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Hans Sarkowicz, Programmchef von hr2-kultur.

Radio

Weniger Eigenprofil, aber eine Chance für Rituale

  • vonAndrea Pollmeier
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Vieles bleibt, anderes geht, und es soll eine eindeutige Musikfarbe geben: Wie sich hr2-Kultur künftig anhören soll.

Mit einer halbierten Redaktion und Zulieferungen unter anderem aus einer neuen, senderübergreifend aufgebauten „Kultur-Unit“ wird vom 14. September an hr2-Kultur auf Sendung gehen. Das Herz des Senders bilden von nun an vor allem die Moderatoren und Moderatorinnen, sie erreichten bei zuvor realisierten Hörerumfragen Bestnoten und sollen in einem betont persönlichen und zugewandten Stil extern entstandene Kulturbeiträge inhaltlich miteinander verbinden.

Ziel sei es, so der Intendant des Hessischen Rundfunks, Manfred Krupp, durch eine lineare und digitale Doppelstrategie dem öffentlichen Auftrag besser zu entsprechen und ein Programm zu gestalten, das alle Altersgruppen im Sendegebiet erreiche. Zusammen mit Programmdirektorin Gabriele Holzner und hr2-Programmchef Hans Sarkowicz stellte Krupp das von den 32 Mitgliedern des Rundfunkrats einstimmig gebilligte „Konzept zur Neuausrichtung von hr2-Kultur“ erstmals der Öffentlichkeit vor.

Im neuen Programmschema bewahrt bleiben Sendungen wie „Doppelkopf“ und „Der Tag“, aber auch die „Frühkritik“ und der Zuspruch um 6.30 Uhr. „Diese waren uns“, so Sarkowicz, „im doppelten Wortsinn heilig.“ Der öffentliche Widerstand gegen die Reformpläne hatte sich gerade gegen eine befürchtete Streichung dieser programmprägenden Sendungen gerichtet. Neu hinzu kommen ein Kriminalhörspiel am Mittwoch, unter dem Titel „2 bis 4 – Menschen und ihre Musik“ ein Sendeplatz für Prominente, an dem diese ihre Wunschmusik vorstellen sowie die Reihe „Archivschätze“, in der wertvolle, alte HR-Aufnahmen aus Musik, Literatur, Hörspiel und Zeitgeschichte hervorgeholt werden.

Kindersendungen wandern von der Mittagszeit in die frühen Morgenstunden, das digitale Angebot des Kinderfunks wird erweitert, Podcasts sollen helfen, das Programm in den familiären Tagesablauf zu integrieren.

Die Öffnung hin zu digitalen Angeboten, habe sich, so Krupp, im Corona-Shutdown bereits bewährt. Angebote, die der HR auf Instagram einstellt, seien um 80 Prozent stärker nachgefragt worden, auch Youtube-Inhalte hätten wachsende Zugriffe. Ziel der aus 14 Initiativen zusammengesetzten Reform sei es nicht, zu sparen, betonte der Intendant, sondern die Präsenz kultureller Inhalte auch außerhalb von hr2-Kultur zu ermöglichen. Mitarbeiter, die heute primär für diesen Sender tätig sind, werden künftig für die „Kultur-Unit“ Beiträge erstellen. Inhalte, die hier zusammengeführt sind, werden auf die unterschiedlichen Sendebereiche des Rundfunks verteilt.

So soll beispielsweise der Sender hr-Info, der bisher vor allem aktuelle politische Inhalte übermittelt, nun auch verstärkt kulturelle Beiträge senden. Eine Mehrfachnutzung kultureller Beiträge innerhalb digitaler und linearer Programmangebote werde durch diese Zentralisierung in einer „Kultur-Unit“ – so die Vorstellung des HR-Leitungsteams – erleichtert. „Produkte die es schon gibt, sollen künftig im Haus besser verteilt und auf unterschiedlichen Wegen verbreitet werden“, erklärte Programmdirektorin Holzner. Ausdrücklich entschuldigte sie sich für die Nutzung des Arbeitsbegriffs „Klassikwelle“ in der Planungsphase der Programmreform. Das Wort habe Konnotationen erzeugt, die niemals beabsichtigt gewesen seien.

Musikalische Farbwechsel wird es innerhalb allerdings tatsächlich weniger geben. „Wer klassische Musik schätzt, verlässt einen Sender, wenn plötzlich Weltmusik zu hören ist“, so Krupp. Entsprechend war es eine der Vorgaben, so Sarkowicz, ein Tagesprogramm mit Klassik als Musikfarbe zu gestalten. Da künftig auf hr2-Kultur feste Nachrichtenbausteine wegfallen, ist es zudem möglich, Musikstücke ohne Unterbrechung auszuspielen. Wer an musikalischer Vielfalt Interesse hat, muss sich bis zum Abend gedulden, dann ist Jazz und Weltmusik auch weiterhin hier zu hören.

„Hörerzahl muss stimmen“

Wer künftig den hr2-Kultur-Sender im Radio einschaltet, wird also zunächst noch an gewohnten Ritualen festhalten können. Die bisherigen Schwerpunkt-Bereiche bleiben bestehen. Das eigene Profil des Senders wird jedoch zugunsten von Mehrfachnutzungsoptionen und Kompatibilität mit anderen Wellen des Senders abgebaut.

Sendungen, die in diesem neuen Zusammenspiel nicht die erwünschte Hörerzahl erreichen, werden dann, das steht für Manfred Krupp außer Frage, zu einem späteren Zeitpunkt gestrichen.

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