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Das Berlinale-Logo hängt inzwischen.
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Das Berlinale-Logo hängt inzwischen.

Berlinale 2014

Im Hotel "Kino"

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Ästhetik oder Politik? Die heute beginnende 64. Berlinale setzt auf beides: Einerseits Regisseur Wes Anderson mit seinem Film "Grand Budapest Hotel", andererseits die deutsche Realistin Feo Aladag mit ihrem Bundeswehr-Drama "Zwischen Welten".

George Clooney, Charlotte Gainsbourg, Matt Damon, Catherine Deneuve, Ralph Fiennes, Bill Murray, Uma Thurman, Forest Whitaker… Die Liste erwarteter Stargäste ist wieder einmal lang, die der am Donnerstag beginnenden Berlinale vorauseilt. Die Konkurrenz aber schläft nicht.

Wieder einmal vermeldet die inhaltlich schwer fassbare aber an Trommelfeuer kaum zu überbietende Gala „Cinema for Peace“ eigene prominente Ehrengäste: Die russischen Aktionskünstlerinnen Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina haben sich dort angekündigt, besser bekannt als frisch aus der Haft entlassene Frontfrauen von Pussy Riot.

Für kommenden Montag haben die Aktivistinnen eine Pressekonferenz angekündigt, Anlass ihrer Einladung ist ein bereits auf vielen Festivals gezeigter Dokumentarfilm. Fehlte nur noch Edward Snowden, den wiederum die Berlinale in einer am Dienstag veröffentlichten Pressemeldung überraschend in den Kino-Kontext rückt.

Wenig mit Filmkunst zu tun

Der Fernsehjournalist und Dokumentarfilmer Hubert Seipel präsentiert sein bereits in der ARD in Ausschnitten gezeigtes Interview auf dem Festival in einer Kinoversion. Die einzige Vorführung am Montagabend überschneidet sich – wohl nicht ganz zufällig – mit der „Cinema for Peace“-Gala, deren Trittbrettfahrerei Berlinale-Chef Dieter Kosslick schon lange ein Dorn im Auge ist.

„Der Erfolg dieser Veranstaltung verdankt sich in erster Linie dem Umstand, dass ,Cinema for Peace‘ den falschen Eindruck erweckt, es handele sich um eine Veranstaltung der Filmfestspiele, und das möchten wir nicht weiter so haben“, erklärte er vor kurzem gegenüber der „Berliner Morgenpost“. Die Berlinale kündigte außerdem eine Anzeigenkampagne in Branchenblättern an, um sich von den Aktivitäten des „Cinema-for-Peace“-Initiator Jaka Bizilj zu distanzieren: „Ich würde mich sehr viel wohler fühlen, wenn ich einmal einen Bericht lesen könnte, in dem steht, wie viel Geld bei ‚Cinema for Peace‘ in den letzten Jahren eingenommen wurde und wie viel an welche Organisationen geflossen ist“, so Kosslick weiter.

Fest steht jedenfalls, dass das alles mit Filmkunst herzlich wenig zu tun hat. Dabei kann man sich wieder einmal freuen, auf ein Festival, dessen Eröffnungsfilm bereits freudige Erwartung weckt.

In Filmklassikern schwelgen

Der US-amerikanische Autorenfilmer Wes Anderson hat sich von Stefan Zweig und seinem 1939 erschienenen Roman „Ungeduld des Herzens“ zu seinem neuen, unter anderem in Görlitz gedrehten Film „Grand Budapest Hotel“ inspirieren lassen – auch wenn der bereits im Jahre 1932 angesiedelt ist. Das wiederum erinnert an die damalige Hollywood-Version von Vicki Baums „Menschen im Hotel“, jenem Vorboten der heute so beliebten Gattung des Ensemblefilms mit seine vielen ineinander verwobenen Geschichten.

Miterfunden hat diese Filmform indes einer der unterschätzten Meister des Weimarer Kinos, Gerhard Lamprecht. Die Deutsche Kinemathek, die einmal aus Lamprechts privater Filmsammlung hervorging, ehrt ihn nun mit einem fast vergessenen Sozialdrama von 1928, „Unter der Laterne“. Wie der Titel bereits nahelegt, verdankt dieses Berliner Halbweltdrama seinen besonderen Reiz dem Licht – einem filmischen Mittel, dem die Berlinale-Retrospektive „Aesthetic of Shadow“ gewidmet ist.

Einen besseren Anlass könnte man kaum finden, in Filmklassikern zu schwelgen und ein paar vergessene Juwelen zu entdecken. Schaustück der Reihe ist eine neu-restaurierte Fassung von Robert Wienes expressionistischem Klassiker „Das Kabinett des Dr. Caligari“. Zum ersten Mal wurde dabei auf das originale Kameranegativ zurückgegriffen, was dem Film einen überraschenden Reichtum an Schattierungen beschert. Wo man früher nur Schwarz und Weiß gesehen hat, entstehen in der farbig viragierten Fassung nun ganz andere malerische Wirkungen. Kein aktueller deutscher Film ist international so bekannt wie dieser Klassiker von 1920. Ob die vier deutschen Beiträge im Wettbewerb daran wohl etwas ändern können?

Denkbar weiter Bogen

Thematisch und formal spannen sie jedenfalls einen denkbar weiten Bogen: Den Realismus vertritt Feo Aladag („Die Fremde“) mit ihrem Bundeswehr-Drama „Zwischen Welten“. Anders als üblich, drehte sie ihren Afghanistan-Stoff an Originalschauplätzen.

Dominik Graf bewirbt sich dagegen mit einem fast dreistündigen Kostümfilm aus dem Leben Friedrich Schillers um den Berlinale-Bären – „Die geliebten Schwestern“. Ein Berliner Gegenwartsstück kommt dafür von Edward Berger, dessen „Jack“ große Erwartungen weckt. Die Geschichte zweier Jungen, die auf der Suche nach ihrer Mutter zu Großstadtnomaden werden, erinnert an die Anfänge der französischen Nouvelle Vague. Die wiederum ist im Wettbewerb mit einem ihrer letzten Veteranen vertreten, dem 91-jährigen Altmeister Alan Resnais – „Aimer, boire et chanter“ heißt sein neues Werk.

Vierter deutscher Wettbewerbsteilnehmer schließlich ist der Berliner Dietrich Brüggemann. Mit seiner streng in 14 Szenen eingefassten Passionsgeschichte „Kreuzweg“ über eine radikale Christin knüpft er an den minimalistischen Filmstil seines Frühwerks „Neun Szenen“ an. Es ist lange her, dass das deutsche Kino mit dem Weimarer Expressionismus eine Weltmarke wurde, wie uns nun die Berlinale-Retrospektive in Erinnerung ruft. Seine Gegenwart ist vielgestaltig – und vielleicht macht es die Berlinale richtig, wenn sie diese Vielfalt abzubilden sucht anstatt sich für einen Filmstil – etwa die „Berliner Schule“ – zu entscheiden.

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