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Günther Jauch.
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Günther Jauch.

TV-Kritik Günther Jauch

Der „Homo Transparensis“

Günther Jauch diskutiert über das Pro und Contra des gläsernen Politikers. Auslöser ist die Debatte um Peer Steinbrücks Nebeneinkünfte.

Von Michael G. Meyer

Nachdem Günther Jauch in der vergangenen Woche die wohl desaströseste Sendung seiner gesamten Karriere abgeliefert hat, mit Vorverurteilungen, Unterstellungen und Nichtkenntnis, konnte es in dieser Woche nur besser werden. Nun gut, das wurde es auch. Jauch diskutierte die fast schon philosophische Frage, wie transparent müssen unsere Politiker, unsere Politik sein? Auslöser war natürlich die Debatte um Peer Steinbrücks Nebeneinkünfte.

Piratenpartei-Vorsitzender Bernd Schlömer hat gar keine Nebeneinnahmen zu deklarieren und verdient rund 6000 EUR brutto. Das ist noch nicht so sensationell. Der ehemalige Wirtschaftsminister Michael Glos hat in den letzten Jahren über eine halbe Million abgesahnt, und das zusätzlich zum Abgeordnetenhonorar. Kein Sozialneid an dieser Stelle – aber dennoch: Ist das unanständig viel? Darauf blieb die Sendung weitgehend eine Antwort schuldig.

Stimme der Vernunft

Freitag-Herausgeber Jakob Augstein, wie so oft „the voice of reason“, die Stimme der Vernunft in der Debatte, meinte denn auch, dass es nicht so sehr darauf ankomme, wie viel ein Politiker, ein Abgeordneter verdient, sondern eher darauf, dass es nicht zu Interessenkollisionen komme. Und wenn der Kanzlerkandidat Steinbrück vier Reden im Bundestag halte, aber Dutzende hochbezahlte außerhalb, dann sei das schon etwas merkwürdig. Es sei etwas naiv zu glauben, dass man einfach so annehmen könne, dass es nicht zu Interessenkollisionen komme.

Der Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl (Unternehmer, verheiratet mit der CSU-Abgeordneten Dagmar Wöhrl) meinte, dass es deutlich zu viel verlangt sei, wenn alles transparent sei. Wo sei die moralische Grenze, ab der es gefährlich werde? Piratenpartei-Vorsitzender Bernd Schlömer wies zu Recht darauf hin, dass das ganze Thema nicht zuletzt auch eine Frage der Demokratie sein. Die Bürger verlangten eben heutzutage nach Transparenz.

Verlogene Debatte

Wie verlogen die ganze Debatte ist, zeigte sich an einem Beispiel der Nebentätigkeit von Michael Glos. Glos berät unter anderem eine Firma, die im Öl- und Gasgeschäft mit Aserbaidschan tätig ist. Glos wand sich wie ein Aal – und gab dann doch zu: Er würde diese Tätigkeit jederzeit wieder aufnehmen, im Übrigen sei Aserbaidschan doch ein Land im Umbruch. Aha, das wusste man so auch nicht von der Diktatur am südlichen Rand des Kaukasus.

Wenn’s ums Geld geht, ist eben keine Tätigkeit zu windig oder bedenklich. Das gilt auch, und vor allem für die ehemaligen Regierungsmitglieder von Rot-Grün (1998-2005). Fakt ist: Zwar ist Kanzlerkandidat Steinbrück auf Nummer eins der Nebentätigkeiten, aber bereits auf Platz zwei bis zehn sind ausschließlich CDU-, CSU- und FDP-Abgeordnete auf der Hitliste der Nebentätigkeiten. Eine Lösung wäre vielleicht eine Regelung wie in Kanada- dort dürfen Abgeordnete und Politiker fünf Jahre nach ihrem Ausscheiden aus der Politik kein Lobbyamt in der freien Wirtschaft annehmen. Vielleicht eine gute Idee auch für Deutschland.

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