"Bolt"

Der Hundekomplex

  • Daniel Kothenschulte
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Disney schickt mit "Bolt" endlich wieder ein Tier ins Rennen, das tierisch sein darf. Von Danile Kothenschulte

Mit dem klassischen Disney-Trickfilm war lange nicht mehr zu rechnen. Als Pixar-Gründer John Lasseter jedoch auf dem Stuhl von Mickys Vater Platz genommen hatte, konnte man Hoffnung schöpfen. Zuerst kam "Verwünscht" heraus, eine überraschend geglückte Wiederauflage des Erfolgsrezepts von Mary Poppins. Und jetzt, mit "Bolt", gibt es sogar wieder, von weitem betrachtet, so etwas wie "Susi und Strolch" mit einem Spritzer "Bernard und Bianca". Es ist der erste Disney-Trickfilm seit wenigstens einem Jahrzehnt, dem man guten Gewissens das Attribut "liebenswert" verleihen kann. Seit langem hat man keinen animierten Tierfilm mehr gesehen, gleich aus welchem Studio, in dem Tiere auch tatsächlich wie solche agierten.

Beim alten Disney war so etwas selbstverständlich, auch wenn Baghira, der Panther, eine rechte Gouvernante sein konnte. Zeitweilig besaß Walt Disneys Studio sogar einen eigenen Zoo als Studienobjekt. Heute animiert man einfach Schauspieler. Sagen wir, statt eines Esels tut es auch Will Smith.

Doch selbst wenn der vierbeinige Held von "Bolt" im Original John Travoltas Stimme hat, sieht er nicht aus wie John Travolta. Als Star einer Reality-TV-Show über einen heldenhaften Hund kann er das Fernsehen nicht von der Wirklichkeit unterscheiden. Man hätte ihn auch von Jim Carey sprechen lassen können, aber dann wäre die Ähnlichkeit zur "Truman Show" überdeutlich geworden. Weil Bolt aber nun einmal ein Hund ist, ist er zwar agil und treu, aber zugleich auch nicht der allerhellste.

Es ist einfach, sich seiner Dienste zu versichern, wenn man nur in der Actionserie seine Halterin, die wie das Mädchen in "Bernard und Bianca" Penny heißt, in Gefahr bringt. Widrige Umstände aber katapultieren ihn außerhalb der Studiomauern bis ins ferne Manhattan. Im Fernsehen längst ersetzt durch einen anderen Filmhund, spielt Bolt auf den Straßen dieses Road Movies also seine größte Rolle - angeleitet von einer versnobten Katze, die den Superhund das Winseln lehrt. Immerhin gibt sie zu, wie all ihre Artgenossen einen Hundekomplex zu haben.

Auch wenn die digitale Animation noch immer in Widerspruch steht zum echten Disney-Flair, kehrt ein gutes Stück vom alten Charme zurück. Allein, weil hier Tiere wieder richtig tierisch sein dürfen.

Und wer "Bolt" in speziellen Kinos anschaut, erlebt sogar den ersten wirklich sehenswerten unter den neuen 3D-Filmen. Die plastischen Effekte sind nicht aufdringlich, sondern erweitern den Filmraum. So, wie Walt Disney einmal seine Multiplan-Kamera konstruierte, damit wir eintauchen durften in sein gezeichnetes Königreich.

Bolt, Regie: Byron Howard, Chris Williams, USA 2008, 103 Minuten.

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