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"Interview"

Hommage an Theo van Gogh

Mit "Interview", einem Remake des gleichnamigen Films von dem ermordeten Regisseur Theo van Gogh, ist Steve Buscemi in New York angekommen.

Von HEIKE KÜHN

Was wäre aus Steve Buscemi geworden, hätte er Valley Stream, Long Island, nicht verlassen, um in New York Feuerwehrmann zu werden? Dem Schauspieler der Zwischentöne, der für Scorsese, Altman und Ferara, für Tarantino, Gus van Sant, die Coen-Brüder, Jim Jarmusch, Alexandre Rockwell und Tom DiCillo gearbeitet hat, weil das New York Fire Department Mitte der siebziger Jahre keine Stelle für ihn freihatte, wäre es vielleicht ergangen wie den Anti-Helden seines liebenswerten Regiedebüts "Trees Lounge" - die Lounge ist eine heruntergekommene Bar voller trauriger Gestalten, die den Film beherbergt und zentriert.

Mit "Interview", einem Remake des gleichnamigen Films von Theo van Gogh, ist Buscemi in New York angekommen, aber das Prinzip seiner zweiten Regiearbeit ähnelt "Trees Longe" verblüffend. Auch "Interview" beschränkt sich über weite Strecken auf einen Raum, in dem heftig getrunken wird. Von dem Restaurant, in dem der degradierte Kriegsberichterstatter Pierre Peders auf den B-Movie-Star Katya wartet, verlagert sich die ebenso subversive wie subtile Hommage an den ermordeten Theo van Gogh nach einem unhöflichen Schlagabtausch mit der blondierten Horrorfilm-Darstellerin überraschenderweise in Katyas kultiviertes Loft.

Der Reporter, der sie für ein blondiertes Dummchen hält, das seiner Fragen nicht würdig ist, ist entwaffnet. Vielleicht ist Katya doch nicht so oberflächlich? Steve Buscemi selbst spielt den arroganten Bildungsbürger, der sich seiner Überlegenheit zu sicher ist und im Verlauf einer fulminanten, von Telefonanrufen, Tränen, Geständnissen, Anziehung und Abstoßung unterbrochenen Verführungsszene eines Besseren belehrt wird.

Pierres Zweifel an Katyas schauspielerischen Fähigkeiten rächen sich, wenn Sienna Miller in der Rolle der vermeintlich psychisch instabilen Hysterikerin loslegt und alle Register zieht. Am Ende hat Pierre ein entlarvendes Interview gegeben und nichts über Katya mitgenommen. "Interview" reflektiert den Vampirismus der Medien und die hohe Kunst der Verstellung. Man selbst zu sein und respektiert zu werden, bleibt in diesem schillernden Spiel ein gefährlicher Traum.

Interview, Regie: Steve Buscemi, US / CN / NL 2008, 84 Minuten.

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