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HR-Tatort (ARD) mit Ulrich Tukur: Geschichte von früher

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Von: Judith von Sternburg

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Ein schöner HR-Tatort mit Ulrich Tukur als Murot. Doch für jeden ist der Tatort an diesem Sonntag (25. September) wohl nichts.

Kassel – Das muss man mögen oder sich für Sonntagabend (25. September) etwas anderes vornehmen. „Murot und das Gesetz des Karma“ ist eher ein kleiner Kunstfilm als ein Fernsehkrimi, aber wer sich jetzt wirklich etwas anderes vornimmt, verpasst den Schauspieler Sascha Nathan als Bauchredner Bernd.

Der Bauchredner ist ein windiger Typ, keine große, aber eine prägnante Rolle. Er verkauft auch Waffen, die bietet dann seine Puppe an. Nicht schlecht, eine Puppe, die illegal mit Waffen handelt, und welche Handhabe hätten Recht und Gesetz dabei? Wenn Recht und Gesetz durchgreifen wollten in diesem Tatort, der es aber irgendwo leicht nimmt mit den herkömmlichen Regeln?

Tatort: Zwei Diebinnen und zwei Erpresserinnen mit einer außerordentlichen kriminellen Energie

Es gibt genug possierliche Einfälle und kuriose Figuren in dieser HR-Produktion, um im kriminalistischen Zentrum salopp zu bleiben, wobei es immerhin existiert, das kriminalistische Zentrum. Es gibt zwei Diebinnen und Erpresserinnen, Anna Unterberger und Marina Mitterhofer, die eine außerordentliche kriminelle Energie haben, aber die Sympathien von Buch und Regie. Man hat auch den Eindruck, dass sie nicht maßlos sind.

Es gibt zwei veritable Schurken, Philipp Hochmair, der ganz ein Schlimmer ist (und völlig ohne Maß), aber mit weißer Weste, und Thomas Schmauser als Mann fürs Grobe, der aber in diese Rolle erst hineinwachsen muss. Zuerst steckt ihn ein ebenfalls verbrecherisches Pärchen in einen Box-Übesack und knufft und pufft ihn. Sodann kauft er bei der Puppe von Bernd dem Bauchredner eine Waffe.

Tatort am Sonntag (25. September): Ein Tatort mit Toten

Es ist ein Tatort mit Kriminalhandlung und mit Toten. Die Kriminalhandlung beginnt mit einem Mord im Hotel, demselben Hotel, in dem Murot, Ulrich Tukur, am Anfang einen Vortrag über Verbrechensbekämpfung hält. Er predige immer Vorsicht und Aufmerksamkeit, sagt Murot beschwörend, um sich im Anschluss in einer allerliebsten Tukur-Restaurant-Szene von einer sympathischen jungen Frau, Anna Unterberger, K.o.-Tropfen in den Rotwein kippen zu lassen. Die Frau ist in hohem Maße wandlungsfähig und kriminell aktiv, aber nicht direkt von der schurkischen Art.

Besetzung des Tatort „Murot und das Gesetz des Karma“
Schauspieler:inRolle
Felix MurotUlrich Tukur
Magda WächterBarbara Philipp
EvaAnna Unterberger
XavierThomas Schmauser
SchöllerPhilipp Hochmair
Martin LandrotDirk Martens
KapielskiYorck Dippe
Kollege RiedelStephan Bieker
BerndSascha Nathan
MusikChristof Söhngen
KameraMax Preiss
BuchLars Hubrich, Matthias X. Oberg
RegieMatthias X. Oberg
Quelle: DasErste

Es gibt eine unerwartete Verbindung zu Murots weit entferntem Vorleben, in dem er einen heiteren Sommer mit einer Freundin in Griechenland verbracht haben muss. Es klingt verrückt, aber das Filmmaterial dazu, das nun den Vorspann bezaubernd füllt, fanden die Macher auf Youtube, ein niederländisches Paar hatte sich selbst retro in Szene gesetzt und stand dann auch für die Fotos im Film zur Verfügung. Es gibt tausend Möglichkeiten, entdeckt zu werden!

Familiendrama im Tatort

Es ist gut möglich, dass Murot damals einen furchtbaren Fehler gemacht hat, darauf bezieht sich wohl auch der Titel. Man wird zusammen mit Murot noch trauriger, als man vorher schon war.

Der Kommissar mit Ex-Privatleben, der Mann, der auf einmal denken muss, dass er hier gerade der Tochter begegnet, von deren Existenz er nicht wusste: Das sind klassische Tatort- und Komödienelemente, aber Regisseur Matthias X. Oberg, der das Drehbuch zusammen mit Lars Hubrich schrieb, und sein ausgezeichneter Kameramann Max Preiss drehen lieber eine melancholische und behände Geschichte, die sich von Genrekonventionen insgesamt fern hält. Ulrich Tukur ist perfekt dafür, während es um ihn herum immer bunter und seltsamer wird, zieht er sich immer mehr in sich zurück. Auch das ist Geschmackssache, aber wer den Clown am liebsten hat, der ganz gewiss nicht mitlacht und ein Fremder bleibt im Zirkus und auf der Welt, ist hier richtig. (Judith von Sternburg)

Zuletzt überzeugte der Stuttgart-Tatort (ARD) mit Liebe zum Detail.

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