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Robert Redford posiert beim Cannes-Filmfestival für die Fotografen.

"The Company You Keep" mit Robert Redford

Hommage an den zivilen Ungehorsam

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Robert Redford hat zum aufklärerischen Politthriller zurückgefunden: Sein neuer Film „The Company You Keep“ ist eine Hommage an den zivilen Ungehorsam.

Robert Redford hat zum aufklärerischen Politthriller zurückgefunden: Sein neuer Film „The Company You Keep“ ist eine Hommage an den zivilen Ungehorsam.

Alte Filme können einem manchmal ziemlich aktuell erscheinen. In „Die drei Tage des Condor“ spielt Robert Redford einen CIA-Agenten, den man fürs Sammeln von Informationen bezahlt. Noch nicht im Internet wie Edward Snowden, sondern als Leser in einer speziell eingerichteten Bibliothek. Als er allen Grund hat, seinen Auftraggebern zu misstrauen, muss er untertauchen und um sein Überleben kämpfen.

Redford nutzte früh seinen Ruhm als Schauspieler, um der politischen Kultur seines Landes auf den Zahn zu fühlen und amerikanische Träumer aufzuwecken. Er setzte dem Watergate-Reporter Bob Woodward ein Denkmal, in „Die Unbestechlichen“, jenem Politthriller, den er bereits mitproduzierte, ebenso wie „Der Kandidat“: Da spielt er einen opportunistischen Politiker, dessen einzige Eigenschaft ein adrettes Äußeres ist. Wer die Nachbesserungen am Amerikanischen Traum zu seinem Lebenswerk macht, wird in den USA nie arbeitslos. Als Regisseur rüttelte Redford zuletzt allerdings etwas schulmeisterlich an den leeren Hüllen und falschen Mythen in Politik und Rechtsstaatlichkeit (mit „Von Löwen und Lämmern“ und „Die Lincoln-Verschwörung“).

Redford findet zum Politthriller zurück

Wie schön, dass er nun zum Paradegenre des aufklärerischen Hollywood der Siebziger zurückgefunden hat, dem Politthriller. „The Company You Keep“ handelt nicht nur vom kriminalisierten politischen Untergrund der frühen siebziger Jahre, er fühlt sich auch an wie ein Film von damals, und das macht ihn nicht nur klug, sondern auch sehr unterhaltsam.

Redford selbst spielt den Kleinstadtanwalt Jim Grant, der mit seiner elfjährigen Tochter nach dem Tod seiner Frau ein ruhiges Leben führt. Bis ihn – und einen hellwachen Zeitungsreporter (Shia LaBeouf) – die Festnahme einer ehemaligen politischen Aktivistin (Susan Sarandon) an sein früheres Leben erinnert, als er noch Nick Sloan hieß. Den Mitgliedern der radikalen Protestgruppe The Weather Underground wird ein Bankraub aus den späten Siebzigern angelastet, bei dem ein Wachmann getötet wurde. Redford ist in seiner Rolle also wieder da, wo er in „Die drei Tage des Condor“ gewesen ist oder eigentlich schon 1966, als er die Titelrolle in „Ein Mann wird gejagt“ verkörperte – ein Mann auf der Flucht. Dynamische Rollen haben etwas Verführerisches für alternde Leinwandhelden, doch man muss den bald 77-Jährigen erst in seinem nächsten Film sehen, dem Ein-Personen-Actionfilm „All ist Lost“. Das ist wirklich eine Leistung.

In dieser Geschichte tragen ihn die Füße zwar sehr weit, doch seine Unschuld kann nur die dritte im Bunde bezeugen. Doch seine von Julie Christie gespielte ehemalige Weggefährtin und Geliebte denkt gar nicht daran, sich der Polizei zu stellen. Soviel Melodram muss ein.

Die Szene ihres Wiedersehens ist die schönste des Films, was schon damit beginnt, wie Redford ihr für dieses Treffen reaktiviertes, konspiratives Liebesnest zeigt, eine romantische Waldhütte. Im Dämmerlicht erscheint da ein Arkadien geheiligter Ideale, deren Unschuld selbst durch die Kriminalisierung der Bewegung nicht ganz verloren ging.

Wann ist man „ehemaligen Terroristen“ (so die offizielle FBI-Einschätzung des tatsächlichen „Weather Underground“) zuletzt mit soviel Sympathie begegnet? Immerhin verübte die Organisation etliche Bombenanschläge gegen Regierungsgebäude und befreite Drogenpapst Timothy Leary spektakulär aus dem Gefängnis. Mord allerdings war nie ihr Programm, und es ist einfach schön zu erleben, dass jemand wie Robert Redford an den Idealismus hinter dem gewaltsamen Protest erinnert. Immerhin wurden Obamas umweltpolitischem Berater Van Jones Kontakte zu Weathermen-Mitbegründer Jeff Jones vorgeworfen.

Kein Meister der Verstellung

In einem Punkt sind sich die ehemaligen Aktivisten in seiner Geschichte einig: Seit dem Vietnam-Krieg sind die Zustände nicht besser geworden, eine Einschätzung, die der Filmemacher teilt. „Wir sind heute eine Geschichte, die man Kindern erzählt“, klagt einer der Weggefährten, der gut besuchte Vorlesungen über die Zeit der Protestmärsche hält, gegenüber Redfords Filmfigur. „Die Studenten klatschen und verschwinden dann wieder in ihren sozialen Netzwerken.“ Sein Gegenüber will ihm da nicht zustimmen. „Ich bin froh, dass die Geschichte überhaupt noch jemand erzählt.“ Hier spricht fraglos Redford selbst zu uns, ein großer Meister der Verstellung war er, wenn man ehrlich ist, in seiner langen Schauspielerkarriere nie.

Wer will, der mag diesen Thriller ob einiger logischer Probleme auf die Goldwaage legen. Würde jemand wirklich seinen Häschern knapp von der Klinge springen, nur weil er im letzten Moment das geortete Handy auf einen vorbeifahrenden Laster wirft? Drehbuchautor Lem Dobbs sei auch das verziehen, wenn dadurch Zeit gewonnen wird für all die vielen klugen diskursiven Szenen. Und für Auftritte von mehr Veteranen aus Hollywoods besseren Tagen als in einem Eastwood-Film: Nick Nolte, Richard Jenkins, Sam Elliott, um nur einige zu nennen. Mit einer prominenten Nebenrolle holt Redford aber auch die junge Filmemacherin und Umweltaktivistin Brit Marling („The East“) mit ins Boot. Keine Frage, die Geschichte muss erzählt werden. Und er kann das Zepter über das Reich des gesellschaftskritischen Kinos gerne weiter geben.

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