Vater war Sozialdemokrat, doch ein rebelloider Impuls führte die Darstellerin zur CDU/CSU: „Ich bin frei, ich bin selbständig und ich wollte immer unabhängig sein.“ Umso mehr bewundere sie Angela Merkel, die aufgrund der weltpolitischen Lage, die einzige Frau in Deutschland sei, „die mit diesen verrückten Männern auf dieser Welt umgehen kann“. Ein Bündnis mit den Grünen könne sie sich vorstellen, sagt sie, Jamaika ginge auch klar.

Ebenfalls dabei: Clemens Schick, der schon bei James Bond-Filmen mitspielte und im August vergangenen Jahres der SPD beitrat, weil er etwas „begriffen habe“, und deshalb sofort handelte. Jeder Parteieintritt erfordere Kompromisse, mit der SPD gebe es aber die meisten inhaltlichen Übereinstimmungen. Er wollte weg von negativen Konnotationen über „die Parteien“, und „die Politik“. In der Talkshow machte klar, warum er der Auffassung ist, dass diese Wahl entscheidender sei, als es dem Wähler derzeit erscheine. „Was wir in der Gesellschaft brauchen, ist Solidarität“, nur wenige erinnern sich an die Kälte, die von Schwarz-gelb ausgehe.

Für einen kurzen Schreckmoment in der Talkrunde sorgte der ehemalige Sat.1-Moderator und AfD-Anhänger Hans-Hermann Gockel. Man könne heute „nicht mehr unbewaffnet aus der Tür gehen“, deshalb habe er immer eine Waffe dabei, sagte er und griff kurz danach in sein Jackett. Er hatte dann aber doch nur das Grundgesetz dabei. Die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel kommentierte er, die Kanzlerin solle lieber im Fußballstadion Emotionen zeigen, nicht aber in der Politik. Deutschland sei zu einem Land der Islamistischen, Dschihadisten und Terroristen geworden. Besonders zeige sich das im berüchtigten Bielefeld. Die anderen Gäste schmunzelten.

Für die Grünen saß Tayfun Bademsoy in der Runde. „Der Planet erstickt“, sagt der Tatort-Schauspieler in der Talkrunde und zeigt sich überzeugt von den Grünen, die für Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Frieden in der Welt stehen. Seitdem die AfD existiere, habe sich Deutschland verändert, selbst seine Söhne, die in Deutschland aufwuchsen und sich nie über Fremdenfeindlichkeit beklagten, würden nun eine latente Ausländerfeindlichkeit auf der Straße spüren. Von einer Jamaika-Koalition hält Bademsoy nichts. Die FDP sei eine „Nuttenpartei“, die sich mit jedem ins Bett lege, wo sie einen Platz bekomme. Vor Angela Merkel habe er aber seit der Flüchtlingspolitik Respekt.

In der Runde am meisten beharkten sich der Ökonomie-Professor Christoph Butterwegge und Focus-Herausgeber Helmut Markwort. Butterwegge beanstandet marode Brücken, zerstörte Infrastruktur, fehlende Lehrer und fordert deshalb, wie seine Partei „Die Linke“, höhere Steuern für Besserverdiener. Markwort bezeichnete das als unrealistisches „Gruselbild“, in Wahrheit gebe Deutschland schon jetzt die Hälfte des Bundesetats für Sozialleistungen aus. Von Jamaika will der FDP-Anhänger nichts hören: „Erstmal ist es wichtig, dass die FDP mehr Stimmen als die Grünen bekommt.“ Die Parteibasis werde rebellieren, wenn es zum Bündnis mit der „Verbotspartei“ komme, prognostiziert er. Auch Butterwege befürchtet Jamaika: „Bob Marley würde sich im Grabe umdrehen.“

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