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„Keine Zeit für Arschlöcher“ im ZDF: Horst Lichter ist gar nicht mal so unsympathisch

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Von: Jörg Schneider

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Der Film „Horst Lichter - Keine Zeit für Arschlöcher“ ist am 9. Januar im ZFD zu sehen. Er beruht auf dem Leben von Lichter.
Der Film „Horst Lichter - Keine Zeit für Arschlöcher“ ist am 9. Januar im ZFD zu sehen. Er beruht auf dem Leben von Lichter. © Rolf Vennenbernd/dpa

Der Film „Keine Zeit für Arschlöcher“ dreht sich um das Leben von Horst Lichter – eine etwas andere Filmvorschau.

Machen wir uns nichts vor. Wir leben in Zeiten von der klassischen Eleganz eines formvollendet tätowierten Arschgeweihs – und im Rahmen der damit einherröhrenden, zunehmend schonungsloser wütenden gesellschaftlichen Gesamtverwahrlosung hat vor allem die kulturelle Landschaft enorme Kollateralschäden zu beklagen.

Da verwundert es nur wenig, dass beispielsweise dem alten Volksmundkatalog, was denn ein Mann in seinem Leben so zu erledigen habe – nämlich ein Haus zu bauen, einen Baum zu pflanzen und ein Kind zu zeugen (mir persönlich gelang diesbezüglich mit einem abgerissenen Haus, einem gefällten Baum und einem Schwangerschaftsabbruch lediglich ein fragwürdiger Eigentorhattrick) – offenbar noch die Verfilmung des eigenen Lebens hinzugepackt wurde.

Horst Lichter im ZDF: Keine Zeit für Arschlöcher - ehrenwerte Gründe

So ist etwa am Sonntag, den 09. Januar um 20.15 Uhr im ZDF unter dem Titel „Horst Lichter – Keine Zeit für Arschlöcher“ das Leben des titelgebenden Herrn Lichter zu begucken. Und im Rahmen der diesem Ereignis vorausschwappenden Bugwelle gilt es hier offen einzugestehen: Obwohl der Film bereits seit einigen Tagen in der entsprechenden Mediathek zu finden ist, habe ich ihn nicht gesehen, sondern die eingesparten 90 Minuten lieber in das mit alten Versatzstücken garnierte Zusammenschmieren dieses Textes investiert.

Zugegeben, wahrscheinlich werden die meisten Film- und Fernsehkritiken in vollkommener Unkenntnis des zu Beschreibenden verfasst … aber ich gebe es hier - wenn auch nicht stolz darauf – zumindest immerhin offenkundig zu. Und das, also das Nichtgucken, aus einem (wie ich finde) sogar halbwegs ehrenwerten Grund.

ZDF am Sonntag: Horst Lichter - Keine Zeit für Arschlöcher

Denn obwohl ich alles andere als ein Freund von automatisiertem Frohsinn und dem kaum mehr aus dem Bewusstsein viel zu vieler Leute herauzukratzenden Irrglauben bin, ein Dialekt (gerne optisch zementiert durch einen „witzig-frechen“ Zwirbelbart wie er bspw. seit Anbeginn der Zeit den Dauerkarnevalsrheinländer brandmarkt) sei per se lustig, muss ich in der Causa Lichter dennoch freimütig eingestehen: Mir ist der Mann alles andere als unsympathisch.

Horst Lichter – Keine Zeit für Arschlöcher

Am Sonntag, 09. Januar im ZDF oder in der ZDF-Mediathek

Zumindest anhand von dem, was man (und es gab ja eine Zeit, da gab es medial kaum ein Entkommen) in Interviews und ähnlichen Formaten so von ihm mitbekam und nach wie vor bekommt.

Horst Lichter: Erstaunlich erträglich bei Bares für Rares

So hatte auch ich selbstverständlich eine längere Bares-für-Rares-Phase, in der ich mir die größte Mühe gab, möglichst großräumig über nahezu alle teilnehmenden Personen hinwegzusehen und mich auf die teilweise ja überraschend interessanten kunstgeschichtlichen Hintergründe des dort zu verhökernden Krams zu konzentrieren. Und selbst in diesem Kontext gab sich Herr Lichter (mal abgesehen von den üblichen Anwanzereien an „andere Mopedfahrer“ und dergleichen Artwandte) erstaunlich erträglich bis tatsächlich grundsympathisch.

Und da ich weiß, dass der Köder nun mal dem Fisch und nicht dem Angler zu schmecken hat, gehe ich mal ungesehen davon aus, dass die Verantwortlichen des Films zweifellos wissen, was sie da veranstaltet haben und ihn dem interessierten Zuschauer sicherlich nicht ganz von ungefähr auf dem eigentlich für Rosamunde Pilcher reservierten Sendeplatz anbieten.

Ich werde mich dieser Tage wohl ebenfalls mal hinsetzen und gleichaltrige Mitrentner in einem Buch (Film, Musical?) über Autobiografisches aus meinem Leben informieren. Den Titel „Keine Zeit für Arschlöcher“ würde ich vielleicht sogar übernehmen.

Horst Lichter scheint mir jedenfalls keines zu sein und hat dergestalt - zumindest im realen Leben - durchaus ein wenig Zeit verdient. (Jörg Schneider)

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